Gerhard Schröder (SPD) verlangte einst - noch als Ministerpräsident - in der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" nach der Rechnung. Sein Genosse Klaus Wowereit war auch schon bei "GZSZ", Guido Westerwelle (FDP) war im "Big Brother Container" und der damalige Bundespräsident Roman Herzog im "Marienhof". Gastrollen von Politikern sind im deutschen Unterhaltungsfernsehen längst keine Seltenheit mehr - und kein Aufreger. Das Gastspiel von Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) in der BR-Serie "Dahoam is dahoam" macht jetzt aber einigen Wirbel.

Nicht nur Grüne und SPD im Bayerischen Landtag sind sauer, auch zwei Medienwissenschaftler und der Journalistenverband kritisieren den Auftritt. "Einen offensichtlicheren Missbrauch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann es gar nicht geben", meint der Vorsitzende des Bayerischen Journalistenverbands, Michael Busch. BR-Fernsehdirektorin Bettina Reitz weist die Kritik zurück und betont, auch Gastauftritte von Politikern anderer Parteien seien geplant.

Stein des Anstoßes ist die Folge 1449 mit dem Titel "Politische Wurst-Phobie", die am Dienstag ausgestrahlt wurde. Söders Dienstwagen hat darin eine Panne und der Politiker wird freundlicherweise von der parteilosen Bürgermeisterin Veronika Brunner (Senta Auth) in ihrem roten Auto mit nach München genommen. Auf der Fahrt hat er viel Zeit, über die Erfolge der Staatsregierung zu sprechen.

Auf Vronis Frage zur Landflucht der Jugend darf er zum Beispiel sagen: "Da machen wir eine ganze Menge. Mehr als jedes andere Bundesland. Bayern ist in der Beziehung Vorbild in ganz Deutschland." Vronis Reaktion: "So, samma des? Aha." Dank der CSU-Staatsregierung habe Bayern schnelles Internet auf dem Land, bessere Kinderbetreuung und eine gute medizinische Versorgung, führt Söder aus.

Der Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann von der Ludwig-Maximilians-Universität München sieht darin einen "Werbespot" für die CSU: "Hier dienen die Charaktere der Serie als Stichwortgeber für die Darstellung der verschiedenen Programmpunkte."

Ähnlich bewertet das der Medienforscher Klaus-Dieter Altmeppen von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt: "So unverfroren aus der Regierungserklärung zu verlesen, das habe ich noch nie erlebt", sagt er. "Ich schüttel immer wieder den Kopf darüber, wie die Politiker sich den Rundfunk untertan machen." Er empfiehlt dem BR ein "Redaktionsstatut, bei dem ein solcher Durchgriff der Politik auf das Programm ausgeschlossen wird".

Dass es einen solchen Durchgriff gegeben habe, bestreitet der BR vehement: Söder habe sich lediglich an das Drehbuch gehalten. Sein Dialog mit der Bürgermeisterin sei von einem sechsköpfigen Autorenteam geschrieben worden - "ohne jeglichen Einfluss von außen", betont der Sender.

Söder selbst sagt allerdings, dass es für ihn keine genauen Vorgaben im Drehbuch gegeben habe: "Ich habe da relativ frei geredet." Söder, der früher selbst als Journalist beim BR arbeitete, findet den Rummel völlig überzogen. "Ich habe nur die Wahrheit gesagt", sagt er und verweist auf die Auftritte anderer Politiker in Seifenopern.
Medienwissenschaftler Altmeppen glaubt nicht, dass der umstrittene Auftritt Söder schaden werde: "In einem Bundesland, wo das "Mia san mia" hochgehalten wird, würde ich eher die Hypothese wagen, dass das eher nützt." Es sei meist ein bestimmter Politiker-Typus, der diese Form medialer Aufmerksamkeit suche: extrovertiert und aufstrebend.

Söder verkleidet sich gerne öffentlichkeitswirksam zum Fasching oder posiert mit Kiss-T-Shirt und E-Gitarre auf der "Rock im Park"-Bühne. Schließlich will er Horst Seehofer nachfolgen und Ministerpräsident werden. Laut einer Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag des BR-Politikmagazins "Kontrovers" sehen 41 Prozent der Bayern in ihm den besten CSU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018.