Nürnberg sagt dem Hundekot den Kampf an. Dabei setzt die Stadt nicht auf härtere Gesetze und höhere Strafen. Mit einer cleveren Idee aus Skandinavien will die fränkische Metropole den stinkenden Haufen begegnen.

Das Prinzip der Hundetoilette ist denkbar einfach. "Der Hund setzt sein Häufchen in den Sand und Herrchen oder Frauchen entsorgt die Exkremente dann mit Hilfe eines ,Gassisackerls` im nächstgelegenen Papierkorb", erklärt André Winkel von den städtischen Reinigungsbetrieben wie das Hundeklo in der Theorie im Prinzip funktionieren soll.


"Wäre toll, wenn das tatsächlich funktioniert"


Derweil unternimmt Maya an diesem Montag den ersten Praxistest. Schnurstracks rennt die reinliche Hundedame auf die eingefriedete Sandfläche zu. Neben dem rechteckigen Hundeklo stehen Mülleimer und Plastikbeutel bereit. Auf einem Schild prangt die Aufschrift "Hundetoilette". Auf der Hinweistafel erläutert die Stadt das Vorhaben: "Die Hundetoilette ist ein Versuch, die Nutzung der Grünanlagen zu verbessern", steht dort etwas holprig formuliert geschrieben.

Frauchen Tina findet die Idee der Stadt trotzdem gut. "Es wäre toll, wenn das tatsächlich funktioniert", sagt Tina. Wegen des Hundes an ihrer Seite würde sie beim Gassigehen in der Stadt manchmal schräg angeschaut.

Am anderen Ende der Leine tut sich derweil noch nichts entscheidendes. Maya scheint sich immer noch etwas zu zieren. Dabei ist die Hundetoilette durchaus diskret angelegt. Der beliebte Spielplatz in der Parkmitte ist weit genug entfernt. Nach fünf Minuten entschließt sich die Hundehalterin, den ersten Testversuch abzubrechen. "Vielleicht funktioniert es ja schon beim nächsten Mal", sagt Tina und spaziert mit Maya an der Leine davon.


Nürnberg: Sieben Tonnen pro Tag - Stadt versinkt im Hundekot


Auch die Stadt setzt große Hoffnungen in das Hundeklo. Denn mittlerweile versinkt die Stadt beinahe im Hundekot. "Täglich werden bis zu sieben Tonnen Hundekot in Nürnberg produziert. Davon landen nur rund 80 Prozent im Papierkorb", erklärt André Winkel von den städtischen Reinigungsbetrieben. Die restlichen 1,4 Tonnen würden als stinkende Tretminen irgendwo in der Stadt verrotten. Obwohl mittlerweile bereits rund 150 Hundekotbeutelspender und 5.500 öffentliche Papierkörbe im Stadtgebiet existieren, hält sich noch nicht jeder Hundebesitzer an die Regeln.

Die Stadt befürchtet sogar, dass die Hundekot-Problematik weiter zunimmt. Dafür macht André Winkel eine einfache Rechnung auf. "Mit der steigenden Einwohnerzahl in Nürnberg, steigt auch die Anzahl der Hundebesitzer." Derzeit sind laut Kassen- und Steueramt rund 14.000 Hunde in Nürnberg angemeldet.


Bundesweit einzigartiges Pilotprojekt im Rosenaupark


Deshalb habe sich die Stadt dazu entschlossen, das bundesweit wohl einmalige Pilotprojekt mit dem zehn Quadratmeter großen Hundeklo in dem beliebten Rosenaupark zu starten. In einem Jahr soll geschaut werden, ob das Wauwau-WC funktioniert. "Da wir den Rosenaupark rund 120 Mal im Jahr reinigen, kann sehr gut kontrolliert werden, wie sich dieses Pilotprojekt entwickelt", ist sich André Winkel sicher. Die Vorteile liegen für die Stadt auf der Hand. Mit relativ geringem Aufwand könnte die Stadt ein Problem in den Griff bekommen, dass den Bürgern in der Großstadt schon seit vielen Jahren stinkt. Die Kosten für eine Hundetoilette sind mit rund 2.000 Euro relativ gering. Auch die Pflege der Anlage hält sich in Grenzen. "Momentan reinigen wir das Hundeklo zwei Mal pro Woche", sagt der Sprecher der städtischen Reinigungsbetriebe.

Auf die Idee, sich an Skandinavien ein Beispiel zu nehmen, ist übrigens nicht die Politik gekommen. Eine engagierte Bürgerin hat den Vorschlag gemacht, den Tretminen auf skandinavische Art den Garaus zu machen. Die Dame wollte freilich, dass die Stadt das Hundeklo vor ihrer Haustür errichtet. Das wollte die Stadt aber nicht. Ein professioneller Hundetrainer ist skeptisch, ob das Hundeklo das Problem mit dem Hundekot löst. "So ein Sandkasten bringt gar nichts. In Nürnberg fehlen einfach genügend Mülleimer", erklärt Roberto Fernandes Rodriguez, Chef der Hundeschule "Gehorsamer Hund". Außerdem sei es unrealistisch, dass die Hundebesitzer bei jeder Gassirunde fortan den langen Weg zum Hundeklo auf sich nehmen würden.

Sollte das Test-Klo den Praxis-Test überstehen, will die Stadt auch in anderen Parks auf Hundeklos setzen. "Nach Ablauf eines Jahres werden wir ein Ergebnis haben. Dann entscheiden wir, ob es eine Fortsetzung in anderen Parkanlagen gibt oder nicht", kündigt André Winkel an.


Info-Box: Idee stammt aus Skandinavien

Der städtische Reinigungsbetrieb hat im Rosenaupark in Nürnberg das bundesweit wohl erste öffentliche Hundeklo gebaut. Für rund 2.000 Euro ist ein zehn Quadratmeter große Sandfläche angelegt worden, die an drei Seiten von einem kleinen Holzzaun eingefasst ist wird.

Modell Die Idee dieser öffentlichen Hundetoilette stammt aus Skandinavien. Eine Bürgerin hat der Stadt vorgeschlagen, sich daran ein Beispiel zu nehmen. Nun hat die Stadt die einjährige Testphase gestartet. Wenn das Wauwau-WC angenommen wird, sollen weitere Hundeklos in den öffentlichen Parks und Grünflächen errichtet werden.