An einem Augustnachmittag im vergangenen Jahr soll sich der arbeitslose Angeklagte an der damals erst knapp 13-jährigen Tochter seiner Freundin sexuell vergangen haben. Was die Staatsanwaltschaft dem Mann vorwirft, ist für Beobachter des Prozessauftaktes am Dienstag vor der Jugendkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth sicherlich nur schwer zu ertragen gewesen.

Zunächst sollen der Mann und das Mädchen im Wohnzimmer gemeinsam ferngesehen haben. Plötzlich soll der Angeschuldigte das Mädchen aufgefordert haben, ihm ins Schlafzimmer zu folgen. Laut Anklageschrift soll sich der Mann anschließend an dem Mädchen sexuell vergangen haben. Dabei soll der Mann die Hände des Mädchens festgehalten haben, sodass sich das Mädchen nicht mehr wehren konnte. Obwohl das Mädchen gesagt haben soll, dass sie mit den sexuellen Handlungen nicht einverstanden sei, soll der Mann mit dem minderjährigen Mädchen anschließend Geschlechtsverkehr gehabt haben.

Zum Prozessauftakt war das Mädchen in Begleitung ihrer Mutter im Gerichtssaal. Vermutlich wird sie als Zeugin in dem Verfahren aussagen müssen. Zunächst konnten Mutter und Kind jedoch die Verhandlung verlassen. Nach der Verlesung der Anklageschrift schilderte der Angeklagte aus seiner Sicht, was sich an diesem verhängnisvollen Sommertag in seiner Wohnung abgespielt haben soll.

Das Mädchen habe gegen zwölf Uhr an seiner Wohnungstür geklingelt. Zunächst habe sie mit dem Hund des Anklagten gespielt. Woher der Mann den Hund hat, macht deutlich, aus welchem Milieu der Mann offensichtlich stammt. Der Arbeitslose habe den Hund von einem Alkoholiker gegen eine Kiste Bier eingetauscht.

Gemeinsam hätten der Angeklagte und das Mädchen schließlich auf der Couch "gekuschelt". Anschließend stockt dem Mann zum ersten Mal der Atem. Er schüttelt mit dem Kopf und sagt: "Ich weiß selber nicht, was über mich gekommen ist." Er habe angefangen, an dem Mädchen "herum zu fummeln". Nach zehn Minuten sei er schließlich ins Schlafzimmer gegangen. Das Mädchen sei ihm freiwillig gefolgt und habe sich schließlich zu ihm ins Bett gelegt. Erneut schüttelt der Angeklagte mit dem Kopf: "Ich weiß nicht, was da in mir vorgegangen ist."


Angeklagter: Kann mich an Penetration nicht mehr erinnern

Dort hätte er dann weiter an dem Mädchen "gefummelt". Schließlich sei das Mädchen aufgestanden, und hätte sich freiwillig die Hose bis zu den Knien heruntergezogen. Anschließend habe sie sich halbnackt zu ihm zurück ins Bett gelegt. Danach sei er kurz zurück ins Wohnzimmer, um ein Kondom zu holen. Ob er in das Mädchen eingedrungen sei, will Richter Dieter Weidlich von dem Angeklagten wissen. Der Mann zuckt mit den Schultern und sagt, er könne sich nicht mehr genau daran erinnern. Plötzlich wird der Richter zum ersten Mal laut. Bei der Vernehmung durch die Polizei, die den Mann drei Tage später festgenommen hat, hätte er noch zugegeben, dass er seinen Penis in ihre Scheide gesteckt habe. "Dann stimmt das so", sagt der Angeklagte kleinlaut.

Dagegen bestreitet der Angeklagte, dass er das Mädchen mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Sie habe "alles mit sich machen lassen" und nicht gesagt, dass er aufhören solle. Nach geschätzten 20 Minuten soll seiner Meinung nach alles vorbei gewesen sein. Einen Samenerguss will der Mann nicht gehabt haben. Er bedauere, was er "angestellt habe". Mit diesen lapidaren Worten bezeichnet der Mann den sexuellen Missbrauch. Das Mädchen behauptet freilich, dass der Angeklagte erst durch das Schellen eines Nachbarn an der Türklingel von ihr abgelassen habe.

Im Prozess wird nun wohl insbesondere zu klären sein, wie es um die Glaubwürdigkeit der Aussagen des Mädchens steht. Die Geschädigte ist genauso wie die Mutter als Zeugin in dem Prozess geladen. Auch ein Gutachter wird in dem Verfahren zu Wort kommen, um die Plausibilität der Aussagen zu prüfen. Das Urteil soll bereits am Donnerstag gesprochen werden. Dem Arbeitslosen droht bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.