Ein bundesweiter Warnstreik der Lokführer hat am Montagabend auch in Bayern zu Beeinträchtigungen für die Fahrgäste geführt. Betroffen war aber vor allem der Regionalverkehr. Weitere Schwerpunkte waren das Allgäu sowie der S-Bahnverkehr in München und Nürnberg, wie ein Bahnsprecher sagte. Es kam zu Zugausfällen und Verspätungen.

Beeinträchtigt waren am Montagabend im fränkischen Raum auch die Linien S1 Hartmannsdorf - Bamberg und S2 Roth - Altdorf. Außerdem entfielen mehrere Regionalzüge in Franken.

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Die Auswirkungen im Fernverkehr hielten sich dagegen in Grenzen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte ihre Mitglieder dazu aufgerufen, von 18.00 bis 21.00 Uhr ihre Arbeit niederzulegen. Ein Chaos aber blieb aus.

Kurz nach 18.00 Uhr an den S-Bahn-Gleisen am Münchner Hauptbahnhof: Aus den Lautsprechern kommt eine Durchsage. "Aufgrund eines Streiks werden mehrere Züge ausfallen und sich erheblich verspäten." Viele Fahrgäste scheinen überrascht, müssen nun länger warten. Die Bahn hat den Takt von S-Bahn-Linien von 10 auf 20 Minuten geändert. "Da muss man sich wohl dran gewöhnen", sagte Elisabeth Gruber. Sie trägt es mit Fassung: "Besser am Abend als morgens, wenn man zur Arbeit muss."

Andere waren da schon wütender. "Ich kann das nicht nachvollziehen", sagte eine Frau, die ihren Namen nicht nennen will. "Es trifft immer den Endkunden, erst die Piloten, nun die Lokführer. Die sollen sich an einen Tisch setzen und verhandeln." Und ein Mann, dessen Zug pünktlich fährt, sagt: "Glück im Unglück". Trotzdem meint er: "Das ist gut für die Mitglieder der Gewerkschaft, aber schlecht für die Kunden."

Die GDL will mit dem Ausstand Bewegung in stockende Tarifverhandlungen bringen. Die Gewerkschaft hatte am Montag ein neues Angebot der Deutschen Bahn abgelehnt und mit weiteren Warnstreiks gedroht.

Die Bahn hatte der Gewerkschaft vage und widersprüchliche Informationen über das Ausmaß des Arbeitskampfes vorgeworfen. Betroffene könnten sich ihre Fahrscheine kostenlos erstatten lassen.

Die bislang letzte Verhandlungsrunde mit den Lokführern ging am 20. August ergebnislos zu Ende, ohne dass ein neuer Termin vereinbart wurde. GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn vor, den Warnstreik provoziert zu haben, indem sie seine Gewerkschaft in eine Kooperation mit der anderen Bahn-Gewerkschaft EVG drängen wolle.

Die GDL hatte nicht nur für die rund 20.000 Lokführer, sondern auch für 17 000 andere Beschäftigte des Zugpersonals Forderungen erhoben, für die bisher die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelte. Die GDL verlangt für sie alle fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit.