"Immer mehr Menschen wollen Gassi gehen mit unseren Hunden aus dem Tierheim. Am Wochenende sind wir momentan total ausgebucht", berichtet Tanja Schnabel, Leiterin des Nürnberger Tierheims.
Die hohe Nachfrage erklärt sie sich so: "Viele wollen einen Hund haben, können sich in der Stadt aber keinen eigenen Vierbeiner halten." Unter der Woche seien freiwillige Gassigeher derzeit freilich noch händeringend gesucht. Werktags können viele Gas-sigeher aufgrund der Arbeit nicht kommen. Auch für "Problemfälle auf vier Pfoten" seien Gassigeher mit robuster Statur und guten Hundekenntnissen im Tierheim in Nürnberg immer gefragt. Apropos Wauwau-Knowhow: Wer die Hunde aus dem Tierheim in seiner Freizeit an die Leine nehmen will, der muss vorher ein zweistündiges, kostenloses Training bei Hundetrainerin Corina Fundel absolvieren.
Pünktlich um zehn Uhr beginnt die Hundetrainerin beim "Gassigeh-Kurs" damit, den Tierfreunden reinen Wein einzuschenken. Tierheimhunde seien keine Schoßhunde, ruft die Tiertrainerin den rund 30 Teilnehmern des vorgeschriebenen Vorbereitungskurses an diesem Montagmorgen zu. Immer bläut die Hundetrainerin den Gassigehern ein, dass die Tiere keine "Privathunde" seien. "Unsere Hunde können ihre schwierige Vorgeschichte nicht erzählen", warnt Fundel. Die menschlichen Exhalter würden obendrein nicht immer die ganze Wahrheit erzählen, warum sie ihre Vierbeiner im Tierheim abgegeben hatten. Dutzende Hunde würden derzeit in Nürnberg auf ein neues Herrchen oder Frauchen warten. Rund die Hälfte der Tiere sei mit besonderer Vorsicht zu genießen, sagt Tierheimleiterin Schnabel. Gerade deshalb sei der Kurs für neue Gas-sigeher wichtig.
Derweil führt Hundetrainerin Corina Fundel den vierjährigen Jimmy an der Leine in den Kreis der Kursteilnehmer. Wie ein Kampfhund schaut der Rüde nicht aus. Trotzdem muss Jimmy einen Maulkorb tragen. Nicht zu Unrecht, wie sich schnell zeigen wird. Die Trainerin bittet einen Freiwilligen nach vorne. Unerschrocken geht Kursteilnehmerin Sonja mit einem zutraulichen Lächeln auf den mittelgroßen Hund zu. Zunächst wedelt Jimmy freudig mit dem Schwanz. Doch kurze Zeit später schlägt die Freude in Aggression um. Hätte er nicht den Maulkorb getragen, würde die mutige Sonja jetzt mit Sicherheit schon "Aua!" geschrien haben. Die eigenen Hundekenntnisse zu überschätzen, das sei die größte Gefahr im Tierheim, warnt die erfahrene Trainerin. Erst kürzlich habe ein Pinscher einer Gassigeherin "aus Frust" eine "faustgroße Fleischwunde" verpasst. Dass es so weit komme, sei selbstverständlich die Ausnahme. Doch generell müssten die Tierfreunde bei Heimhunden mehr Vorsicht walten lassen. Wenn die Gassigeher einen Vierbeiner rund um das Tierheim ausführen, seien Radler, Jogger und andere Hunde eine potenzielle Gefahrenquelle für brenzlige Situationen.
In dem zweistündigen Seminar hat die Tiertrainerin die Gassigeher mit vielen praktischen Tipps auf alle denkbaren wie undenkbaren Szenarien vorbereitet. Als Gedankenstütze gibt es die Regeln für Gassigeher zum Nachlesen. Es liegen nun auch die Anträge für die Mitgliedschaft im Tierschutzverein Nürnberg/Fürth bereit, die jährlich ab zehn Euro zu haben ist. Das ist aus versicherungstechnischen Gründen laut Tierheimleiterin Schnabel die Voraussetzung für alle Gassigeher.
Nach dem zweistündigen Kurs gehen die Mitgliedsanträge weg wie warme Semmeln. "Ich lasse mich von dem kleinen Vorfall nicht abschrecken", sagt Sonja und unterzeichnet den Antrag. Weil ihr Vermieter keine Hunde in der Wohnung erlaube, sei sie - wie viele andere - auf die Idee mit dem ehrenamtlichen Gassigehen im Tierheim Nürnberg gekommen.

Ehrenamtliches Gassigehen

Vorbereitungskurs Die Teilnahme an dem zweistündigen kostenlosen Kurs ist Voraussetzung, um mit den Hunden aus dem Heim eine Gassirunde drehen zu dürfen.

Zeiten Das Tierheim Nürnberg sucht besonders unter der Woche (Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr sowie Mittwoch und Freitag von 14 bis 16 Uhr) noch freiwillige Gassigeher
Kontakt: www.tierheim-nuernberg.de

Vermittlung Dutzende Hunde warten in Nürnberg derzeit auf ein neues Herrchen oder Frauchen. Die aktuellen Heimhunde finden Sie hier: www.tierheim-nuernberg.de/tierheim/vermittlung/vermittlunghunde.html