Bleiben wollen sie alle in Deutschland. Ob sie bleiben dürfen, wissen viele Flüchtlinge auch nach Jahren immer noch nicht. Deshalb stehen die rund 100 Flüchtlinge an diesem Montagmittag vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und halten Transparente in den Nürnberger Regen.


Keine "Wirtschaftsflüchtlinge"

Eine Gruppe zeigt grausame Bilder aus ihrer Heimat am Horn von Afrika. "In Äthiopien herrschen Diktatur und Tyrannei. Deswegen sind wir alle geflohen", erzählt Biruk, der seit zwei Jahren auf eine erste Entscheidung des Bundesamtes wartet. Mehmet Ata, der Sprecher des Behörde, räumt ein, dass die Asylanträge von Flüchtlingen aus Krisenregionen wie Syrien oder dem Horn von Afrika derzeit nur sehr langsam bearbeitet werden könnten. Hintergrund sei der Entschluss, die Verfahrensdauer aus anderen Herkunftsländern wie der Balkanregion zu verkürzen, weil diese Flüchtlinge kaum Chancen auf Asyl in Deutschland hätten. Mit "Wirtschaftsflüchtlingen" wollen die Demonstranten in Nürnberg nichts gemein haben.

Die 26-jährige Selam erzählt, wie schrecklich die Lage in ihrem Heimatland Äthiopien ist. Trotzdem versucht sie, optimistisch in die Zukunft zu blicken. "Ich bin seit 14 Monaten hier. Ich will endlich wieder arbeiten und nicht nur herumsitzen und mich in dem Flüchtlingslager langweilen", sagt die Krankenschwester aus Äthiopien. Mehmet Ata ist extra zu den Demonstranten vor das Tor des Bundesamtes geeilt, um sich die Forderungen der Flüchtlinge anzuhören. Der Sprecher erklärt, dass das Erstverfahren derzeit nach rund fünf Monaten abgeschlossen werden könne. Allerdings sei dies ein Durchschnittswert. Auch Ata weiß, dass einzelne Flüchtlinge auf eine erste Entscheidung des Bundesamtes manchmal bis zu zwei Jahre warten müssen. Der Sprecher erklärt, dass die Behörde fieberhaft daran arbeite, die Asylverfahren zu beschleunigen. Dafür erhöhe man derzeit die Zahl der Außenstellen der Behörde bundesweit von 30 auf 40. Auch wolle das Bundesamt tausende Mitarbeiter neu einstellen, um die Asylanträge schneller bewältigen zu können.

Derweil erzählt der 22-jährige Jan Ali Habibi seine Geschichte. Mit seinem jüngeren Bruder und der älteren Schwester sei er vor fünf Jahren aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. Die Geschwister wüssten heute immer noch nicht, wie es mit ihnen endgültig weitergehe. "Ich will Mediengestalter werden. Meine Schwester will im Kindergarten arbeiten", sagt Habibi. Alle drei Monate werden er und seine Geschwister für ein weiteres Quartal in Deutschland geduldet. Der erste Antrag auf Asyl sei abgelehnt worden. Weil sie dagegen Einspruch erhoben haben, warten die Flüchtlinge aus Afghanistan nun erneut auf eine endgültige Entscheidung. Damit sind die Geschwister nicht allein. Mit der wachsenden Zahl der Erstanträge steigt auch die Anzahl der Folgeverfahren.