Das Reihenhaus in Nürnberg-Langwasser steht fast leer. Im Wohnzimmer ein Esstisch, einige Stühle, in einer Ecke ein Fernseher am Boden. Kein Bild an der Wand, kein Teppich, kein weiteres Möbelstück - nichts. Eine sterile, ungemütliche Atmosphäre. Seit fast einem Jahr wohnt Pfarrer Peter Ditterich hier, zusammen mit seiner Haushälterin Susana Czeizel und Oskar Mellinger. Der wohnte zuvor schon im gleichen Haus wie Ditterich, am Jakobsplatz in Nürnbergs Zentrum, in Sichtweite der Pfarrkirche St. Elisabeth.

Aber: Der Umzug in den Süden Nürnbergs war unumgänglich geworden. Weil die alte Wohnung durch aggressiven Schimmelpilzbefall unbewohnbar geworden war. Im Jahr 2008 war der Schimmel erstmals aufgetreten. Und damit ein Streit um die Sanierung der von Ditterich bewohnten Wohnung entbrannt. Die Kirchenstiftung reagierte nach Meinung des Geistlichen zu langsam auf den sich rasch ausbreitenden Befall, Ditterich schaltete die Bistumsleitung in Bamberg ein. Es folgten erste Sanierungsmaßnahmen, nach Meinung des Priesters und seiner Haushälterin allerdings unzureichend.

Die inzwischen auch medizinisch attestierten unzumutbaren Wohnverhältnisse führten dazu, dass der an den Rollstuhl gefesselte, halbseitig gelähmte Geistliche sich auch noch eine schwere Lungenerkrankung zuzog. Einmal im Monat musste er zur stationären Behandlung ins Krankenhaus. Wieder zu Hause muss er - und das bis heute - rund um die Uhr mit Sauerstoff beatmet werden. Auch seine Haushälterin erkrankte. Pfarrer Ditterich zog vor Gericht,verklagte die Kirchenstiftung auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Die gesamte Wohnungseinrichtung war durch den Schwarzschimmel kontaminiert. Die Folge: ein jahrelanger, bislang noch nicht abgeschlossener Rechtsstreit, zahlreiche Gutachten, hohe Anwaltskosten, die den Pfarrer nun finanziell nahezu in den Ruin getrieben haben. Weshalb auch das Geld für neue Möbel fehlt. "Die Kirche will uns fertigmachen", klagt Susana Czeizel. Weil die Prozesskosten nicht enden wollen. Deshalb fordert der Geistliche inzwischen über 80.000 Euro von der Kirchenstiftung.

Ist Peter Ditterich ein verbitterter, streitbarer Geist? Dieter Ölschlegel, selbst evangelischer Geistlicher im Ruhestand, ist ein guter Freund Ditterichs. Ging mit ihm in Bamberg neun Jahre ins Gymnasium. Und hat bis heute immer wieder Kontakt mit seinem alten Klassenkameraden. Er charakterisiert ihn als einen grundgütigen, stets hilfsbereiten und hochmotivierten Geistlichen, der in seinem Beruf völlig aufging. In seiner Gemeinde sei er für jedermann Ansprechpartner gewesen, der in Not war. Er habe eigens eine Beratungsstelle eingerichtet, die auch von Prostituierten des in der Nähe befindlichen Rotlichtviertels in Anspruch genommen wurde.

Als er in den 80er Jahren eine alleinstehende Mutter mit ihrem Kind weinend in der Innenstadt antraf - sie stand buchstäblich auf der Straße -, habe er sie kurzerhand bei sich aufgenommen. "Er hat geholfen, wo immer er konnte. Das machte ihn auch in seiner Gemeinde so beliebt" betont Ölschlegel. Um hinzuzufügen, dass der jahrelange Rechtsstreit Ditterich auch gesundheitlich zusetze. Er mache sich ernsthaft Sorgen. "Wo bleibt in dieser Situation die dringend nötige persönliche und seelsorgliche Zuwendung zu Ditterich durch seinen Oberhirten?", fragt Ölschlegel. Noch im Alter von 72 Jahren und trotz seiner Behinderung hielt der Geistliche Sprechstunden ab. Wollte für Menschen da sein, die seinen Rat suchten.

Was unternimmt die Bistumsleitung? Pressesprecher Harry Luck weist darauf hin, dass es immer wieder Versuche gegeben habe, mit Ditterich Kontakt aufzunehmen. Man habe dabei den Eindruck gewonnen, dass er von seiner Umgebung abgeschottet werde. Generalvikar Georg Kestel ließ in einer Stellungnahme erkennen, dass man sehr besorgt sei um die Gesundheit und das Wohlergehen des Geistlichen.

Leider habe er Hilfsangebote wie einen Umzug in ein Altersheim oder in eine seniorengerechte Neubauwohnung immer wieder abgelehnt. Dass die Entwicklung um Peter Ditterich inzwischen tragische Züge angenommen hat, sieht auch sein Nachfolger im Amt, Pfarrer Markus Bolowich. Er leitet heute die Gemeinde von St. Elisabeth und er weiß, welche großartigen Akzente sein Vorgänger als Geistlicher zu setzen wusste. Der wartet unterdessen weiter darauf, dass die Justiz endlich Recht spricht.