Große Worte werden bemüht, das sozialdemokratische Aushängeschild Willy Brandt zitiert. Frank-Walter Steinmeier, seit einem guten Jahr deutscher Außenminister, wird auf der Regionalkonferenz seiner Partei im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Nürnberger Karl-Bröger-Hauses deutlich. Seien außenpolitische Fragen noch vor einem Jahr praktisch nie Aufreger gewesen, habe sich die Lage inzwischen dramatisch verändert. Die derzeitige Konjunktur der Außenpolitik sei kein gutes Zeichen für den Zustand der Welt, so Steinmeier. Noch nie habe er im Verlauf seiner politischen Karriere eine so große Zahl gefährlicher Konflikte gleichzeitig erlebt. "Die Welt scheint aus den Fugen geraten."

Dabei hatten der bayerische SPD-Landeschef Florian Pronold in seiner Begrüßung, und im weiteren auch SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, den Genossinnen und Genossen in Nürnberg eigentlich Mut machen wollen. Beide sprachen nach einjähriger Beteiligung an der Großen Koalition, um die zuvor innerparteilich heftig gerungen worden war, von einer sozialdemokratischen Erfolgsgeschichte. Das Land komme endlich voran. Als Beweis wird auf den am 1. Januar in Kraft getretenen Mindestlohn verwiesen, auf bessere Renten, bezahlbares Wohnen, einen Neustart bei der Energiewende und eine größere Unterstützung für die Familien. Für all das gab's viel Beifall.

SPD der Motor der Regierung

Weshalb auch die unbestrittene politische Nummer 1 des Abends, Frank-Walter Steinmeier, den Gesprächsfaden seiner Vorredner aufnahm. Die SPD habe Bewegung in die Regierungspolitik gebracht, die Bilanz sei ordentlich, könne sich sehen lassen.

Aber: Angesichts von Umfrageergebnissen, die gerade mal 25 Prozent Zustimmung für die SPD signalisierten, könne die Partei nicht zufrieden sein. Steinmeiers Forderung:"Wir müssen selbstbewusst auftreten, die Ergebnisse unserer Arbeit auch gut verkaufen."

Steinmeier rückte im weiteren innenpolitische Befindlichkeiten beiseite und konzentrierte sich auf die Krisengebiete in einer Welt, "die einem Angst einjagen könne." Mit Blick auf die Ukraine sei selbst in Europa die Frage von Krieg und Frieden wieder aktuell geworden. Das sagt ein Mann, der in den letzten Monaten mit geradezu penetranter Diplomatie immer wieder Schlichtungsversuche unternommen hat. Egal ob die Ukraine, Syrien oder Gaza, es gebe eine politische Lösung nur auf dem Verhandlungsweg. Militärische Optionen gebe es nicht, schon gar nicht in der Ukraine. Weshalb Steinmeier auch nicht viel von amerikanischen Überlegungen hält, der Ukraine militärische Ausrüstung zukommen zu lassen.

Waffenlieferung ohne Alternative

Eine Zurückhaltung, die er im Mittleren Osten aufgegeben hat. Erst nach langer Diskussion und reiflicher Überlegung. Aber zu Waffenlieferungen an die Kurden gab es für ihn keine Alternative, erklärt er. "Es wäre unverantwortlich, das zu wissen, was ich weiß, ohne dann auch militärische Ausrüstung für die Kurden zur Verfügung zu stellen." Steinmeier verweist auf das unbeschreiblich grausame Vorgehen der IS-Milizen, spricht in diesem Zusammenhang von einem Rückfall der Welt in die Barbarei.

Hier nichts zu tun, sich schlicht in Unterlassung zu üben, das hätte alles noch schwieriger gemacht. Steinmeier erhält zustimmenden Beifall. Auch für seine illusionslosen Versuche zur Eindämmung des Ukraine-Konflikts. Trotz aller zugestandenen Fehlversuche. Steinmeier bleibt hart, wenn es darum geht die Annexion der Krim durch Russland als das zu bezeichnen, was sie ist: ein klarer Bruch des Völkerrechts. Er wiederholt jedoch auch gebetsmühlenartig, dass es keine militärische Lösung geben werde. Dass Verhandlungen alternativlos seien. Genau auf diesem Weg wolle er fortfahren.

Viel Beifall der Genossen. Die fragen in der sich anschließenden Diskussionsrunde, ob in der Ukraine der dritte Weltkrieg eingeläutet werden könnte, ob nicht die Amerikaner an allem schuld seien, und ob man nicht tunlichst die Finger lassen sollte vom Freihandelsabkommen TTIP.

Steinmeier warnt davor, bei den Amerikanern die Ursache für die Ukraine-Krise zu suchen. Die Begründung liefere da schon eher eine neue Nationalisierung Russlands. Aus der Gegnerschaft gegen TTIP solle man keine Religion machen, warnt Steinmeier die Genossen. Und endet mit einem Willy-Brandt-Zitat: "Der Frieden ist nicht alles. Aber ohne Frieden ist alles nichts."