Wenn alpine Instrumente und ein klassisches Orchester gemeinsame Sache machen, dann heißt es: "Herbert Pixner Projekt meets Berliner Symphoniker". Diese Verbindung ist am 7. November in der Nürnberger Meistersingerhalle zu Gast. Was uns erwartet, erklärt Herbert Pixner im Interview:

Neue Volksmusik wird immer populärer. Ihr Projekt gibt es bereits seit fast 15 Jahren - fühlen Sie sich ein Stück weit als Vorreiter einer neuen Bewegung?

Herbert Pixner: Weniger. Vorreiter würde ich nicht sagen. Das Projekt hat sich entwickelt aus verschiedenen Umständen. Zu Beginn war es nie geplant, dass wir einmal in den schönsten und größten Häusern spielen dürfen. Wir haben uns auch nie von gewissen Strömungen beeinflussen und uns prägen lassen. Wir haben eigene Vorstellungen, was das Musikalische und das ganze Umfeld betrifft. Wir betreiben unser eigenes Label, haben keine Plattenfirma im Hintergrund. Wir sind komplett frei.

Warum, denken Sie, trifft Volksmusik gerade wieder den Geschmack des Publikums?

Das geht immer in Wellen. Das hängt viel von den Personen ab. Es gibt immer wieder interessante Personen, die tolle Sachen machen. Die prägen den Geschmack. Wie es vor 30 Jahren Hubert von Goisern war, der viel dazu beigetragen hatte, das verstaubte Image der Volksmusik aufzupolieren, so gibt es mittlerweile wieder eine rege, junge Szene. Die sich mit den Wurzeln beschäftigt und abseits vom Mainstream gute Sachen macht.

Braucht es einfach coole Typen?

Die braucht es bei allem. Ob das im Design ist, in der Mode oder in der Musik. Es hängt viel ab von den Persönlichkeiten.

Wie haben Sie die Berliner Philharmoniker dazu gebracht, Volksmusik zu spielen?

Wir machen kaum Volksmusik mit ihnen, sondern spielen eigene Stücke. Da haben wir ein großes Repertoire, dass es die Qual der Wahl ist, zu sortieren, welche Stücke wir weglassen. Gerade die neuen Sachen eignen sich gut für die Arrangements mit den Berlinern. Die Idee gab es schon länger, mit einem Symphonieorchester zusammen ein Programm zu machen. Für jeden Musiker ist das ein Traum, mit einem großen Klangkörper auf der Bühne zu sein.

In Bamberg haben wir auch gute Symphoniker...

Natürlich. Es gibt überall gute Orchester. Es wird bestimmt eine Fortsetzung geben, die Arrangements stehen ja. Sicher gibt es weitere Gastprojekte mit - genug Anfragen für die nächsten Jahre sind schon da.

Volksmusik wird oft das Attribut der Heimatverbundenheit verpasst. Welchen Einfluss hat Heimat auf Ihre Musik?

Egal, woher man kommt, das Umfeld spielt in die Musik mit ein. Da kann sich niemand dagegen verwehren. Das ist nicht schlimm, ich finde es gut, dass sich jeder mit seinen Wurzeln auseinandersetzt. Aber mit dem Blut und Boden-Getue habe ich wenig am Hut.

Es gibt sowieso kritische Stimmen zur neuen Volksmusikbewegung. Macht sie es rechtem Populismus Ihrer Meinung nach zu leicht, sie als Plattform zu nutzen?

Wenn man die neue Volksmusik abseits vom Mainstream betrachtet, dann auf keinen Fall. Da gibt es unglaublich gute Bands, die haben mit Heimatdüngelei am allerwenigsten zu tun. Da ist es eher die Schlager- und die volkstümliche Szene, die den Heimatbegriff derart strapaziert, dass es fast wehtut.

Hat man als Musiker mit großem Publikum eine Pflicht, dagegen zu halten?

Auf jeden Fall. Es kommt aber auf jeden Musiker an. Wenn man einen Konstantin Wecker sieht, gehört es dazu, dass seine Lieder politisch sind. Dann gibt es andere, die es einfließen lassen und Politisches sarkastisch oder ironisch bringen. Wir gehören eher zu der Sparte, die es in Ansagen und Mitteilungen verpackt, die man versteht - oder eben nicht.

Also das Subtile lieber durch die Blume sprechen?

Richtig. Es gibt Kollegen wie Herbert Grönemeyer und Hans Söllner, die ich sehr schätze, die Politisches immer direkt ansprechen. Wir sind aber hauptsächlich auf das Musikalische bedacht. Bei uns geht es darum, mit einer minimalistischen Besetzung Klangbilder in verschiedensten Farben zu schaffen. Wir wollen unser Publikum mit unserer Bühnenperfomance nicht unbedingt in eine bestimmte Richtung drücken.

Also darf Musik auch einfach nur Spaß machen?

Auf jeden Fall. Musik sollte Spaß machen und zugleich eine bestimmte Ernsthaftigkeit besitzen. Für mich ist die Bühne etwas Heiliges. Da ist es die Königsklasse, wenn man Humor mit Perfektion und Ironie verbinden kann, und es immer noch ein qualitativ hochwertiges Arbeiten ist.

Herbert Pixner Projekt meets Berliner Symphoniker

Musik Das Herbert Pixner Projekt spielt eine Kombination aus neuer Volksmusik, Weltmusik, Jazz, Blues, Tango und Rockelementen. Nun werden die Songs erstmalig symphonisch arrangiert und von den Berliner Symphonikern um Chefdirigenten Lior Shambadal begleitet.

Live ist die aktuelle Tour "Das Herbert Pixner Projekt meets Berliner Symphoniker" unter anderem am 7. November in der Nürnberger Meistersingerhalle zu erleben.

Tickets und weitere Infos gibt's hier.