In diesem Jahr ist es etwas besser - "nur" 19 Drogentote bis Ende November. Für Bertram Weh ner, Geschäftsführer des Vereins "Mudra - alternative Jugend- und Drogenhilfe Nürnberg", immer noch viel zu viel. Die Frankenmetropole als bundesweite Drogenhauptstadt? Angesichts der Zahlen liegt die Vermutung nahe. Ein Pressesprecher im Nürnberger Polizeipräsidium verweist darauf, dass nicht jeder in Nürnberg registrierte Drogentote auch ein Nürnberger sein muss. Richtig.
Aber aus dem fränkischen Umfeld zieht es halt immer wieder Drogenabhängige Richtung Nürnberg. Weshalb Weh ner auch Alarm schlägt.

Im September wies er in Schreiben an die Stadtspitze und den Bezirk Mittelfranken auf die nach seiner Meinung prekäre Lage hin. Verwies darauf, dass im Großraum Nürnberg derzeit schätzungsweise 2000 bis 2500 Drogenabhängige, lebten, die Dunkelziffer nicht mit eingerechnet.

Circa 500 von ihnen hausten in einer mehr oder weniger offenen Straßenszene, sozial desintegriert, oft ohne eigene Wohnung, ohne Job. Dafür in gesundheitlich desolatem Zustand. Für diese Menschen stünden derzeit im Großraum Nürnberg nur 600 Substitutionsbehandlungsplätze zur Verfügung. Substitution heißt in diesen Fällen, die Drogenabhängigen bekommen in ganz bestimmten Arztpraxen oder an Kliniken angeschlossene Ambulanzen Ersatzdrogen, zum Beispiel Methadon verabreicht. Damit können Entzugserscheinungen verhindert werden, ohne dass der Abhängige "high" wird.

Viel zu wenig sei das, so Weh ner. Nötig wären mindestens 1000 solcher Plätze in der Region. Der Trend gehe aber in eine ganz andere Richtung. In Fürth würde demnächst eine Arztpraxis schließen und damit 50 Behandlungsplätze wegfallen, weil die jungen Nachfolger sich auf die nicht immer einfache Behandlung Drogenabhängiger nicht einlassen wollten. Auch in Nürnberg wolle ein Arzt demnächst schließen. Hier gehe es um 100 Plätze.
Wehners Hilferuf ist inzwischen beim Bezirk Mittelfranken angekommen.

Nachdem sich in den letzten Wochen sowohl der Sozial- wie auch der Planungs- und Koordinierungsausschuss des Bezirkstags mit der Thematik befasst hat, beschloss der Bezirksausschuss am Mittwoch, Nägel mit Köpfen zu machen. So soll ein "Runder Tisch" zur Substitutionsbehandlung organisiert und eine Situationsanalyse durchgeführt werden. Konkrete Maßnahmen dürften folgen.


Mehr Engagement der Kliniken

Bertram Wehner hat auch schon ganz konkrete Vorstellungen. So wünscht er sich ein größeres Engagement der bezirkseigenen Kliniken aber auch die Erlanger Uniklinik. Beide Einrichtungen sollen mehr Behandlungsplätze zur Verfügung stellen. Und für Schwerstdrogenabhängige erhofft er sich Drogenkonsumräume In anderen Großstädten habe man damit schon länger gute Erfahrungen gemacht. Aber: Noch sperrt sich die Staatsregierung gegen ein solches Projekt.