Von Philipp Demling

"Können wir anfangen, Herr Ittner?", fragt der Justizwachtmeister leicht gelangweilt. Als Gerhard Ittner vor Eröffnung der Sitzung in den Saal geführt wird, wendet er sich gleich an die Zuschauer: Er sei ein Opfer von "Meinungsverfolgung", der Prozess gegen ihn sei politisch, es solle ein "Terrorurteil" gegen ihn gesprochen werden, lässt er wissen.

Als die fünf Richter den Schwurgerichtssaal 600 betreten - den Saal, in dem im Übrigen auch die Nürnberger Prozesse stattgefunden haben - werden die Anwesenden aufgefordert, aufzustehen. Der Angeklagte bleibt sitzen.

Lautstark und ausufernd

Als die Sitzung eröffnet ist, stellt der 56-jährige Zirndorfer einen Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin Barbara Richter-Zeininger.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Anklageschrift noch gar nicht verlesen. In der Regel bereitet der Verteidiger einen solchen Antrag vor Beginn der Hauptverhandlung vor. Doch Ittners Verhältnis zu seinen drei Pflichtverteidigern ist zerrüttet, erklärt er. Einer der Anwälte ist der Verhandlung fern geblieben. Stattdessen trägt Ittner die Begründung für den Antrag mündlich vor: lautstark, ausufernd und mit vielen Wiederholungen. Zunächst sei seine Staatsbürgerschaft in den Verfahrensunterlagen mit "deutsch" falsch benannt worden: "Ich bin Bürger des Deutschen Reiches."

Und als solcher, so Ittner, habe er mit der Bundesrepublik überhaupt nichts zu tun. Diese habe ihn aufgrund von "Meinungsäußerungen", die er im Ausland getätigt haben soll, "gekidnappt". Im Jahr 2005 war Ittner wegen Volksverhetzung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Allerdings hatte er sich kurz vor der Urteilsverkündung nach Portugal abgesetzt. Anschließend wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht und 2012 nach Deutschland ausgeliefert.

Relativierung des Holocausts

Dort musste er seine Haftstrafe absitzen und kam danach bald wieder in Untersuchungshaft: Nun ist er angeklagt wegen hetzerischer Schriften, die er in Portugal verfasst und teils ins Internet gestellt, teils per Mail verschickt haben soll.

Ittners Post ging unter anderem an Politiker, Medienvertreter und an Mitarbeiter von Universitäten. Die Texte, die unter dem Pseudonym "Richard Wilhelm von Neutitschein" geschrieben wurden, spielen unter anderem den Holocaust stark herunter.

Bekennende Neonazis werden darin von Ittner zudem als "Dissidenten" bezeichnet. Ihre Äußerungen zum Holocaust seien "Meinungsäußerungen", die das "BRD-Regime" unterdrücke. Außerdem stützt der 56-Jährige seinen Antrag darauf, dass er sich in der U-Haft nicht adäquat auf den Prozess habe vorbereiten können: "Ich hatte nur einen kleinen Tisch, keinen Computer und kein Internet."

Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger hatte da eine etwas andere Sicht auf die Dinge: "Sie haben in der Haft mehrere Schreiben verfasst. Und die sind ja auch sehr lang." Außerdem kritisiert der augenscheinlich agile und fitte Angeklagte, die Haftbedingungen hätten seine körperliche und psychische Verfassung stark beeinträchtigt. "Sie wirken alles andere als gebrochen", hält ihm die Vorsitzende Richterin entgegen.

Genervter Oberstaatsanwallt

Der Oberstaatsanwalt ist genervt. "Der Angeklagte nutzt die Hauptverhandlung, um seine wirren Thesen auszubreiten", meint Schrotberger und beantragt, die Sitzung zu unterbrechen, damit die Kammer über den Befangenheitsantrag entscheiden könne.

In dem Prozess gegen Ittner sind insgesamt 14 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird für den Juni erwartet.