Was kostet Nürnberg? Unter dieser Überschrift hat die Stadt zum ersten Mal eine bunte Lektüre mit Daten und Fakten zum Haushalt veröffentlicht. Die reich illustrierte Broschüre soll eine breite Leserschaft ansprechen und die Stadtfinanzen transparenter machen. Das Werk bietet genauso erschreckende wie unterhaltsame Zahlen, wie Bayerns zweitgrößte Stadt funktioniert.

So muss die Stadt für jeden Kulturladen-Besucher genau 7,45 Euro berappen. Weil Nürnberg sich insgesamt elf dieser mal mehr mal weniger aktiven Stadtteil-Treffpunkte leistet, muss die Stadt am Ende des Jahres rund vier Millionen Euro für ihre Bürger-Plattformen ausgeben. Im Vergleich dazu fällt der städtische Zuschuss für eine Zoo-Eintrittskarte mit drei Euro je Besucher relativ gering aus. Die Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind wenig überraschend durch die Bank ein Draufzahlgeschäft. So wird eine Eintrittskarte in das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände mit vier Euro bezuschusst. Jede Buchausleihe in der Stadtbibliothek unterstützt die Stadt bereits mit satten sechs Euro. Kaum überraschend ist, dass Theaterbesuche am meisten subventioniert werden. Über 60 Euro schießt die Stadt zu jeder Theater- und Opernkarte hinzu. Mit dem gleichen Förderbetrag unterstützt der Freistaat jeden Besucher des Staatstheaters.


Christkindlesmarkt ist ein Schnäppchen

Dagegen ist der Christkindlesmarkt für Nürnberg ein richtiges Schnäppchen. Hier beträgt der Kostendeckungsgrad 97 Prozent. Die Ausgaben für die Weihnachtsbeleuchtung (350.000 Euro) kommen durch die Standgebühren (376 Euro pro Meter) fast wieder komplett herein. Das Zahlenwerk offenbart auch überraschendes. So beträgt der städtische Zuschuss für die Kinderbetreuung pro Jahr 87 Millionen Euro, während der Zuschuss für den städtischen Nahverkehr "nur" 70 Millionen beträgt. Dagegen gibt es auch städtische Aufgaben, die die Steuerzahler durch zusätzliche Gebühren wie beim Abwasser und der Kfz-Zulassungsstelle kostendeckend finanzieren müssen. Dem städtische Klinikum gelingt sogar das Kunststück, mit einem Kostendeckungsgrad von 100,4 Prozent mehr ein- als auszugeben.


Einnahmen liegen noch knapp unter den Ausgaben

Davon ist die Stadt Nürnberg insgesamt allerdings weit entfernt. Der Schuldenstand liegt bei über 1,4 Milliarden Euro. Die jährlichen Ausgaben übersteigen trotz Schuldenbremse immer noch knapp die Einnahmen. Letztere setzen sich wie folgt zusammen. Steuereinnahmen: 788 Millionen. Zuschüsse von Bund, Freistaat und anderen: 468 Millionen. Sonstige Einnahmen beispielsweise aus Gebühren: 370 Millionen Euro. Auf der Ausgabenseite schlägt die Sozialhilfe mit 544 Millionen am meistens ins Kontor. Mit 319 Millionen sind auch die Kosten an die städtischen Ruheständler und Pensionisten inklusive Zuschüsse an defizitäre Beteiligungen wie den Flughafen Nürnberg sehr hoch. Für die Verwaltung gibt die Stadt allein über 115 Millionen Euro aus. Der Oberbürgermeister kostet jährlich 150.000 Euro, seine beiden Stellvertreter jeweils 120.000.


Hilfezahlungen und Personalkosten stehen an der Spitze

Schaut man genau hin, wofür die Stadt Nürnberg die Gelder ausgibt, stehen ganz oben an der Spitze mit 541 Millionen Euro die städtischen Hilfezahlungen und die Personalkosten mit 534 Millionen Euro. Für Schulen (211 Millionen) sowie Kultur und Wissenschaft (98 Millionen Euro) gibt die Stadt vergleichsweise wenig aus. Alle Zahlen beziehen sich auf das Haushaltsjahr 2014. In dem Vorwort der Broschüre "Was kostet Nürnberg?" betont Oberbürgermeister Ulrich Maly gemeinsam mit Stadtkämmerer Harald Riedel (beide SPD), die zur Verfügung stehenden Gelder "zielgerichtet" einzusetzen. Das bunte Zahlenwerk kann hier heruntergeladen werden.