Über die vielen Schornsteine hat sich Walter Fischer zunächst noch gewundert. "Das Schloss hat knapp 20 Kamine - inklusive der entsprechenden Schornsteine", erinnert sich Fischer, Immobilienunternehmer aus Schweinfurt, an seinen ersten und letzten Besuch im herrschaftlichen Anwesen des "Kachel-Königs" in Postbauer-Heng zurück.

Am Mittwoch kam der Palast unter den Hammer. Bereits zum dritten Mal versuchte das Amtsgericht Nürnberg, das üppig dimensionierte Häuschen, das an eines der berühmten Loire-Schlösser erinnern soll, meistbietend zu verhökern. Im Saal 627 haben sich Gläubiger und Kaufinteressenten versammelt. Auch Walter Fischer ist dabei und wird einen Scheck auf den Tisch von Richterin Sabrina Späth legen. Das Rennen macht allerdings ein anderer. Traurig ist Fischer deshalb nicht.

Vor zehn Jahren parkte noch der Rolls Royce in der langen Einfahrt. Damals stand noch die Klatschpresse auf der Matte, um die dreiköpfige Kamin-Dynastie mit Firmengründer Karl-Heinz, Frau Lucie und Adoptivsohn Pierre vor dem großen Kasten mit den vielen Schornsteinen abzulichten. 2010 war der Ofen aus und das Kago-Feuer erloschen. Nur der protzige Kasten im beschaulichen Postbauer-Heng zeugt noch von Glanz und Gloria des "Kamin-Königs".

Wer träumt nicht von einem kuscheligen Kachelofen im Wohnzimmer? Karl-Heinz Kago hat den Traum vieler Menschen benutzt, um seine eigenen Träume zu erfüllen. Und von was träumt ein Kaminbauer? Offensichtlich von ganz vielen Öfen und ganz vielen Schornsteinen. 2004 begannen die Bauarbeiten rund um den 1000 Quadratmeter großen See an der "Kago-Allee".

Zwei Jahre später war das Schloss mit den 25 Zimmern auf fünf Etagen fertig. Irgendwann wurden auch die Tiere für den Privatzoo geliefert, um die sich später Tierpfleger aus Litauen gekümmert haben sollen, die Kago dummerweise schwarz bezahlt haben soll und deswegen Stress mit der Staatsanwaltschaft bekam.


Gern in Gold

Ein Faible für Extravaganz wird dem Ofenbauer nachgesagt. Besondere Freude soll er an Kutschfahrten gehabt haben. Selbst die Speerspitzen seines wehrhaften Gartenzauns glänzten golden. Ein Immobilien-Sachverständiger soll den Charakter des Gebäudes in einem Gutachten so beschrieben haben: "Sowohl das äußere Erscheinungsbild als auch die Innenausstattung des Gebäudes sind pompös und spiegeln den persönlichen Geschmack des Bauherrn wieder, welcher als im höchsten Grade individuell zu bezeichnen ist."

Lange haben die Kagos freilich nicht in ihrem Schloss gewohnt. Die aus Frankreich stammende Frau des "Kamin-Königs" ist ohne Begleitung ihres Ehemannes zur Versteigerung gekommen. Ob wohl das Gefühl der Trauer oder der Erleichterung ob des drohenden Schlossverlustes überwiegen bei ihr? Aber sprechen wollte die Dame aus Metz mit der Presse nicht an diesem Tag. Leicht wird ihr der abermalige Gang zum Gericht nicht gefallen sein.

Vor Beginn der Versteigerung ist völlig unklar, ob sich ein Käufer findet. Selbst der Gerichtssprecher erwartet eine "Wundertüte mit offenem Ausgang".

Die Gläubiger hatten bereits im Vorfeld angekündigt, dass sie den Kasten mit den vielen Schornsteinen nicht zum Schleuderpreis verramschen wollen.
Kago war "berühmt" für seine ganze eigene Methode, die Öfen unters Volk zu bringen. Manche warfen dem 1968 als Karl-Heinz Gonschorowski aus der DDR geflohenen Ofenbauer vor, dass sich seine Firma Kago - deren Namen er später sogar in seinen Pass eintragen ließ - "Drückermethoden" bediene, um arglose Häuslebäuer für seine kostspieligen Kachelöfen zu begeistern. Der bald 75-Jährige hätte das sicher zurückgewiesen und stattdessen von "abschlussstarken Vertriebsprofis" gesprochen, mit deren Hilfe er zum ungekrönten Ofen-King aufstieg.
Diese Familiensaga vom Aufstieg und Fall des gelernten Schornsteinmaurers aus Stendal interessiert heute keinen der Bieter. Die meisten wollen ein gutes Geschäft machen und geben ihre Gebot ab. Auch Walter Fischer. Nach einer halben Stunde sind drei Gebote eingegangen. Am Ende erhält Sveta Todorovic den Zuschlag.


Zum Mindestpreis

Der Immobilienunternehmer aus München mit serbischen Wurzeln hatte den Mindestpreis in Höhe von fünf Millionen Euro geboten. Noch wisse er nicht, was er mit dem Schloss anfangen wolle. Sicher sei er sich nur, dass er ein gutes Geschäft gemacht habe. Der Kasten ist "mehr wert", ist er sich sicher.
Bürgermeister Horst Kratzer (CSU) aus Postbauer-Heng freut sich derweil, dass das Kago-Schloss endlich verkauft ist. Auch bei Lucie Kago, der Ehefrau des Firmengründers, habe er eine "gewisse Erleichterung" gespürt. Sehen kann das ehemalige Palast-Pärchen das Anwesen immer noch: Allerdings leben die Kagos in einer "normalen" Villa. Mit weniger Kaminen. Und viel weniger Schornsteinen.