Die Stadt müsse endlich mithelfen, dass der Wöhrder See zu einer "echten Wohlfühl-Oase" werden kann, wetterte Markus Söder (CSU) pünktlich zum Ferienbeginn. Dem Finanzminister waren nicht nur die vielen Gänse rund um den Stausee im Herzen der Frankenmetropole ein Dorn im Auge. Auch kaputte Bänke, fehlende Toilettenanlagen und der Müll würden den Plan des Freistaates durchkreuzen, dem alten Gewässer neues Leben einzuhauchen. "Die Stadt muss endlich liefern", giftete Söder Anfang August in Richtung Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD). Die Antwort der Stadt folgte umgehend. Die Stadt wies die "einseitige Schuldzuweisung" noch am selben Tag höflich aber bestimmt zurück.

Ein kurzer Rückblick: Bayern will rund 15 Millionen Euro in die Hand nehmen, um aus dem Stausee im südlichen Pegnitztal wieder ein gefragtes Naherholungsgebiet zu machen. Bayern wurde in diesem Fall freilich von Markus Söder vertreten. Als Lebens- und Umweltminister hatte sich Söder im Jahr 2011 dem algengeplagten Tümpel direkt vor den alten Toren der Stadt angenommen. Ein Boulevard wurde geschaffen, der See entschlammt und ein Strand mit feinem Quarzsand zum Relaxen und Chillen geschaffen. Eine Badebucht und eine Inselwelt mit einem renaturierten Bereich und einem Fischweg müssen noch gebaut werden. Der 1981 fertiggestellte Stausee schützt die Altstadt vor Hochwasser. Gleichzeitig verschwanden durch den See die zahlreichen Bombentrichter in den Pegnitzauen.

"Mir ist es egal, dass der Sandstrand ein Wahlgeschenk vom Markus Söder an die Nürnberger gewesen ist", sagt Josef Turnwald, der gerne mit seinem Enkelsohn Elias zum gelben Sandstrand an den Wöhrder See kommt. "Mir gefällt der neue Wöhrder See mit seinem Sandstrand einfach", sagt der Rentner. Derweil kämpfen zwei Männer vom Wasserwirtschaftsamt in einem Boot mit den kleinen Wellen. "Wir installieren hier im Wasser vor dem Sandstrand einen Zaun, damit die Graugänse nicht mehr den Sandstrand verschmutzen können", erklärt einer der Männer beim Hantieren auf "Hoher See".

Unterdessen hat die Stadt ein lustiges Schild mit der Aufschrift "Wir schaffen Platz für alle, ,Gans` sicher!" aufgestellt. "Mich stören nicht die Gänse. Die vielen Zigarettenstummel und Kronkorken im Sand ärgern mich viel mehr", findet dagegen Josef Turnwald und fragt sich, wann endlich Aschenbecher und Abfalleimer am Strand aufgestellt werden. Immerhin scheint jetzt zumindest der kleine Sommerstreit zwischen Stadt und Land um das Thema Gänse vorerst beigelegt zu sein. Auf lange Sicht darf man freilich gespannt sein, wer einmal die politischen Lorbeeren für die Revitalisierung des Sees einheimsen wird: Maly, Söder oder keiner von beiden? Den Nürnbergern wäre wohl am liebsten, dass sich beide Söhne der Stadt ins Zeug legen. Im Schatten der Kaiserburg sind die meisten wohl sowieso noch skeptisch, ob irgendwer den Wöhrder See überhaupt wirklich retten kann.