Über Musik muss Martin Kreitmaier nach den Anschlägen von Manchester nicht reden. Nach den schrecklichen Ereignissen ist das Bühnenprogramm bei "Rock in Park"in den Hintergrund gerückt. Alle Fragen der Reporter drehen sich um das Thema Sicherheit.

Mit "einem guten Gefühl" blicke er auf das kommende Wochenende, sagt Kreitmaier vom Konzertveranstalter "Argo" aus Würzburg in die zahlreichen Mikrofone. Schließlich habe man die Sicherheitsvorkehrungen für das dreitägige Musikfestival schon im letzten Jahr aufgrund der latenten Terrorgefahr erhöht.


80.000 Menschen sind beim Auftakt von Rock im Park 2017 dabei

Angespannt ist die Stimmung beim Rundgang am Dienstag über das Festivalgelände trotzdem. Sauer sind die Veranstalter hinter vorgehaltener Hand darüber, dass ein Kamerateam den Aufbau des Festivals für den "Brennpunkt" im Ersten gefilmt hat. Als hätten die Macher nicht schon Sorgen genug.

Rund 80.000 Besucher reisen am Freitag zum Auftakt des dreitägigen Musikfestivals an. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Die meisten Besucher sind zwischen 20 und 24 Jahren alt.

Rund um die Bühnen auf dem Zeppelinfeld zwischen Frankenstadion und Dutzendteich werden sich die Massen drängen. 80.000 pro Tag - das entspricht der Bevölkerungszahl von mehreren Kleinstädten und macht die Sicherheitsbehörden schon deshalb besonders wachsam.


Die Sicherheitsmaßnahmen bei RIP wurden weiter erhöht

Martin Kreitmaier hat im Hinblick auf die Anschläge von Manchester die Sicherheitsvorkehrungen auch deshalb noch weiter erhöht. "Wir haben sichtbare und versteckte Maßnahmen, die im Hintergrund laufen und die wir nicht offen kommunizieren wollen", sagt Kreitmaier und erntet verständnisvolle Blicke. Nicht geheim und kaum zu übersehen sind dagegen die Betonsperren, die Fahrzeugen bei der unerlaubten Einfahrt auf das Gelände den Weg versperren sollen. Das ist nicht zuletzt eine Lehre aus den Anschlägen von Nizza (Strandpromenade) und Berlin (Weihnachtsmarkt).

Direkt zu spüren bekommen werden die Besucher das Mitnahmeverbot von Taschen und Rucksäcken auf das Gelände. Nur Bauch- und Gürteltaschen sind noch erlaubt. Mehr als ein Geldbeutel, Handy und Schlüssel wird und soll da absichtlich nicht reinpassen. Für Festivalfans ist das starker Tobak. Schließlich dienten die Rucksäcke bislang dazu, eigene Getränke auf das Gelände zu transportieren, um die Festivalkasse zu schonen.

Rock im Park 2017: Das dürfen die Festivalbesucher mit aufs Gelände nehmen

Martin Kreitmaier wirbt um Verständnis, dass die Mitnahme von Taschen nun verboten wird und es nicht mehr ausreicht, dass die mitgebrachten Taschen kontrolliert werden. Die Veranstalter seien in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden zu dem Schluss gekommen, dass auch die wartenden Besucher vor dem Festivalgelände ein potenzielles Angriffsziel für fanatische Attentäter seien könnten. "Deshalb wollen wir die Leute schnell auf das Gelände hereinbekommen", sagt Kreitmaier.

Nach Manchester haben die Veranstalter nicht von ungefähr die Sicherheit der Besucher im Vorfeld der Veranstaltung beim Betreten und Verlassen im Blick. Salman Abedi, der Manchester-Attentäter, hatte die Konzertbesucher erst nach der eigentlichen Veranstaltung auf dem Heimweg attackiert.



Um die Schlangen vor den Ein- und Ausgängen zu verringern, setzt Kreitmaier auf das Rucksack-Verbot. Im vergangenen Jahr konnten Taschen noch auf das Festivalgelände mitgenommen werden. Allerdings hatte die Suche nach gefährlichen Gegenständen die Wartezeit an den Eingängen teilweise erheblich erhöht. Lange Schlangen will Kreitmaier in diesem Jahr verhindern und hofft dabei auf die Mithilfe der Besucher. Wer auf die Mitnahme von Gegenständen auf das Festivalgelände komplett verzichtet, soll belohnt werden. Für Besucher, die außer Handys, Portemonnaies und Schlüsseln nichts mitnehmen, sind schnellere Eingänge ("Fastlanes") vorgesehen. "Wir wollen die Leute möglichst schnell reinbringen, um einen ,Second Hit` zu vermeiden", betont Kreitmaier und meint damit einen Angriff auf "weiche Ziele" außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes, dass in diesem Jahr mit 300 zusätzlichen Securitykräften (Gesamtzahl: 1300) geschützt wird.



Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen stoßen bei der Fangemeinde nicht auf ungeteilte Zustimmung. Der Hintergrund ist schnell erklärt: Viele Festivalfreunde haben in ihren Rucksäcken kein Wasser sondern Alkohol auf das Festivalgelände mitgebracht. Letzterer ist auf dem Festivalgelände - genauso wie die Eintrittskarten - nicht ganz billig. Die Veranstalter versichern freilich, dass sie kein Zusatzgeschäft durch das Rucksack-Verbot machen wollen. "Uns kann keiner Abzocke vorwerfen. Wir wollen durch die verschärften Sicherheitsmaßnahmen nichts verdienen", versichert Carolin Hilzinger vom Veranstalter und verweist auf die zehn neuen Wasserstände und acht Trinkstationen auf dem Festivalgelände. Dort können sich die Festivalbesucher umsonst mit Leitungswasser versorgen. Das Mineralwasser ist bereits für einen Euro zu haben.




Rucksack-Verbot Auf dem Festivalgelände erlaubt sind neben persönlicher Kleidung nur noch Handys, Portemonnaies, Schlüsselbund und kleine Gürtelbeutel oder Bauchtaschen. Wer auf Taschen komplett verzichtet soll in den Genuss von besonders zügigen Einlasskontrollen ("Fastlanes") kommen.

Second Hit
Durch das Taschenverbot sollen die Einlasskontrollen verkürzt werden. Damit soll die Gefahr von Angriffen auf "weiche Ziele" außerhalb des Festivalgeländes verringert werden. Rund 1300 Securitykräfte bewachen in diesem Jahr das Festivalgelände.

Festival Vom 2. bis 4. Juni werden auf dem Zepplinfeld in Nürnberg täglich knapp 80.000 Besucher erwartet. Das Mega-Musikfestival lockt mit Bands wie Rammstein oder Annenmaykantereit. Zum Festivalauftakt treten als Headliner am Freitagabend "Die Toten Hosen" auf.