In einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangen nun auch die evangelischen Pfarrer des Dekanats Nürnberg einen sofortigen Stopp der Abschiebung afghanischer Flüchtlinge. In den Kirchengemeinden hätten Haupt- und Ehrenamtliche beinahe täglich Kontakt mit geflüchteten Menschen. Sie wüssten daher, in welch großer Sorge Menschen aus Afghanistan wegen der Sammelabschiebungen lebten, heißt es in dem Schreiben, das neben den über 100 Pfarrern auch die Mitarbeitenden des Haus der Kirche "eckstein" unterschrieben haben.

Als Christen würden sie sich in der Verantwortung sehen, ihre Stimme zu erheben, "wo Lebensperspektiven und Schutzrechte von Menschen gefährdet werden", erklären die Unterzeichner. Man entziehe jungen Menschen "Lebens- und Überlebenschancen", wenn man sie in die instabile politische Situation Afghanistans zurückschicke. Die jungen Afghanen hätten nachvollziehbare, triftige Fluchtgründe und suchten nach Sicherheit, die nicht an Nationalität, Religion oder Status gebunden sei. Bei einem Asylantrag dürften Menschen nicht nach ihrem Herkunftsland beurteilt werden, sondern ausschließlich nach Gründen, die sie zu ihrer Flucht bewogen haben.
Nach Informationen des Bayerischen Flüchtlingsrates soll an diesem Mittwoch (22. Februar) ein Flugzeug mit mehreren afghanischen Flüchtlingen an Bord vom Flughafen München aus starten. Abgeschoben werden vor allem Flüchtlinge, die in Bayern untergebracht waren.

Im Dekanat Nürnberg leben etwa 160.000 evangelische Kirchenmitglieder in 46 Gemeinden. Das Amt des Stadtdekans hat Jürgen Körnlein inne.