Noch ist es nur ein Vorschlag. Die Stadt Nürnberg will die Tarife ihrer Verkehrsbetriebe reformieren und in diesem Zusammenhang das Parken teurer machen. So sieht es ein Gutachten der Dresdner Beratungsfirma Probst & Consorten vor, das die Stadt vor einem halben Jahr in Auftrag gegeben hatte.
Vergangene Woche stellten die Nahverkehrsexperten ihr Szenario für neue ÖPNV-Tarife in Nürnberg erstmals öffentlich vor. Seitdem wird hinter den Kulissen heftig diskutiert.

Vielfahrer werden belohnt

Das Gutachten, das vor allem in Auftrag gegeben worden war, das bestehende Tarifsystem der der VAG (Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg) zu vereinfachen und die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu steigern, sieht einen Preissprung bei Einzelprodukten vor. Abo-Produkte hingegen sollen günstiger werden. "Gelegenheitsfahrer in Bus, Straßen- oder U-Bahn werden zur Kasse gebeten, Treue wird im Gegenzug belohnt", bringt Siegfried Zelnhefer, Leiter des Presse- und Informationsamts der Stadt Nürnberg, das Konzept der Gutachter auf den Punkt.

Doch der Knackpunkt liegt nicht im Preis des ÖPNV-Einzeltickets, das von aktuell 2,60 Euro auf drei Euro angehoben werden soll, um im Gegenzug Jahres- oder Monatsabos günstiger zu machen.

Um die ÖPNV-Tarifreform quasi zu finanzieren, haben die Gutachter die Parker in der Nürnberger Innenstadt ins Visier genommen. Vorgesehen ist eine Verdoppelung der Parkgebühren auf den 800 städtischen Parkplätzen innerhalb des Altstadtrings auf drei Euro pro Stunde und eine Anhebung auf zwei Euro auf den 1800 Plätzen außerhalb des Rings.

Österreicher als Vorbild

Vorbild für die Gutachter ist dabei Linz, Landeshauptstadt von Oberösterreich. 2013 hatte die rot-grüne Stadtregierung dort eine Verdoppelung der Parkgebühren beschlossen. Und noch ein anderes Argument bringen die Befürworter höherer Parkgebühren ins Spiel. Im Gegensatz zu den Preisen für Busse und Bahnen sind die Gebühren für die Parkplätze im Jahr 1995 abgesenkt und seitdem 20 Jahre lang nicht mehr erhöht worden.

Doch es regt sich Protest. Vor allem die Einzelhändler in der Nürnberger Innenstadt schlagen Alarm. "Nürnberg kann sich diesen Schritt nicht erlauben. Wenn wir hier Hindernisse aufbauen, dann werden viele woanders einkaufen", sagt Uwe Werner, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern (HBE).

"Ein Wettbewerbsnachteil"

HBE-Geschäftsführer Bernd Ohlmann, der sein Büro in München hat, blickt verwundert auf Nürnberg. "Eine Verdoppelung der Parkgebühren, das ist schon der Hammer", sagt er zu dem Gutachten, das im Nürnberger Rathaus derzeit diskutiert wird. 70 Prozent des Umsatzes mache der Einzelhandel mit den Pkw-Kunden, gibt Ohlmann zu bedenken. In Konkurrenz zu den Innenstädten gebe es überall in Bayern große Fachmarktzentren außerhalb der Stadt mit ausreichend Parkplätzen. "Der Kunde parkt am liebsten mit dem Wagen an der Kasse. Das ist einfach so", sagt Ohlmann und verweist zugleich auf die Gastronomie, die von höheren Parkgebühren ebenso betroffen wäre. "Das wäre für die Nürnberger ganz klar ein Wettbewerbsnachteil", ist der HBE-Geschäftsführer überzeugt.

In Nachbarstädten kostet es dann die Hälfte

Er dürfte damit nicht falsch liegen. Denn blickt man auf andere Städte, auch in der Nachbarschaft, dann können Autofahrer dort künftig deutlich billiger parken. Die Fürther verlangen nach wie vor 1,50 Euro für eine Stunde Parkzeit im Zentrum, in Erlangen ist es nicht anders.

"An die Parkgebühren heranzugehen, ist im Moment überhaupt nicht angedacht", sagt Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg. Zur Stärkung der Innenstadt sei es notwendig, einen gewissen Parkraum zur Verfügung zu stellen. Diesen ohne Not teurer zu machen, sei wirtschaftsfeindlich.

So sieht das auch die Nürnberger CSU. "Die Gutachter haben das Thema verfehlt", schimpft CSU-Fraktionschef Sebastian Brehm. Für ihn kommt höchstens eine moderate Anhebung der Parkgebühren in Frage.

Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) verweist auf die "Modellstadt" Linz. Dort sei die Rechnung nicht aufgegangen, da infolge der Erhöhung der Parkgebühren rund 30 Prozent weniger Parkscheine gezogen worden seien.