Ach ja, der Bachelor. Wie habe ich ihn vermisst in den letzten Monaten! Keine Mädels, die so aufdringlich und anbiedernd um die Gunst eines Mannes buhlen, dass ich mich beim Zuschauen vor Scham hinter den Sofakissen verkriechen möchte. Kein selbstverliebter Kerl, dessen Ego es offenbar nötig hat, sich von 20 Frauen gleichzeitig ansabbern zu lassen. Kein Verteilen von Rosen als Zeichen der Zuneigung - und des Einzugs in die nächste Runde. Und vor allem kein mäßig glaubwürdiges "Wir hoffen alle auf die einzig wahre große Liebe"-Getue.

Und nun das: Der Neue geht "oben ohne". Christian Tews ist also der neue Traummann schlechthin und trägt seine Haare - nicht. Selbstverständlich ist die Glatze bei ihm aber ein reines Stilmittel, ihm gefällt das so. Natürlich hätte er Haare, sollte er sie doch einmal wieder länger tragen wollen. Die deutlichen Geheimratsecken, die der Fernsehzuschauer auch von der Couch aus gut erkennen konnte, haben damit sicherlich nichts zu tun und die sind bestimmt auch niemand anderem aufgefallen. Aber ich schweife ab.

Christian Tews ist 33 Jahre alt und lebt in Berlin. Nach Banklehre und Sportökonomie-Studium und ein bisschen Wind-um-die-Nase-wehen-lassen hat sich der Bachelor dann mit seinem Bruder zusammen selbstständig gemacht. Gemeinsam produzieren und vertreiben sie einen Relaxation-Drink. Das soll wohl sowas wie ein Energy-Drink sein, nur andersrum. Ein Getränk, das beim Entspannen hilft. Wie, das haben Sie noch nie gehört? Macht nix. Wird bestimmt ein Exportschlager. Spätestens dann, wenn sich der Bachelor wieder mehr ums Geschäft kümmern kann.

Gesucht: Große Liebe. Und Sex.

Davon ist derzeit aber wohl noch nichts zu merken. Christian präsentiert sich als sportlicher, einsamer Junggeselle, der die große Liebe sucht. Was auch sonst? Belanglose Affären mit Mädels, die ins Fernsehen wollen und sich deswegen jedem x-beliebigen Kerl an den Hals werfen würden? Natürlich nicht! Um ganz sicher zu gehen, stellt der 33-Jährige gleich klar: "Sex spielt in meinem Leben eine große Rolle." Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Schließlich gehören zum Sex ja immer noch zwei. Oder, in diesem Fall, 22. So viele junge Frauen buhlten in der ersten "Nacht der Rosen" um die Gunst des Bachelors. Vielleicht mag es daran liegen, dass nach der letzten Bachelor-Staffel Ex-Teilnehmerinnen in der Presse Einzelheiten der Dreharbeiten ausgeplaudert haben, wie etwa, dass es ständig und überall Alkohol für die Damen gab. Jedenfalls wirkte schon bei der ersten Begegnung des Bachelors mit seinen potenziellen Angebeteten gut die Hälfte der Ladys deutlich angetrunken.

Hier meine (Anti-)Höhepunkte:
Blondine Jessica (23) trug nicht nur ein Kleid, für das mindestens fünf Lametta-Tiere sterben mussten, sondern hatte auch noch Schwierigkeiten damit, nicht ständig ihre Brüste heraus fallen zu lassen. Das könnte aber auch Absicht oder Berechnung gewesen sein, denn: "An meinem Körper am meisten gefallen mir meine Brüste." Übrigens träumt Jessica auch von einer Schauspielkarriere. Vielleicht könnte sie sich da ja ein paar Tipps von der letztjährigen "Bachelor"-Kandidatin Melanie Müller geben lassen, wenn die aus dem Dschungelcamp zurückgekehrt ist.

Die Schwestern Susanne (27) und Stefanie (24) machen als beste Freundinnen alles gemeinsam - und nun auch noch Jagd auf den selben Mann. Obwohl Steffi im Gegensatz zu Susi aussieht wie ein modisches Relikt der 50er Jahre, sind die beiden sofort als Schwestern zu erkennen. Sie teilen sich nämlich neben den blonden Haaren auch noch die Fehlstellung ihrer Schneidezähne. Der schwesterliche Kampf um die Rosen des Bachelors wurde übrigens gleich in der ersten Runde entschieden: Stefanie gehört zu den sechs Mädels, die gleich in der ersten "Nacht der Rosen" leer ausgingen.

Ela (21) hat türkische Wurzeln und ganz offensichtlich schon vor der "Nacht der Rosen" zu tief ins Glas geschaut. Bei der Begrüßung konnte Christian ihr kaum in die Augen schauen, was wahlweise daran liegen könnte, dass Ela die kaum auf bekam oder ihre Oberweite das Dekolleté ihres Kleides zu sprengen drohte. Später auf der Party lief Ela gegen eine geschlossene gläserne Terrassentür. Ihre Ausrede: "Ich wollte in den Garten, aber die Tür war zu gut geputzt."

Angelina ist mit 21 Jahren zwar eine der jüngsten unter den Bewerberinnen, allerdings weiß die Blondine genau, was sie will: früh heiraten und Mutter werden. Deswegen macht sie jetzt beim "Bachelor" mit. Dass das der Modelkarriere, die Angelina derzeit verfolgt, schaden könnte, darüber scheint sie sich noch keine Gedanken gemacht zu haben. Wozu auch? Schließlich hat sich Angelina eigenen Angaben zufolge gleich auf den ersten Blick in Christian verliebt. Hach, wie romantisch!

Die Modelkarriere hat Daniela (37) schon hinter sich. Und zwar eine internationale, wie sie betont: Alle Stars und Sternchen kennt Daniela persönlich. Behauptet sie zumindest. Hier stellt sich dann aber die Frage, was sie bei RTL will. Wobei, das ist ja eigentlich klar: die große Liebe finden. Wie alle anderen. Ist klar. Zur Begrüßung bringt Daniela Christian - wie kreativ! - eine Rose mit. Was der Bachelor zwar erst ein bisschen dreist findet, später am Abend dann aber mit der allerersten Rose honoriert. Fazit: Frechheit siegt.

Auch Nürnbergerin Nadja hatte sich etwas ganz besonderes für ihre erste Begegnung mit dem Bachelor ausgedacht: Die 25-jährige brachte Christian ein Lebkuchenherz mit, der Schriftzug "für den Bachelor" war farblich auf ihr Kleid abgestimmt. Die Lehramtsstudentin stellte sich dann als Nadja "aus der Stadt der Lebkuchen" vor. Und Christian hatte überhaupt keine Ahnung, wo das sein könnte. Seine Assoziation: Oktoberfest. Na, das üben wir aber nochmal. Immerhin: Auch Nadja bekommt eine zweite Chance, Christian näher kennen zu lernen und ihn von sich zu überzeugen.

Ob ihr das gelingt, sehen wir nächsten Mittwoch um 20.15 Uhr bei RTL, wenn es wieder heißt: Schäkern, schämen, Schampus schlürfen. Vielleicht mache ich mir dann auch eine Flasche auf. Mal sehen, ob man sich auch Fernsehformate schönsaufen kann.