In 27 Fällen hat der leidenschaftliche Volleyballer laut Anklageschrift minderjährige Jungen missbraucht. Den Prozess ins Rollen gebracht hat ein heute 28-Jähriger, der im Schulalter zum Opfer geworden sein soll. Zwei weitere Zeugen haben den Lehrer und Vereinstrainer im Prozessverlauf ebenfalls schwer belastet.

Mit gesenktem Kopf lauscht der 59-Jährige einer Erklärung, die sein Verteidiger an diesem Donnerstagnachmittag im Landgericht vorträgt. Die Ex-Freundin des Nebenklägers soll nach dem Willen der beiden Verteidiger in den Zeugenstand, um die Aussagen des Hauptbelastungszeugen zu entkräften. Dummerweise lebt die Frau mittlerweile in Australien. Der Richter hat den Beweisantrag aber nicht aufgrund der großen Entfernung abgelehnt. Vielmehr sei es für ihn nachvollziehbar, dass der Nebenkläger die sexuellen Übergriffe erst einer späteren Freundin anvertraut habe. Die frühere Freundin könne in Australien bleiben und müsse nicht für eine Zeugenaussage, von der sich de Richter nichts verspricht, nach Deutschland jetten.

Die Verteidigung gibt sich daraufhin nicht geschlagen. Peter Doll und Harald Straßner beantragen stattdessen eine Unterbrechung der Verhandlung. Dieser Vorschlag bringt Staatsanwalt Matthias Engelhardt beinahe auf die Palme. "Wenn das so weiter geht, sitzen wir hier noch in einem halb Jahr", ärgert sich der Staatsanwalt.


"Wir brauchen die Zeit"

Verteidiger Peter Doll zuckt mit den Schultern und sagt: "Wir brauchen die Zeit, um die Begründung zu studieren und unsere Schlüsse für den weiteren Prozessverlauf zu ziehen." Schließlich gehe es um etwas in diesem Prozess. Genauer gesagt, geht es um eine hohe Haftstrafe von mindestens einem und maximal fünfzehn Jahren, die dem Angeklagten im Falle einer Verurteilung droht.
Beim nächsten Prozesstermin wollen sich die Verfahrensbeteiligten in aller Herrgottsfrühe treffen, um dann die Plädoyers zu halten.