Wenn am Mittwoch um 11 Uhr im "Le Meridien Grand Hotel" in Nürnberg die erste Verhandlung zwischen dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) und der IG Metall stattfindet, wird sich noch nicht viel tun. Es geht für Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite darum, ihre Positionen verbal zu untermauern. Fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten fordert die Gewerkschaft für die nächsten zwölf Monate. Danach soll der Tarifvertrag wieder neu verhandelt werden. "Die Forderung ist in der jetzigen konjunkturellen Lage grob unvernünftig", sagt dagegen Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des VBM.


Konzerne wie BMW

Mit rund 800 000 Beschäftigten ist die Metall- und Elektroindustrie ein Schwergewicht auf dem bayerischen Arbeitsmarkt. Große Konzerne wie BMW, Bosch oder Siemens gehören dazu. Umso mehr werden die tariflichen Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Warnstreiks der Gewerkschaft gehörten in den vergangenen Runden regelmäßig dazu. Bis es soweit ist, wird aber noch mehr als ein Monat vergehen. Der derzeit gültige Tarifvertrag (seit 1.1.2015/Dauer 15 Monate) läuft erst Ende März aus. Danach folgt eine vierwöchige Friedenspflicht. Sie endet exakt am 28. April um 24 Uhr. Sollte es dann kein Ergebnis geben, wovon nach den Erfahrungen vergangener Auseinandersetzungen auszugehen ist, sind erste Arbeitsniederlegungen möglich.
Waren bei der Runde Anfang 2015 noch Themen wie Altersteilzeit und Weiterbildung mitverhandelt worden, so geht es diesmal wie schon 2013 nur ums Geld.


Wann kommt Angebot des VBM?

Während die IG Metall vorgibt, mit ihrer Fünf-Prozent-Forderung Produktivität, Inflation und die durchschnittliche Lage aller Betriebe berücksichtigt zu haben, hat der Arbeitgeberverband noch kein Angebot auf den Tisch gelegt. Wann dies der Fall sein wird, ließ Brossardt, der an der Seite von VBM-Verhandlungsführerin Angelique Renkhoff-Mücke die Gespräche begleiten wird, auf Nachfrage dieser Zeitung offen. "Das hängt vom Verlauf der Verhandlungen ab", sagte er. Die Frage stelle sich derzeit nicht.
Die 3,4 Prozent vom jüngsten Abschluss sind für den Hauptgeschäftsführer kein Maßstab. "Der Abschluss ist aus heutiger Sicht erst recht zu hoch", meint Brossardt. Er spricht von einer konsumgetriebenen Scheinkonjunktur, die von Sonderfaktoren wie dem niedrigen Ölpreis gestützt werde.


Gegen Tarifflucht

"Wir können inländische Arbeitsplätze nicht länger mit ausländischen Gewinnen finanzieren", mahnte er.
Sein tarifpolitischer Gegenspieler, IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler, sieht das naturgemäß ganz anders. "Würden wir uns nur an den sehr gut verdienenden und meistens großen Betrieben orientieren, fiele die Forderung wesentlich höher aus", sagte er.
Neben der Entgelterhöhung will die IG Metall diesmal verstärkt Belegschaften aus Betrieben ohne Tarifbindung einbeziehen, um die Tarifbindung wieder zu steigern. "Tarifflucht darf sich nicht als Kostenvorteil für Unternehmen mit geringem Verantwortungsbewusstsein etablieren", sagte Wechsler.