Angesichts der gesunkenen Autonachfrage in China stellt sich der Kabelspezialist Leoni auf ein schwächeres Chinageschäft ein. Es sei nicht auszuschließen, dass der Autozulieferer seine angepeilten China-Umsatzziele in diesem und im nächsten Jahr verfehle, sagte der neue Leoni-Vorstandschef Dieter Bellé am Dienstag in Nürnberg. "Bislang haben wir von diesem Effekt aber noch nichts gespürt", sagte er. Für 2015 strebt Leoni in China einen Umsatz von rund 710 Millionen Euro an, für nächstes Jahr 750 bis 770 Millionen Euro. Zuletzt hatten BMW und Audi über einen gesunkenen Autoabsatz in China berichtet.

Nach Bellès Einschätzung könnte ein stockender Leoni-Umsatz in Fernost auch das Ziel von fünf Milliarden Konzernumsatz im kommenden Jahr gefährden. "Als wir das Ziel 2011 ausgegeben haben, hatten wir noch das Russlandgeschäft. Das ist inzwischen weitgehend weggebrochen. Das haben wir verkraftet. Aber wenn jetzt auch noch China dazukommt, werden wir das spüren", sagte Bellé.

Der bisherige Leoni-Finanzchef hatte im Mai die Unternehmensführung von Klaus Probst übernommen. Probst war aus Altersgründen ausgeschieden.

Im zweiten Quartal hatte der Kabelspezialist seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,4 Prozent auf 1,155 Milliarden Euro steigern können. 8 Prozentpunkte davon sind allerdings währungsbedingt: Da Leoni-Produkte in vielen Ländern zu Dollar-Preisen verkauft werden, profitiert das Nürnberger Unternehmen derzeit vom schwachen Euro.

Anders als im Vorquartal verzeichnete der Autozulieferer von April bis Juni auch wieder einen wachsenden Konzernüberschuss: Er stieg um 17,3 Prozent auf 35,1 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr hatte der Leoni-Umsatz bei 2,264 Milliarden Euro gelegen - 11 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert.