Ihnen stellten sich jedoch gleich vier Organisationen entgegen, die zum Protest aufgerufen hatten. Insgesamt nahmen an den Gegendemonstrationen nach Schätzungen rund 1500 Menschen teil, während Nügida lediglich 150 Leute auf die Straße brachte. Aus den Reihen der Gegendemonstranten wurden vereinzelt Eier und Flaschen auf die Nügida-Leute geworfen. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot die Gruppen auf Distanz hielt, sprach von zwei Festnahmen.


Rechte Szene ganz vorne mit dabei

Unter den Nügida-Leuten sind nach Angaben der Stadt mehrere einschlägig bekannte Figuren aus der rechten Szene. Michael Helmbrecht von der Allianz gegen Rechtsextremismus sagte: "Diese Kreuzritter sind zumeist Hakenkreuzritter."

Angemeldet hat die Demo ein Mann aus Thüringen: Rico. Seinen Nachnamen will er nicht in der Zeitung lesen. "Ich habe die Demo angemeldet. Ich bin in Thüringen geboren. Aber ich bin kein böser Nazi", sagt der Mann mit der Nürnberg-Mütze auf dem Kopf und dem thüringischen Akzent auf den Lippen.

Insgesamt rechne Rico mit 150 Nügida-Demonstranten. Derweil nähert sich ein Mann mit Tirolerhut auf dem Kopf und Megaphon in der Hand. "Kann nicht mal jemand dem Rico das Transparent abnehmen", sagt Rainer Biller und ruft dann ins Megaphon. "Achtung! Achtung! Liebe Teilnehmer, bitte auf Fluggegenstände aufpassen! Die gewaltfreie Antifa wirft gerne mit Eiern anstatt diese zu essen", plärrt der Ex-NPD-Funktionär ins Mikrophon.
Im Gespräch gibt sich Biller in Sachen rechtsextremistischer Vergangenheit geläutert. "Ich habe Fehler gemacht und ich bin dafür bestraft worden", sagt Biller. Damit sei nun Schluss, behauptet Biller. Bei Nügida fungiere er lediglich als Berater.

Das Organisationsteam der Nürnberger Ablegers der Patriotischen Europäer zur Rettung des Abendlandes bestehe aus zehn Leuten, verrät Biller. Das Führungsteam spreche sich strikt gegen "rechte Hetze und Gewalt" aus. Dann begrüßt Biller via Megaphon neue Teilnehmer. "Willkommen München!" Plötzlich eilen die Einsatzkräfte zusammen und umkreisen die Neuankömmlinge. Schwarze gekleidete Männer und Frauen halten deutsche Flaggen in den Nachthimmel. "Antifa heißt Kapitulation", ruft Biller jetzt den wütenden Gegendemonstranten entgegen. "Wir sind das Volk!", skandieren die Nügida-Teilnehmer daraufhin lautstark im Chor.

Die Gegendemonstranten hinter der Absperrung gehen wie auf Kommando auf die Barrikaden. Die meisten halten den Mittelfinger in die Luft. Andere pusten mit voller Kraft in Trillerpfeifen oder rufen aus voller Kehle "Hoch die Internationale".

"Wir müssen uns nicht vor den Rechten schützen, sondern vor diesen Linksradikalen", sagt ein Passant und zeigt auf eine Gruppe von Punks mit Bier in der Hand und Irokesenschnitt auf dem Kopf. Es könne nicht sein, dass gegen den Protest des normalen Bürgers immer gleich die Nazi-Keule geschwungen werde, findet der Mann und weiß auch gleich warum. "90 Prozent der Flüchtlinge werden zwar nicht anerkannt. Aber abgeschoben werden sie auch nicht."

Der Abmarsch der Nügida-Demonstranten verschiebt sich immer wieder. Eigentlich wollten die Retter des Abendlandes schon um 19 Uhr vom Annapark in Richtung Bundesministerium für Flüchtlinge ziehen. Aber auch zwei Stunden später stehen die Nügida-Leute immer noch auf dem dunklen Annapark in der Kälte, weil mehrere hundert Gegendemonstranten die geplante Route zur ehemaligen SS-Kaserne blockieren. Schließlich, gegen 21 Uhr, kehren die Nügida-Anhänger um und kehren zum Annapark zurück. An der Gudrunstraße war kein Durchkommen.


Anerkennungskultur sei notwendig

Auf der Kundgebung gegen Rechts sprachen vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unter anderem Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) und der Behörden-Chef Manfred Schmidt. Die Anti-Nügida-Kundgebung sei ein "Zeichen für Vielfalt und Respekt", sagte Schmidt laut Redemanuskript.

"Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland und wird es auch bleiben." Einwanderung sei schlicht und einfach Realität. Nötig sei eine "gelebte Anerkennungskultur". Ungeachtet verschiedener Meinungen müsse eines klar sein: "Menschen, die hier leben, müssen wissen, dass sie in Deutschland ihr Leben frei von Diskriminierung und Alltagsrassismus verbringen können." dpa/np/jgö