Der Johannisfriedhof in Nürnberg ist einer der schönsten in ganz Deutschland. Hier haben nicht nur Albrecht Dürer und Ludwig Feuerbach ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auch so berühmte Zeitgenossen wie der Unternehmer Theo Schöller sind auf dem historischen Friedhof im Herzen der Stadt begraben. Viele Jahrzehnte ist es für Normalsterbliche beinahe unmöglich gewesen, eine der gefragten Begräbnisstätten auf dem Friedhof im noblen Stadtteil St. Johannis ergattern zu können. Diese Zeiten sind mittlerweile vorbei.

300 freie Erdgräber in dem ehemals so exklusiven Boden

"Wir machen neuerdings Werbung für den Friedhof", gibt Pfarrer Jochen Ackermann unumwunden zu. "Wir haben derzeit 300 freie Erdgräber auf dem Johannisfriedhof", sagt Matthias Müller, der Leiter der Friedhofsverwaltung, und zeigt auf ein kleines Schild am Eingang zu der historischen Grabstätte. Darauf steht in dicken Lettern: "Gräber frei! Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Friedhofsverwaltung."

Erdbeisetzungen sind ein bisschen aus der Mode

Müller kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, wo man auf dem prestigeträchtigen Gottesacker mit den vielen berühmten Persönlichkeiten auf ein Grabstätte lange warten musste. Heute seien die traditionellen Erdbeisetzungen ein bisschen aus der Mode. Auf dem Vormarsch seien dagegen moderne Bestattungsformen wie Friedwälder oder Gräber im Blumenfeld.

Insgesamt 6500 Grabstellen gibt es auf dem Friedhof in St. Johannis. Das ganze Areal steht unter Denkmalschutz. "Viele Menschen kommen beim Spaziergang über den Friedhof gar nicht darauf, dass es auf dem Johannisfriedhof überhaupt freie Grabstellen gibt", sagt Ackermann. "Wenn man ein Grab heute erwirbt, übernimmt man gleichzeitig die alte Steinplatte, die darauf seit Jahrhunderten liegt", erklärt der Pfarrer. Diese Steinübernahmegebühr koste viel weniger als ein normaler neuer Grabstein. Allerdings würden heute nicht mehr alle Menschen per se unter einer solchen Steinplatte beerdigt sein.

Denkmalschutz schreckt Interessenten ab

Im Trend liegen leichtere Bestattungsformen. "Außerdem spielt der Denkmalschutz auf dem Johannisfriedhof eine große Rolle, damit der besondere Charakter nicht verloren geht", sagt Ackermann. Das schrecke einige Interessenten ab. Aber trotz diverser Auflagen könnten die Bronze-Grabplatten mit Epitaphien persönlich gestaltet werden. Man dürfe die historischen Steinplatten nur nicht nach Belieben verändern.

Für die evangelische Gemeinde ist es eine Herkulesaufgabe, das historische Kleinod zu bewahren. "Aus den reinen Friedhofsgebühren können wir die einzigartige historische Substanz des Friedhofs nicht erhalten. Wir müssen eine überdurchschnittliche Belegung erreichen, um dieses bedeutende Kulturerbe bewahren zu können", erklärt Ackermann. Dafür wolle der Pfarrer auch ein neues Bewusstsein in der Stadt für die einmaligen Besonderheiten dieses Friedhofs schaffen. Die Gemeinde will neue Wege gehen und selbstbewusst Reklame für die einst so prestigeträchtigen Gräber machen. "Am 11. Juli veranstalten wir unter dem Motto "endlICH - ewICH" einen Friedhofstag mit Aktionen für die ganze Bevölkerung auf dem St.-Johannis-Friedhof", kündigt Ackermann an. Schließlich geht es um eine Kulturstätte von einmaliger Schönheit und historischem Wert.