Immer wieder bläst der Wind die Kerzen aus. Aber Stefanie gibt nicht auf. "Die Teelichter sollen für die Opfer stehen", erzählt die Nürnbergerin und zückt im Kampf gegen den Wind erneut das Feuerzeug. "Pray for Paris" (Betet für Paris): Diese Botschaft will die junge Frau mit ihren Teelichtern den Opfern der Anschläge in Paris lautlos zurufen. "Das sind über 100 Teelichter. Jede Kerze steht für eines der vielen Opfer", sagt Stefanie während andere Menschen ihr beim Anzünden der Lichter zur Hilfe eilen.

Immer mehr Menschen versammeln sich derweil in der Straße der Menschenrechte. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hatte zum stillen Gedenken an die Opfer von Paris dazu eingeladen. "Wir alle sind tief schockiert. Die Anschläge waren auch Attacken gegen uns alle und unsere freiheitlichen, demokratischen Werte. Lassen Sie uns gemeinsam der Opfer gedenken und ein Zeichen gegen den Terror setzen", hat Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) nach den Anschlägen gesagt.

Auch Sascha ist mit einer Kerze und einer Trikolore in die Straße der Menschenrechte an diesem Abend gekommen, um sein Mitgefühl auszudrücken. "Ich habe Angst, dass es einen Krieg gibt", sagt der 38-jährige Nürnberger und hält seine Hände schützend vor den flackernden Schein der brennenden Kerze. "Ich muss zugeben, dass ich mit einem mulmigen Gefühl hierher gekommen bin", erzählt Sascha während er plötzlich mucksmäuschenstill wird. Sirenen sind zu hören. Erst leise, dann immer lauter. Viele spitzen die Ohren und wirken erleichtert, als die Sirenen endlich verstummt sind. Heinz Samac verteilt derweil Feuer. Seine Kerze reicht er geduldig weiter, damit alle Lichter brennen. "Ich freue mich, dass so viele Menschen gekommen sind. Das hätte ich nicht gedacht", sagt Jenny Olarte im Schein der vielen Lichter.

Plötzlich wird es dunkel in der Straße der Menschenrechte. Rund 1000 Menschen senken ihre Köpfe und gedenken in stiller Trauer der Pariser Opfer. Die Menschen rücken eng zusammen in ihrer Anteilnahme. Ohne Worte erinnern die Nürnberger an die schrecklichen Attentate. Reden werden nicht gehalten. Und auf einmal ist es ganz still. Die Stadt hält für einen Moment ihren Atem anzuhalten. Sogar der Wind scheint für eine Weile verschwunden zu sein. Dann flackern 1000 Kerzen lautlos in der Dunkelheit.