Gezögert hat Lara Sielmann keine Sekunde, als der entscheidende Anruf kam. "Ich habe mich sofort in den Zug gesetzt, und bin von Berlin nach Nürnberg zum Vorstellungsgespräch gefahren", erinnert sich die 29-jährige Kulturwissenschaftlerin beim Rundgang durch den neuen Tempel für Gegenwartskultur in Nürnberg. "Die Chance, ein Kulturhaus von der Größe des ,Z-Baus` mit aufzubauen, bekommt man nie wieder", ist sich Sielmann sicher.

"Als ich hier vor knapp zwei Jahren im ,Z-Bau` zum ersten Mal angekommen bin, war das hier alles noch eine Baustelle", erzählt die Wahl-Nürnbergerin mit der Bubikopffrisur.

Die Bauarbeiter sind mittlerweile verschwunden. Millionen hat die Stadt in die Sanierung des alten Gemäuers an der Frankenstraße in der Zwischenzeit gesteckt. Den rauen Steinwänden sind die wechselvollen Jahre nach der Frischzellenkur immer noch anzusehen. Der Atmosphäre tut das gut. Der große Klotz könnte auch in Berlin oder Brookyln stehen. Die hohen Räume atmen Geschichte. Als Teil der monströsen Unterkunft für die Totenkopfverbände der SS-Schergen während der Reichsparteitage erbaut, wurden sie nach dem Untergang des Nationalsozialismus von den Amerikanern bis 1992 genutzt. Im Hauptgebäude hat heute das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) seinen Sitz. Im Seitenflügel mit seinen imposanten 5.5000 Quadratmetern zogen in den Nullerjahren die Künstler ein und feierten wilde Partys. Bis sich die Stadt im Jahr 2012 entschloss, Geld in den wuchtigen Bau zu stecken und dem Haus eine langfristige Zukunft als Treffpunkt der Gegenwartskultur zu geben. Gemeinsam mit dem "Kunstverein Hintere Cramergasse" und der "Musikzentrale Nürnberg" gründete die Stadt eine Betreibergesellschaft, die fortan neues Leben in den Klinkerbau bringen soll.

"Wir sind ein Ort für kulturellen Freiraum", erklärt Lara Sielmann und das spiegelt sich in dem Programm wider: Im "Z-Bau" gibt es Konzerte, Lesungen, Club- und Theaterabende. Dass sich hier Musiker, DJ´s und Schauspieler dabei nicht auf die Füße treten, liegt an dem vielen Platz, den der wuchtige Kasten im Süden der Frankenmetropole neben dem Möbelhaus mit dem bescheidenen Triple-X im Namen zu bieten hat. "Wir haben neben den vielen Konzertsälen auch Ateliers und Werkstätten." So sei garantiert, dass auch tagsüber Leben in der Bude sei. Im Winter steppt hauptsächlich am Abend der Bär im Z-Bau. Wenn im Mai der schöne Biergarten im XXXL-Hinterhof wieder eröffnet, kommt der Kulturpalast fast nie zur Ruhe. "Wenn im Sommer die Sone scheint, ist der Z-Bau eine Insel in der Stadt", schwärmt Lara Sielmann über das bunte Treiben. Der Eilandcharakter habe viel mit der Randlage des Z-Baus zu tun.

"Die Leute, die den Weg auf sich nehmen und hierher kommen, die bleiben erst einmal und gehen so schnell nicht wieder weg", freut sich die Kulturmanagerin. Nürnberg sei an urbaner Gegenwartskultur interessiert, ist sich die Kulturwissenschaftlerin sicher. Allerdings hapere es häufig an den einfachsten Dingen. Beispielsweise an der Information und Kommunikation. Viele Leute wüssten schlicht und einfach nicht, wo was wann läuft.
In der Stadt der Lebkuchen hat die Gegenwartskultur traditionell einen schweren Stand.

Die Moderne ist häufig nicht so greifbar. "In Nürnberg ist die Subkultur nicht leicht zu finden", sagt Sielmann. Das mache es auch den vielen Kulturschaffenden in der Frankenmetropole schwer. Schließlich ist deren Lebenselixier die Aufmerksamkeit und das Publikum. Der Z-Bau will dafür sorgen, dass die Kultur in Nürnberg aus ihren Höhlen krabbelt und das Schattendasein beendet. Dem fränkischen Kulturkosmos will der Z-Bau eine Plattform geben.

Das Publikum müsse man natürlich abholen, betont die Expertin. Kultur sei nichts, dass man passiv konsumieren dürfe. Kultur wolle aktiv erlebt werden. Nur dann könne der Z-Bau ein Ort werden, an dem sich Menschen austauschen und begegnen. Wenn dies alles gelingt, ist sich Sielmann sicher, wird der "Z-Bau" die Metropole aus ihrer fränkischen Bescheidenheit und urbanen Lethargie wecken können.


Programmhöhepunkte im Z-Bau in dieser Woche (ab 28.1):

Samstag Dancehall, Dub und Reggae mit dem "Tsunami Sound System" ab 22 Uhr im Kunstverein.
Dienstag Im Roten Salon stehen mit "Hotel Books" und "Convictions" zwei Hardcore-Bands aus Amerika auf der Bühne. Eintritt: 18 Euro.
Donnerstag Der "Open Zspace" ist für Nachwuchsbands aus der Region reserviert. Der Eintritt erfolgt auf Spendenbasis. Musiker können sich per Mail openzpace@z-bau.com für die Veranstaltungsreihe bewerben.
Freitag Goa-Party in der Galerie unter der Überschrift "Signals from Outer Space".
Samstag Mit einem "echtem Sandstrand" wird im Kunstverein bei kostenlosem Eintritt eine Beach-Party gefeiert. Badeklamotten erwünscht!

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