Vor knapp zwei Jahren traf der Sparkurs der kriselnden Air Berlin den Nürnberger Flughafen mit voller Wucht: Hatte sich die Airline schon die Jahre davor etappenweise aus Franken zurückgezogen, so löste sie im Winter 2012/2013 ihr Winter-Drehkreuz in Nürnberg endgültig auf. Diese deutschlandweite Drehscheibenfunktion hatte dem Flughäfen in den Wintermonaten jahrelang eine gleichmäßige Auslastung garantiert.

Auf einen Schlag verlor der wirtschaftlich ohnehin angeschlagene Flughafen im vergangenen Jahr 491.000 Fluggäste; weitere 90.000 Passagiere kostete die Streichung von Air-Berlin-Linienflügen ab Nürnberg. Die Folge: Ein weiterer massiver Umsatzeinbruch und ein erneuter Konzernverlust von 3,9 Millionen Euro.

Der neue Flughafen-Chef Michael Hupe sieht dieses wirtschaftliche Desaster dennoch gelassen - nicht nur, weil es eigentlich die Zahlen seiner beiden Vorgänger sind. Er schaut vielmehr nach vorn und glaubt dort bereits einen ersten Silberstreif zu erblicken.

Selbstbewusst verkündete er bei der Bilanzpressekonferenz der Flughafen Nürnberg GmbH am Donnerstag: "Der Flughafen hat die Talsohle durchschritten" - auch wenn die Zahlen der ersten fünf Monate 2014 die Einschätzung nicht zu stützen scheinen. Für Juni aber zeichnete sich ab, dass sich die Zahlen der Fluggäste steigern, versichert Hupe.

Er verweist auf erste Erfolge beim Anwerben neuer Fluggesellschaften. So stationiert der Ferienflieger TUIfly in diesem Sommer erstmals eine Maschine in Nürnberg; die B 737-800 hebt 21 Mal in der Woche in Franken ab. Dem Beispiel ist inzwischen auch die türkische Charterfluggesellschaft SunExpress gefolgt, die 15 Mal die Woche in die Türkei fliegt.

Als Hoffnungsschimmer sieht die Flughafenführung auch die Pläne der Air-Berlin, im Winter wieder ein "kleines Drehkreuz" am Standort Nürnberg einzurichten: Jeden Dienstag werden die aus fünf deutschen Städten kommenden Urlauber in sieben bereitstehenden Ferienfliegern an ihre Sonnenziele gebracht. "Das macht in der Wintersaison immerhin 80.000 Fluggäste aus, 25.000 allein in diesem Jahre", berichtet Hupe.

Eines scheint jedenfalls sicher: Nach einem Fluggastverlust von rund einer Million seit 2008 dürfte der Flughafen am Ende seiner Talfahrt angelangt sein. Mit dem Wegfall der meisten Transfer-Fluggäste muss sich der Regionalairport künftig weitgehend auf an- und abfliegende Passagiere stützen. Und deren Zahl ist in den Jahren mit 3,2 Millionen weitgehend stabil geblieben - zuletzt sogar leicht gestiegen.

Viel weniger sollten es nach Einschätzung von Experten aber auch nicht werden. Denn die Einsparmöglichkeiten bei weiter sinkendem Fluggastaufkommen sind gering. "Flughäfen sind Fixkosten-orientiert: Egal, wie viele Fluggäste wir haben, wir brauchen Energie und Personal", gab Hupe zu bedenken.

Immerhin ist Hupe davon überzeugt, dass mittlere Flughäfen von den langfristigen Trends in der Luftfahrt profitieren werden. Laut einer Branchenstudie dürften in den nächsten Jahren mittlere Flughäfen - anders als die Übersee-Drehscheiben Frankfurt, Paris, Amsterdam und London - "wieder stärker in den Fokus der Airlines geraten". Davon werde möglicherweise auch Nürnberg profitieren, hofft der Flughafenchef.