Kaum war im Sommer 2011 die neue Delfinlagune im Tiergarten eröffnet worden, kam es zu Problemen: Aus einer undichten Fuge in der Anlage schwappte Salzwasser ins Erdreich und richtete Schäden in einem Waldstück des Zoos an. Jetzt scheint es eine Lösung zu geben: Die Becken sollen Stück für Stück repariert werden.

Tiergartendirektor Dag Encke ist deshalb, wie er sagt, optimistisch: "Wir sind auf einem guten Weg", sagt er. Zweckoptimismus gehört zu seinem Alltag, steht der Nürnberger Zoo doch seit Jahren wegen der Delfinhaltung in der Kritik. 16 Jahre lang war keine Delfinaufzucht gelungen, die Jungtiere starben nach wenigen Tagen. Mit größer Aufmerksamkeit wurde deshalb am 31. Oktober 2014 die Geburt eines weiteren Delfinbabys begleitet - mit dem bis jetzt alles gut zu gehen scheint. Delfinmädchen Nami tummelt sich seit April in der Lagune. Deren Bau war höchst umstritten, die Inbetriebnahme mit Problemen behaftet: Schon kurz nach der Eröffnung trat Salzwasser aus.

"Wir haben lokalisiert, dass eine Fuge zwischen Plattenbelag und Becken nicht wasserdicht verschlossen ist", sagt Encke. "Das verursachte einen Salzwasserschaden an der Vegetation im Tiergarten auf einer Fläche von 20 mal 50 Metern." Als Notmaßnahme sei der Wasserspiegel in der Delfinlagune gesenkt worden, "danach hatten wir keine weiteren Schäden".

Salz wird separat abgeleitet

Anfang 2012 seien Gutachter damit beauftragt worden, die undichte Stelle zu untersuchen und zu kontrollieren, ob noch Salzwasser in die Umwelt austritt. "Wir müssen sicherstellen, dass wir keine schädlichen Salzwassermengen in die Umwelt und ins Grundwasser einbringen", sagt Encke. Deshalb würden alle abführenden Leitungen auf Salzfreiheit kontrolliert. "Wo es doch noch Salz gibt, wird es extra abgeleitet."

All das bezweifelt die Tierrechtsorganisation Peta. Sie war es, die im November 2014 die Probleme in der Delfinlagune öffentlich machte - und wiederholt zu juristischen Mitteln griff. Edmund Haferbeck, rechtlicher Berater von Peta, bestätigt auf Anfrage: Es wurde Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Nürnberger Hochbauamtes und gegen den "allein für diese Vorgänge verantwortlichen Zoodirektor Dag Encke" gestellt.

Zwei Schuldfragen im Raum

Die Vorwürfe von Peta richten sich unter anderem gegen das "rechtswidrige Verhalten" vieler Beteiligter. Die Organisation moniert unter anderem Verstöße gegen das Wasserhaushaltsgesetz und den Betrieb einer "in nicht unwesentlichen Punkten illegalen Anlage". Mit den Strafanzeigen will Peta die Schuldfrage zu zwei getrennten Fragen klären lassen: Wer letztlich verantwortlich ist für die Herstellung der undichten Lagune? Das Baubüro lehne jede Verantwortung ab. Außerdem: Wer ist verantwortlich für die Nichtabstellung des weiteren Entweichens von Salzwasserfrachten? "Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden hier erhebliche Unterlassungshandlungen begangen, und zwar allein aus merkantilen Gründen", meint Peta.

Dass Salzwasser entweicht, ist nach Angaben der Stadt eine nicht zu belegende Vermutung. Das Gegenteil kann sie aber auch nicht beweisen. Für Gutachten und Reparaturversuche musste die Stadt bereits mehrere hunderttausend Euro bezahlt. Jetzt hat sie ein Beweissicherungsverfahren beantragt, um Klarheit über die Ursache der undichten Delfinlagune zu bekommen und Haftungsfragen zu klären.

Christian Vogel, zuständiger Bürgermeister, ist gleichzeitig besorgt ob des Salzwasser-Problems und genervt von den Vorwürfen von Peta und deren Auswirkungen für die öffentliche Wahrnehmung. "Der Tiergarten Nürnberg ist eines der beliebtesten Ausflugsziele unserer Stadt, dort wird hervorragende Forschungs- und Bildungsarbeit geleistet. Das möchte ich in den Vordergrund stellen, nicht das ständige Wiederholen von Parolen, die nicht dem Stand der Situation entsprechen", sagt er in Richtung Peta. Die Tierrechtsorganisation bezweifelt, dass eine Reparatur erfolgreich ist. "Alle bisherigen Versuche sind gescheitert", sagt Haferbeck. "Außerdem wird das nach unserer Einschätzung nicht funktionieren ohne Umsetzung der Delfine und ohne eine zeitweise Aussetzung des Lagunen-Betriebes." Das wiederum möchte Tiergarten-Direktor Encke vermeiden: "Das wäre ein Horrorszenario." Die Delfinlagune ist das Zugpferd des Zoos. Stattdessen befinde man sich nach vielen Lösungsversuchen "in einer Phase, wo wir bald ein tragfähiges Konzept haben werden", sagt Encke. Wie dieses Konzept aussehen soll, darüber hält sich Encke bedeckt. Möglich werden könnte es mit einer Technik, die aktuell an einem Muster in der Lagune erprobt wird. Anhand der Tests werde man sehen, ob diese Abdichtungstechnik mittels eines Kompressionsbandes funktioniert. Danach werde das genaue Konzept festgelegt. "Wir wollen noch heuer damit anfangen, das Problem Schritt für Schritt zu beheben", sagt Encke. "Das Ziel bleibt bestehen: Bis 2017 wollen wir fertig sein."