Von Hilpoltstein haben die drei Freunde mit lustigen Videos die Welt des Internet erobert. Mittlerweile macht das fränkische Comedytrio nicht nur Millionen auf Youtube glücklich, sondern erobert mit ihrem Swagger-Songs auch die Charts und bringt mit ihren Konzerten die Hallen zum Platzen. Die beiden Konzerte in Nürnberg und München zum Abschluss der großen "Stricksocken-Swagger"-Tour waren ausverkauft.

Zu Beginn der Life-Show greift Y-Titty auf die bewährten Videos zurück. Ein halbe Stunde sehen die Fans ihre Helden nur auf der Leinwand. Den Fans macht das nichts aus. Im Gegenteil. Sie grölen die Parodien auf bekannte Pop-Songs mit, die die Gruppe im Netz berühmt gemacht haben. Das Rezept ist denkbar einfach wie genial: Man nehme einen bekannten Ohrwurm, der im Radio rauf und runter läuft. Man übertrage den stupiden Originaltext ins Deutsche so um, dass er noch zur Musik passt aber das Lied gleichzeitig auf die humoristischen Hörner nimmt. Auf dem Schulhaus wandern die albernen Musikpersiflagen dann schnell von Handy zu Handy. Et voilà: Fertig ist ein Y-Titty-Hit.



Für ihr Debütalbum "Stricksocken Swagger" haben sich Phil, Matthias und Oguz nun daran gemacht, eigene Texte und Musik zu schreiben. Die bekannten Accessoires aus den erfolgreichen Videoclip-Parodien dürfen auf der Bühne freilich nicht fehlen. So fährt beispielsweise Matthias Roll mit einem Bobbycar auf die Bühne.

Auf dem Kopf trägt er eine blonde Perücke, die vom häufigen Tragen schon ganz zerzaust ist. Mit Musik im eigentlichen Sinn hat die ganze Show wenig zu tun. Richtig singen oder rappen wollen Y-Titty vielleicht auch gar nicht. Sie machen einfach da weiter, wo sie aufgehört haben. Mit Sketschen und Blödeleien über die Popkultur. Ursprünglich ist Y-Titty als Spaßprojekt an den Start gegangen. Aus dem Spaß ist mittlerweile ernst geworden. Y-Titty betreibt inzwischen den erfolgreichsten YouTube-Kanal in Deutschland mit fast drei Millionen Abonnenten.

Nun albern die drei Jungs also nicht mehr nur vor der Videokamera herum, sondern treiben ihren Schabernack auch live auf der Bühne. "Wir sehen es fast ein bisschen wie eine Belohnung für unsere harte Arbeit an den Videos, nun auf der Bühne stehen zu dürfen", sagen Y-Titty, die sich selbst in erster Linie nicht als Musiker verstehen. "Wir sehen uns auf jeden Fall als Comedians und Filmemacher." Das ist vielleicht auch gut so. Denn die Pop-Liedchen mit Hip-Hop-Reimen wie "Nachmittags im Café an der Spree trink' ich Mate-Tee!" sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Auch Songs wie "Halt Dein Maul!" rasieren mit Sätzen wie "Halt dein Maul, lass mich bitte allein, ich mach' nen Flugmodus rein, ein bisschen chill'n muss auch mal sein" scharf die Grenze zum Grotesken.

Richtig peinlich ist dagegen, dass die Gruppe nicht einmal davor zurückschreckt, vor dem Auftritt via Video als Reiseveranstalter für Spaßreisen nach Spanien aufzutreten, und dafür eifrig die Werbetrommel zu rühren. Die jungen Fans nehmen auch das klaglos hin. Dabei droht Y-Titty selbst zu dem seelenlosen Popsternchen zu mutieren, das sie bislang so treffend demaskiert haben. Y-Titty sind nun selber Popstars. Das kleine Hilpoltstein haben sie längst mit dem großen Köln eingetauscht. Vielleicht werden sie bald die Idylle und vielleicht auch die Langeweile in Franken bei der Suche nach neuer Inspiration vermissen. Y-Titty scheint auf dem besten Weg zu sein, die einst anarchische Comedy vom Lande gegen braven Kommerz aus der Stadt einzutauschen. Zu wünschen wäre es ihnen und uns nicht.