Pünktlich zu Ostern haben sie mit der Restaurierung angefangen. "Eigentlich wollten wir schon längst fertig sein", berichtet Petra Waldmann vom Hochbauamt der Stadt. Zu einem riesigen Überraschungsei hat sich die bekannte Sehenswürdigkeit auf dem Hauptmarkt mittlerweile für alle Beteiligten entwickelt.

"Wie lange es dauert, das ist immer noch schwierig zu sagen", gibt die Architektin zu. "Wir haben gerade die Spitze abgebaut. Die wird jetzt auch noch saniert", erklärt Waldmann und zeigt auf den stumpfen Brunnen ohne die berühmte Turmspitze hinter dem Bauzaun mit dem bunten Sichtschutz, auf den man die Illusion des Brunnens mit Farbe gedruckt hat. Für die Touristen hat die Stadt sogar Ersatzringe angebracht, damit die Gäste während der Bauzeit wenigstens an etwas drehen können. Die Nürnberger vertrauen freilich nur auf die Kraft der "echten" Ringe, wenn es um Wunder aller Art geht.

"Am Anfang wollten wir eigentlich nur das Gitter erneuern", erklärt Petra Waldmann. Rund um die berühmten Ringe sei das Metallgitter bereits so abgegriffen gewesen, dass ein starker Mann die Stäbe vermutlich mit einem einfachen Faustschlag leicht hätte zerstören können. Rund 100 000 Euro hatte man dafür eingeplant. Daraus wird nun nichts mehr. Mittlerweile rechnet man mit der zehnfachen Summe für die Sanierung. "Derzeit rechnen wir mit rund einer Million. Die Kosten läppern sich einfach, weil die Arbeiten alle in Handarbeit erfolgen", erklärt Petra Waldmann die Kostenexplosion.


Comeback im Frühjahr?

Die restaurierte Spitze soll im nächsten Frühjahr wieder aufgesetzt werden. Im Frühjahr könnte der Brunnen - wenn alles gut geht - wieder in neuem Glanz enthüllt werden. Bei dem Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt handelt es sich übrigens nicht um das vollständige Original aus dem 14. Jahrhundert. "Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Original so stark verwittert, dass die zahlreichen Original-Figuren seitdem als Dauerleihgabe der Stadt Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum verwahrt und ausgestellt werden", sagt Anna Pawlik von dem berühmten Museum in der Kartäusergasse.

Die zahlreichen Figuren, die heute den "Schönen Brunnen" zieren, seien "sehr originalgetreue Kopien" aus dem Jahr 1903. Pawlik erinnert daran, dass der Schöne Brunnen schon häufig in seiner langen Geschichte restauriert worden sei. Bereits Albrecht Dürer soll sich den Brunnen, der zeitgleich mit der Frauenkirche als Ensemble auf dem Hauptmarkt errichtet worden ist, aus der Nähe angeschaut haben, um kleine Kosmetikarbeiten durchzuführen.


"Ich freue mich"

Auch Petra Waldmann hat das Ausmaß der neuesten Schäden erst entdeckt, als sie mit dem Hubsteiger die 19 Meter zur Spitze hinaufgefahren ist. Dass die Sanierung jetzt länger dauert und viel mehr kostet, stört die Architektin nicht. Im Gegenteil: "Ich freue mich, dass wir die Restaurierung jetzt gescheit machen können." Das Geld sei gut angelegt, findet Waldmann. Schließlich gehe es darum, das einmalige Kunstwerk für die nächsten Generationen zu erhalten.