Plötzlich ist er da: Elvis in Deutschland. Nicht als Sänger, aber als Soldat. In Uniform lümmelt er auf einer schäbigen Pritsche. Hat die berühmte Tolle eingetauscht gegen einen Bürstenhaarschnitt. Hätte sich der König, die Legende nicht drücken können vor dem Militär? "Nein, sicherlich nicht", ist sich Peter Heigl sicher.

Mitten im Kalten Krieg sei dies selbst für Elvis unvorstellbar gewesen. "Denken Sie an den amerikanischen Patriotismus", sagt der Nürnberger Historiker, der die Ausstellung "Elvis in Germany" konzipiert hat. Vielleicht, so Heigl, hätte er wie andere "Stars" vor ihm zur "singenden Truppe" gehen können. Aber Elvis, der gutaussehende Bursche aus dem einfachen Haus in Tupelo, wählte seinen eigenen Weg. Er nutzt seine Militärzeit konsequent für einen Imagewandel.

Von dem verruchten Sänger mit dem lasziven Hüftschwung zum anerkannten Vorbild für alle Amerikaner. Kurz: Von "Elvis the Pelvis" zum "All American Boy". Die Verwandlung in Deutschland vollzieht sich lautlos, fast wie im Zeitraffer. Nach seiner Ankunft in Bremerhaven erkennt man auf den Fotos in der Kaserne im hessischen Friedberg noch den Bürgerschreck und Provokateur auf der Pritsche im Tarnanzug. Kurze Zeit später sehen wir ihn schon bei seinen neuen "Arbeit" im Auto durchs Gelände fahren. "Elvis war als Panzerspäher mit einem Jeep unterwegs. Als ,Scout` musste er vor der Truppe fahren, um das Terrain zu erkunden und ,feindlichen Stellungen` ausfindig zu machen", berichtet Peter Heigl, der die Ausstellung zum 50. Jahrestag von Elvis` Ankunft in Deutschland für das Alliierten-Museum in Berlin realisiert hat. In diesem Jahr feiern die Elvis-Fans - und nicht nur für sie lebt der "King" ja noch immer - seinen 80. Geburtstag.

Ein Manöver hat den Imagewandel am Ende besiegelt: eine Militärübung im oberpfälzischen Grafenwöhr. 150 Journalisten aus aller Welt seien in die Oberpfalz zu dem Manöver auf dem riesigen Truppenübungsplatz gereist, erzählt Heigl. Alle Reporter hätten nur ein Ziel vor Augen gehabt: ein Bild vom bewaffneten "King" in Uniform. "Wo Elvis steckte, blieb jedoch Geheimsache. Denn das Nato-Manöver sollte in erster Linie eine Waffenschau sein", erklärt Heigl. Immerhin seien in Grafenwöhr damals zum ersten Mal taktische Nuklearwaffen präsentiert worden. Selbst der "berühmte Soldat" aus Tupelo sollte der Bombe, den Panzern und Granaten nicht die Show stehlen. Eine Lokalzeitung hielt die Szenerie im Februar 1960 mit folgenden Worten fest: "Die Reporter, die teilweise nur deswegen aus dem Ausland kamen, um die Heulboje als kämpfenden Soldaten zu sehen, machten lange Gesichter. Sie haben wenig Hoffnung, Presley doch noch vor die Linse zu bekommen, der nach einem Armeebefehl, vor der Presse zu schützen ist."

Ganz schützen haben die obersten Generäle den "King" freilich nicht können. In einem Wirtshaus in Grafenwöhr sieht man später einen gut gelaunten Elvis, wie er umringt von strahlenden Mädchen aus dem Ort, entspannt in die Kamera lächelt. Der Reporter der Lokalzeitung hatte als einziger das Glück, Elvis in dem Dorfgasthof vor die Kamera zu bekommen. Elvis scheint mit sich und der Welt im Reinen. Die Operation Imagewandel ist fast vollendet. Er hat oft in die Kamera gelächelt. Und anstatt einer Gitarre eine Waffe dabei in Händen gehalten.

Anders hätte Elvis wohl auch kaum sein Bild in der Öffentlichkeit verändern können. So sehen wir ihn in der Ausstellung "Elvis in Germany" beispielsweise aus nächster Nähe mit Maschinengewehr im Wald. Auf einem Foto balanciert der "King" sogar lässig eine Panzerfaust auf der rechten Schulter. Auf den Bildern erkennt man ohne Zweifel, das Elvis tatsächlich ein guter Soldat gewesen sein muss, der von seinen Kameraden auch im Manöver respektiert wurde. Andere Aufnahme wirken freilich arg gestellt und erinnern eher an berühmte Propagandafotos. Auf diesen "militärischen Werbefotos" steht Elvis wie zufällig im Zentrum der Aufnahme. Hier steuert er einen Jeep wie ein General durch das Gelände. Dort scheint nur er allein zu wissen, wie man die Autopanne wieder in den Griff bekommt.

Die Ausstellung "Elvis in Germany" gibt trotzdem einen fantastischen Einblick in die Zeit, als sich der "King" in Deutschland einem kalkulierten Imagewandel unterzog. "Selten haben wir schon vor einer Ausstellung eine so große Resonanz erhalten", freut sich Kathleen Röber vom Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) in Nürnberg. Viele Menschen besonders in Franken würden mit Elvis ganz persönliche Erinnerungen an das Ende der 50er Jahre verbinden. "Elvis` Tod scheint für die Deutschen ein 911-Moment gewesen zu sein. Viele erinnern sich noch, wo sie gewesen sind und was sie getan haben, als sich die Todesnachricht am 16. August 1977 wie ein Lauffeuer verbreitete", erzählt Röber.

Die kleine aber feine Ausstellung ist keine bunte Elvis-Show. "Wir präsentieren die Ausstellung in unserer Bibliothek. Wir zeigen keine originalen Werke, sondern Sammlerstücke des Nürnberger Historikers Peter Heigl. Wir wollen als deutsch-amerikanische Bildungseinrichtung die Erinnerung und Auseinandersetzung mit ein Stück deutsch-amerikanischer Geschichte fördern", erklärt die Programmchefin des DAI. Einen Monat nach der Aufnahme im Dorfwirtshaus in Grafenwöhr wird Elvis aus dem Militär und damit aus Deutschland entlassen. In den Folgejahren wird die Welt den "Hollywood-Elvis" auf der Leinwand erleben dürfen. In seinem ersten Film nach der Zeit in Germany wird er übrigens einen Panzerschützen spielen, der in Europa stationiert ist. Wenn das kein Zufall ist? Die Wandlung ist gelungen. Die Elvis-Ausstellung ist noch bis zum 29. April zu den regulären DAI-Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt ist frei.