Dass der Plan mit dem Start-up am Ende aufgehen könnte, liegt auch an der beeindruckenden Berufslaufbahn der beiden. Und an einer ziemlich "haarigen" Geschäftsidee.

Mit dem Internet sind Hazel und Ralf Ahamer beruflich groß geworden. Ziemlich groß sogar. Im Sauseschritt hat das Power-Pärchen die Online-Welt von hier bis an die Waterkant erobert. Ihren Ralf hat die 35-jährige Hazel selbstredend am Schreibtisch kennengelernt. Der stand damals bei "AOL" und später beim Online-Karrierenetzwerk "Xing" in Hamburg. Das kosmopolitische Duo - sie aus London, er aus dem Kleinwalsertal - hat die Karriereleiter nach oben gemeinsam erklommen. Zuletzt war Ralf im Vorstand des Online-Buchungsportals Hotel.de für das Marketing zuständig.

Bis das aufstrebende Unternehmen aus Nürnberg von einem größeren Fisch aus der Branche geschluckt wurde. Die alte Geschichte vom Fressen und gefressen werden. Nichts besonderes könnte man meinen. Firmen kommen und gehen. Den Posten im Vorstand habe er geliebt, sagt er. Trotz der vielen Arbeit. Die Zukunftsaussichten seien nach der Übernahme sogar besser gewesen, sagt er. Aber die Ahamers hatten eine andere Idee. Wollten den sicheren Job gegen das berufliche Abenteuer eines Start-up eintauschen.

Die Idee dazu hatte Ralf schon vor über zwölf Jahren, als er für einen Freund ein einfaches Kassen- und Terminsystem programmierte. Der Kumpel aus der alten Heimat hatte einen gutgehenden Frisörladen und war begeistert von der genauso einfachen wie effizienten Software. Im Hamsterrad der schnelllebigen Karriere in der Online-Welt hatte Ahamer keine Zeit gefunden, die Idee mit dem elektronischen Terminbuch weiter zu verfolgen.
"Mir kamen Xing und Hotel.de einfach dazwischen." Bei den Ahamers hatte sich freilich etwas Grundsätzliches in der Zwischenzeit geändert. Zwei Kinder waren auf die Welt gekommen. Mit allen Konsequenzen. Das hat die Entscheidung für den Schritt in die Selbstständigkeit nicht einfacher gemacht. "Man muss allerdings im Leben auch öfter mal abbiegen und neue Dinge tun", ist sich Ralf Ahamer sicher. Im Jahr 2014 ist "Studiolution" an den Start gegangen.

Seitdem ist viel passiert. Mittlerweile hat das Unternehmen erste Investoren gefunden und die Entwicklung der Software auf mehrere, eigene Entwickler verteilt. Ralf leitet die Geschäfte. Hazel, die in England englische und deutsche Literatur studiert hat, kümmert sich um das Marketing. "Mit unserer Software kann man Termine bei seinem Lieblingsfrisör einfach online buchen", erklärt Hazel. Nicht nur für Kunden mache das System vieles einfacher. Auch für die Frauen und Männer an den Scheren sei die Software ein Segen. Die werten Kunden würden automatisch in der jeweiligen Kundenkartei des Salons oder Studios gespeichert. 24 Stunden vor dem Frisörtermin verschickt das System automatisch eine SMS mit einem netten Erinnerungsschreiben. Auch das Kassieren geht mit einem Klick. Und das sei nur ein Kaufargument von vielen. Gezieltes Marketing würde zum Kinderspiel. Über das digitale Terminbuch könne die Kasse gesteuert und die Daten für den Steuerberater und das Finanzamt gesammelt und verwaltet werden. Und das alles gebe es obendrein zum kleinen Preis.

Als Start-up können die Ahamers keine Millionensummen für Werbung ausgeben. Deswegen gehen sie beim Thema Marketing kreative Wege. Die Software-Pakete hören auf die Namen Uschi und Klaus. Das zaubert den Kunden sofort ein Lächeln auf die Lippen. Die Sprache ist locker, der Stil lässig. "Unsere Art passt zu der coolen und künstlerischen Zielgruppe der Frisöre", sagt Hazel und berichtet von ihrem neuesten Coup. Einem ziemlich witzigen Video, mit dem die Haarkünstler auf die Software aufmerksam gemacht werden sollen. Der Trick dabei: Der Film richtet sich an die Kundschaft der Coiffeure. Die können die Frau oder den Mann mit der Schere ihres Vertrauens als "Super-Frisör" vorschlagen und nebenbei an einem Gewinnspiel teilnehmen. "Es gibt mehr Frisörkunden als Frisöre", erklärt Hazel die genial-einfache Idee hinter der viralen Marketingstrategie, um die Produkte von "Studiolution" schnell noch bekannter zu machen.

Grundsätzlich könne das Programm freilich nicht nur Haarkünstlern in allen Geschäftslagen helfen. Auf "waschen, schneiden, legen" wollte man sich nur am Anfang konzentrieren. Verzettelungsgefahr usw. "Mit den Frisören wollten wir unser Konzept auf Herz und Nieren prüfen", sagt Hazel. Mittlerweile seien auch Fitness-, Kosmetik- und Tattoostudios auf den Geschmack gekommen. Auch Ärzte und Therapeuten setzen auf die Software aus Nürnberg.

Bereuen tun sie es übrigens nicht. Dass sie es trotz Kind und Kegel noch einmal gewagt haben, an ihre Geschäftsidee zu glauben und die eigene Internet-Firma aus dem Boden zu stampfen. Auch wenn am Anfang manchmal Tränen geflossen seien. Auch wenn man sich am Anfang manchmal gefragt habe, ob es richtig war, die Sicherheit gegen das Risiko einzutauschen. Heute sind sie stolz, dass sie durchgehalten haben. "Es macht einfach ein Mordspaß zu sehen, wie sich alles entwickelt", freuen sich die beiden.