Quelle-Areal Nürnberg: Es war einer der schwärzesten Tage in Nürnbergs jüngerer Wirtschaftsgeschichte: Der Insolvenzantrag der Quelle AG hatte vor zehn Jahren das Ende des Versandhaus-Riesen eingeleitet. Bis im weitläufigen Versandzentrum an der Fürther Straße endgültig die Lichter ausgingen, dauerte es zwar noch mal vier Monate. Nach erfolgloser Investorensuche kam im November 2009 schließlich das endgültige Aus für Europas größten Versandhändler: Rund 4000 Menschen verloren quasi über Nacht ihren Job - ein Tag, der vielen einstigen Quelle-Mitarbeitern unauslöschbar in Erinnerung bleibt.

Was wird aus dem Quelle-Areal in Nürnberg?

Seit zehn Jahren bemüht sich die Stadt um eine quartierverträgliche Nutzung des riesigen Quelle-Areals - lange Zeit glücklos. Denn allein drei Jahre lang lieferte sich die Stadt mit dem Käufer des Quelle-Areals, dem Investor Sonae Sierra, eine zähe Pokerpartie, die den Komplex am liebsten in eine riesige Shopping-Mall verwandelt hätte. Darauf wollte sich die Stadt aber auf keinen Fall einlassen.

Inzwischen hat das Areal die Düsseldorfer Gerchgroup übernommen. Die will - ganz im Sinne der Stadt - neben einem kleineren Einkaufszentrum und Büros rund 1000 Wohnungen in dem Komplex bauen - rund 150 davon als Sozialwohnungen. Das Ganze werde so etwas wie eine Stadt in der Stadt - vermarktet unter dem an Quelle erinnernden Namen "The Q".

Nürnberg ging "gestärkt aus dem Strukturwandel hervor"

Sieht man mal vom riesigen städtebaulichen Wundmal des Quelle-Areals ab, hat Nürnberg, nach Einschätzung von Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU), die Quelle-Pleite wirtschaftlich überraschend gut verkraftet. "Das war damals natürlich ein Schock für die Region. Aber heute muss man feststellen: Wir sind gestärkt aus dem Strukturwandel hervorgegangenen".

Das bestätigen auch wirtschaftliche Eckdaten: Das Aus des wichtigen Arbeitgebers Quelle hatte im Dezember 2009 die Arbeitslosenzahlen im Stadtgebiet um rund 2300 auf fast

22 000 steigen lassen. Aber bereits nach zwei Jahren war die Zahl wieder auf das Ausgangsniveau von 2008 gesunken. Inzwischen liegt die Arbeitslosenquote bei unter fünf Prozent.

Nürnbergs ehemalige Quelle-Mitarbeiter trauern noch immer

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs, den Nürnberg inzwischen genommen hat - langjährige Mitarbeiter tröstet das kaum über das Ende der Quelle-Ära hinweg. "Noch heute bekomme ich von früheren Quelle-Mitarbeitern zu hören: "Mit Gustav und Grete Schickedanz wäre das nicht passiert!"", erzählt Verdi-Sekretär Wages. Mit glänzenden Augen werde von dem familiären Betriebsklima bei Quelle geschwärmt - nicht ohne eine gewisse Verklärung. "Da ist man gerne zur Arbeit gegangen." Heute hingegen, so klagt Wages Verdi-Kollgin Gabriele Ziegler, sei die Beschäftigung im Einzelhandel der Region oft schon sehr prekär.