Die Chancen auf den Klassenerhalt werden für den 1. FC Nürnberg immer geringer, sind aber weiterhin intakt. Schon im Vorfeld rechneten die Fans des Clubs:Wie kann der Abstieg überhaupt noch verhindert werden? Tatsächlich sicherte sich der FCN am 32. Spieltag zumindest einen Galgenfrist: Der Tabellenvorletzte der Fußball-Bundesliga verlor am Samstag mit 0:2 (0:1) beim VfL Wolfsburg und konnte sich nach dem Schlusspfiff bei Hertha BSC bedanken.

Da die Berliner zeitgleich den Tabellen-16. VfB Stuttgart besiegten, ist der Abstieg des FCN noch nicht perfekt. Die Mannschaft von Trainer Boris Schommers geht jetzt mit einem Rückstand von fünf Punkten auf den Relegationsplatz in ihre letzten beiden Spiele gegen Borussia Mönchengladbach und beim SC Freiburg.

Die Wolfsburger dagegen verbesserten sich durch die Tore von Felix Klaus (38.) und Marcel Tisserand (78.) auf einen Europa-League-Platz. Sogar die Champions League ist für den Fast-Absteiger der beiden vergangenen Jahre noch erreichbar. Um das Restprogramm VfB Stuttgart und FC Augsburg wird der VfL zumindest auf dem Papier von seinen Konkurrenten wie Eintracht Frankfurt oder 1899 Hoffenheim beneidet.

Der Club macht zu wenig aus seinen Chancen

Die "Wölfe" mussten diese Partie ohne sechs verletzte, gesperrte oder lädierte Spieler beginnen. Auf der Bank saßen zwei angeschlagene Profis (Daniel Ginczek, Felix Uduokhai) neben zwei Spielern aus der zweiten Mannschaft (Robin Ziegele, Dominik Franke).

Einen Leistungsunterschied zwischen dem Europapokal- und dem Abstiegskandidaten sahen sie von dort aus lange Zeit nicht, denn Nürnberg spielte vor 22 512 Zuschauern anfangs nicht wie ein Tabellen-17. Das große Problem war aber wie schon in den Spielen gegen Bayern München, Schalke 04 und den VfB Stuttgart (alle 1:1): Der FCN machte zu wenig aus seiner Leistung und seinen Chancen.

Schon in der 3. Minute musste VfL-Kapitän Josuha Guilavogui einen schweren Fehler von Renato Steffen ausbügeln, indem er einen Schuss von Mikael Ishak in höchster Not neben das Tor lenkte. Nur vier Minuten später hatte Nürnberg sogar eine Doppelchance: Erst parierte Wolfsburgs Ersatztorwart Pavao Pervan einen Schuss von Sebastian Kerk, dann stand Elvis Rexhbecaj dem Versuch von Tim Leibold im Weg.

Wille ist da

Nach und nach eroberte sich Wolfsburg mehr Spielanteile, doch die Gäste hielten weiter mit viel Engagement und guter Defensivarbeit dagegen. Bezeichnend war, dass der Club dem VfL keine klare Torchance gestattete - und ihm das 1:0 dann auch noch selbst auflegte.

Eigentlich wollte Kerk den Ball nur unbedrängt zu seinem Torwart Christian Mathenia zurückspielen. Doch er übersah dabei, dass sich Admir Mehmedi ebenfalls noch im Strafraum aufhielt. Der Wolfsburger Stürmer erreichte den Rückpass eher als der Nürnberger Torwart, der Ball gelangte zu Klaus, und der brauchte ihn nur noch ins leere Tor zu schieben. Wo ein Stürmer im richtigen Moment stehen muss, hat der Torschütze von seinem Vater gelernt. Fred Klaus begann seine Profikarriere in den 80er-Jahren beim 1. FC Nürnberg.

Das selbst verschuldete 0:1 nahm dem Abstiegskandidaten viel von seiner Selbstsicherheit der ersten Halbzeit. So hatte Wolfsburg das Spiel nach der Pause ohne viel Mühe voll im Griff. Eine Flanke von Yannick Gerhardt hätte Torjäger Wout Weghorst im Fünfmeterraum locker verwerten können, doch der Niederländer traf den Ball nicht (60.).

Auf der Gegenseite wurde Nürnberg immer harmloser. Zudem musste der spielstarke Brasilianer Matheus Pereira in der 75. Minute verletzt vom Feld. Die Aufgabe, den vorzeitigen Abstieg zu verhindern, erledigte am Ende nur noch die Berliner Hertha für den FCN.