Viel ist nicht mehr zu sehen von den alten Häusern an der Ecke Viktor-von-Scheffel-Straße und Am Kreuzberg - die Abrissbagger haben ganze Arbeit geleistet. Aber sie machen Platz für etwas Neues und Außergewöhnliches, für das "Herzensprojekt" von Gisela Raab - ihre Firma baut den Komplex.

"In der Heimat wohnen", heißt das Wohnmodell. Es soll gleich mehrere Dinge unter einem Dach vereinen: Barrierefreies Wohnen für Menschen jeden Alters, einen Quartiermanager und eine Senioren-Wohngemeinschaft - auch für Demenzkranke - ohne Betreuungspauschale (das ist ein Beitrag, der durch alle Bewohner einer betreuten Wohnanlage entrichtet werden muss). Außerdem soll es vergünstigte Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und ein Nachbarschaftszentrum geben, erzählt Gisela Raab. Vor allem die staatlich geförderten und vergünstigten Wohnungen seien selten. Denn für diese seien die Auflagen sehr hoch, deshalb baue kaum noch jemand solche Wohnungen, sagt Gisela Raab.

Bereits mehrfach umgesetzt

Das Konzept ist bereits erprobt. "In der Heimat wohnen" haben der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg und das kirchliche Wohnungsunternehmen Joseph-Stiftung 2007 entwickelt. An 14 Standorten im Erzbistum Bamberg wurde es bereits umgesetzt. In Bad Staffelstein besteht das Projekt aus zwei Häusern, die in L-Form errichtet werden. Neben den beiden Projektentwicklern und der Ebensfelder Baufirma Raab ist auch die Stadt Bad Staffelstein mit dabei.

Im Februar soll mit dem Bau begonnen werden. "Im Sommer 2016 wollen wir mit allem fertig sein. Wann genau hängt davon ab, ob der Winter nochmal zurück kommt", sagt Gisela Raab. Rund 5,8 Millionen Euro koste das Projekt, das eine Wohnfläche von 2257 Quadratmetern und eine Grundstücksfläche von 2900 Quadratmetern hat.

Projekt geht über Mauern hinaus

Ein Besonderheit ist der Quartiermanager, dessen Halbtagsstelle von der Stadt und der Caritas finanziert werden soll. Um zu wissen, welche Aufgaben dieser erfüllen soll, wurde eine Sozialraumanalyse durchgeführt.
Man habe den Ist-Zustand erfasst und unter anderem mit einer Bürgerbefragung den Bedarf ermittelt. Dabei habe sich gezeigt, dass es zwischen der Kernstadt und ihren Ortsteilen einen großen Unterschied bezüglich der Nachfrage nach Betreuung gebe, erklärt Katja Brade vom Heilpädagogischen Zentrum in Lichtenfels, das die Studie ausgeführt hat.

Denn in Bad Staffelstein gebe es viele zugezogene ältere Menschen, die in keinem Familienverbund eingebunden seien und somit im Bedarfsfall auf Hilfe von außen angewiesen seien. Deshalb werde sich die Arbeit des Quartiermanagers anfangs auf das Stadtgebiet beschränken. Als nächstes werde eine Projektgruppe gegründet, und Ehrenamtliche werden gesucht.

Seit 2009 in Altenkunstadt

Erfahrung als Quartier-Managerin hat bereits Angela Lohmüller. Sie hat diese Aufgabe bei "In der Heimat wohnen" in Altenkunstadt inne. Seit April 2009 gibt es das Projekt dort. "Es ist ein total schönes Projekt und die Arbeit macht sehr viel Spaß", sagt sie. Es habe ein bis zwei Jahre Anlaufzeit gebraucht, doch inzwischen laufe es sehr gut. Auch hier habe es anfangs eine Bürgerbefragung gegeben. Zurzeit seien alle 36 Wohnungen besetzt und es gebe auch Wartelisten. "Wichtig ist die Zusammenarbeit mit Verbänden, Vereinen und Menschen vor Ort - alle müssen mitspielen", fährt Angela Lohmüller fort und fügt an: Jeder Standort, an dem ein solches Projekt umgesetzt werde, sei unterschiedlich. "In der Heimat wohnen" beziehe sich nicht nur auf die Wohnanlage selbst, sondern auch auf den umliegenden Sozialraum.

In Bad Staffelstein wird die Firma Raab die Mietwohnungen behalten und vermieten. "Es ist eine sinnvolle Investition und man ist weiterhin im Projekt drin", sagt Gisela Raab. Sie ist von "In der Heimat wohnen" überzeugt: Es sei ein Projekt mit sehr guten Inhalten und in guter Lage.
Auch in Sachen Energieeffizienz und Dämmung sei der Wohnkomplex auf dem neuesten Stand. Das Gebäude werde als "KfW-Effizienzhaus 70" nach der Energieeinsparverordnung 2014 gebaut. Dieser Niedrigenergiestandard unterschreite den gesetzlichen Standard um 30 Prozent, erklärt Gisela Raab. Für beide Häuser in Bad Staffelstein gebe es bereits Miet- und Kaufanfragen, sagt sie und fügt an: "Wenn das Miteinander stimmt, dann passen die Anwohner auch auf alles auf."