Eine Bamberger Zeitung - in Lichtenfels gab es damals noch kein Presseorgan - meldete tags darauf: "Gestern Vormittags wurde die Eisenbahnstrecke zwischen hier und Lichtenfels zum ersten Male mit Dampfkraft befahren." Probefahrten mit pferdegezogenen Wagen hatten bereits am 10. und 11. November 1845 stattgefunden.
Weiter heißt es im Artikel: "Dieser Fahrt, welche ganz vortrefflich ausfiel und der Solidität des Baues das beste Zeugniß gibt, wohnte ein Theil des Bahnbau- und Bahnbetriebs-Personals bei. Zur Rückfahrt wurden 45 Minuten verwendet. Schon am kommenden Montag soll der Transport des Bahnbau-Materials nach den oberen Bau-Abtheilungen und am 15. Febr. der vollständige Betrieb auf dieser Strecke beginnen."
Die feierliche Eröffnung folgte planmäßig am 15. Februar 1846: Gezogen von der Lokomotive "Wallenstein", fuhr am Morgen ein Zug von Lichtenfels nach Bamberg. Für die Rückfahrt, begleitet vom Bamberger Bahninspektor Dr. Georg Heinrich Bernhard Löhner (1804-1864) als Vertreter der Staatsbahn, kam die Lokomotive "Peter Henlein" zum Einsatz.
Die Einweihung war unspektakulär, ganz anders als bei der Übergabe der Strecke Nürnberg-Bamberg zwei Jahre zuvor: Damals hatte als staatlicher Repräsentant der bayerische Finanzminister Karl Graf von Seinsheim teilgenommen, und Hunderte von Amtsträgern und Honoratioren waren als Gäste geladen.
Am Oberen Torturm in Lichtenfels wehten zwei große bayerische Fahnen. In Staffelstein hielt der Stadtschreiber Wilhelm Schellerer eine Rede, in der er eine gewagte rhetorische Brücke zwischen den Napoleonischen Kriegen und dem Bahnbau schlug: "Auf derselben Stelle, wo wir hier stehen, empfingen wir vormals - freilich sehr unwillkommen - die Feuerschlünde des gallischen Despoten[...] Wieder sehen wir Feuerschlünde dieses von Gott gesegnete Thal durchziehen, aber wir begrüßen sie mit Jubel."
In Bamberg, wo die Lokomotive "Wallenstein" um 6.45 Uhr morgens in den mit weißblauen Fahnen geschmückten Bahnhof einfuhr, hatten sich keine Schaulustigen eingefunden.

Frische Krapfen am
Bahnhof begehrt
Die frischen Krapfen, die der dortige Bahnhofswirt an diesem Tag anbot, dürften auf mehr Interesse gestoßen sein. In Bamberg war man eben - wie die örtliche Presse meinte - "das Pfeifen der Lokomotiven schon gewöhnt". Schließlich war die Linie Nürnberg-Bamberg als erstes Teilstück der bayerischen Süd-Nord-Bahn schon seit August 1844 in Betrieb.
Erst wenige Tage später erschien im "Tag-Blatt der Stadt Bamberg" ein Gedicht, das wohl ein unbekannter Lichtenfelser verfasste. Es war überschrieben: "Am Tage der Ankunft des ersten Eisenbahnzuges zu Lichtenfels" und bestand aus acht Strophen (siehe Kasten). Ohne ihn namentlich zu nennen, preisen die drei letzten Strophen König Ludwig I. von Bayern, der den Bau der Staatsbahn von Lindau über Augsburg und Nürnberg nach Hof angeordnet hatte. Auch seine "künstlerischen Bauten" wie Walhalla oder Befreiungshalle und der Ludwig-Donau-Main-Kanal werden gewürdigt.
Der Anschluss an das rasch wachsende Bahnnetz bedeutete einen Meilenstein in der Geschichte der Stadt Lichtenfels. Dennoch beging man die Inbetriebnahme der Strecke Lichtenfels-Bamberg von staatlicher, aber auch von städtischer Seite ohne großen Aufwand. -
Ebenso wenig feierte man in Lichtenfels das 50-jährige Streckenbestehen 1896. Man hatte irrtümlich den 15. März für den Eröffnungstermin angesehen und den tatsächlichen Jahrestag darüber versäumt.
Erst ein Jahrzehnt später, am 19. Februar 1906, fand zumindest ein Festabend statt, an dem eine Militärkapelle aus Coburg konzertierte und der Bankier Gottlieb Bauer (1832-1907) sowie der Vorsitzende des Gemeindeverordnetenkollegiums, der Kaufmann Nikolaus Schmidt (1837- 1932), Toasts auf "die guten Beziehungen zwischen Eisenbahn und Stadt" ausbrachten. Bauers Ansprache gipfelte in dem Satz: "Lichtenfels ist seit dem 60-jährigen Bestehen der Eisenbahn, vornehmlich in den vergangenen 30 Jahren, ein Handels- und Verkehrsplatz geworden, in welchem Wohlstand und Bürgerglück eingezogen".