Bertram Brossardt, der vbw-Hauptgeschäftsführer, umriss zunächst, worum es seinem Verband geht. Bayerns Stärke liege in den Regionen, doch die Regionen seien nur stark, wenn es der Industrie dort gut gehe. Er stellte eine Studie seines Verbandes vor, in der die Standortqualität untersucht wurde. Oberfranken habe hier sehr gute Werte erzielt; fast 80 Prozent der Unternehmen würden sich wieder hier ansiedeln.

Gleichwohl gelte es, auf dieser guten Basis einige Faktoren zu verbessern. Die Infrastruktur zukunftsfähig zu halten, stehe ganz oben auf der Agenda. Zudem fordere die Wirtschaft, die Stromsteuer zu senken. Unverzichtbar sei, die Stromtrasse zu bauen, weil sich die Wirtschaft keinen Blackout leisten könne.

Breitbandkabel unverzichtbar

Ob künftig in ländlichen Regionen überhaupt noch gewirtschaftet werden könne, entscheide sich bei der Breitbanderschließung, sagte Brossardt. Erforderlich sei, dass bis 2020 überall Glasfaserkabel verlegt seien, die eine Datenmenge von 100 Megabit pro Sekunde ermöglichten.

In der Podiumsdiskussion, die der Chefredakteur der Mediengruppe Oberfranken, Frank Förtsch, moderierte, ging es unter anderem darum, wie das "Herz Oberfrankens" vital erhalten und das "bürokratische Monster" gezähmt werden könne, um zum Beispiel die Breitbandversorgung voranzubringen. MdL Jürgen W. Heike (CSU) erklärte, dass inzwischen jede Kommune die Möglichkeit habe, sich bei der Regierung mit einem fertigen Plan anzumelden und den vorzeitigen Baubeginn zu beantragen.

Dass das im Kreis Lichtenfels schon umgesetzt werde, darauf wies Landrat Christian Meißner (CSU) hin: Der Markt Ebensfeld habe kürzlich das erste Breitbandprogramm in Oberfranken erstellt. Bei diesem Thema zeige sich sehr gut, wo und wie ein Kreis, eine Kommune, helfen könne, denn der Markt leiste es nicht, den ländlichen Raum mit hochwertigen Datenleitungen zu erschließen. "Da sind wir gefordert", sagte Meißner.

Der Bürgermeister von Gundelsheim, Jonas Merzbacher (SPD), ging auf den Faktor Bildung ein, der für die Wirtschaft eminent wichtig sei. Die Attraktivität einer Region hänge mehr und mehr davon ab, ob die Kommunen es schaffen, Schulen in der Nähe zu halten. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Kinder 20 Kilometer zur Schule gefahren werden", sagte er. Wer die Demographie betrachtet, der stellt fest, dass Oberfrankens Bevölkerung stetig abnimmt. Jonas Merzbacher sieht hier nicht nur Wirtschaft und Kommunen in der Pflicht, sondern alle: "Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Lösung."

Das Resümee von Bertram Brossardt nach der Diskussionsrunde: "Ich glaube, dass die Oberfranken, die Mentalität haben, aufholen zu wollen" - und dass die Politik bereits dabei sei, schlankere Strukturen zu entwickeln.