Es war am 26. April 1986, als es in dem ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Stadt Prypjat zu einer Katastrophe bis dahin ungeahnten Ausmaßes kam. Die radioaktiven Stoffe, die bei diesem Super-Gau freigesetzt wurden, gelangten in den Tagen danach durch Niederschläge auch in unserer Gegend ins Erdreich; der Landkreis befindet sich in der Randzone des Fallout-Gebietes. Besonders radioaktives Cäsium (Cs137), das bei der Kernspaltung von Uran entsteht, wurde freigesetzt. Man findet es noch heute in den tieferen Bodenschichten der Wälder, wo es von Pflanzenwurzeln aufgenommen und gespeichert wird. Es sind vor allem Wildschweine, die dort ihre Nahrung suchen. Das ist auch der Grund dafür, warum ihr Fleisch 28 Jahre nach dem Atomunfall radioaktiv belastet sein kann. Und dies wird sich nicht bald ändern: Die Halbwertzeit von Cäsium 137 beträgt 30 Jahre.

Als vor drei Jahren bei einer Jagd im Staatsforst zwischen Klosterlangheim und Trieb von 13 erlegten Wildsauen neun so hoch belastet waren, dass ihr Fleisch nicht mehr als zum Verzehr geeignet galt, war dies für den damaligen Vorsitzenden des Jägervereins (BJV-Kreisgruppe Bad Staffelstein), Dieter Erbse, Anlass, eine Messstelle einzurichten. Sie befindet sich bei ihm in Ebensfeld und ist bis heute die einzige qualifizierte Messstelle im Landkreis.

Eine Untersuchung kostet zwischen fünf und 7,50 Euro. Dafür erhält man ein Zertifikat, das beispielsweise in einer Gastwirtschaft, die das Wildfleisch zubereitet, als Zeichen der Unbedenklichkeit öffentlich gemacht werden kann.

Viele Proben mit höheren Werten

Solch bedenkliche Werte wie bei jener Jagd 2011 hat es laut Dieter Erbse aber kaum mehr gegeben. Er führt die Untersuchungen nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des BJV-Vorsitzenden weiter und empfiehlt Jägerkollegen zumindest stichprobenweise Tests. "Es gibt Jäger, die bringen jedes Wildschwein, die gehen auf Nummer sicher." Jäger sind in diesem Zusammenhang als Lebensmittelunternehmer anzusehen und haften für die Produkte, die sie in Verkehr bringen. Der Grenzwert von 600 Becquerel (Bq) pro Kilo Wildfleisch wurde laut Erbse in seinen bislang rund 200 Messungen zwei- oder dreimal erreicht. Es habe aber etliche höhere Werte innerhalb des Grenzwertes gegeben. Viele Proben hätten auch null, 20 oder 40 Bq aufgewiesen.

Auch im Staatsforst sind seither keine derart hohen Werte mehr ermittelt worden, wie wir von Revierleiter Gerd Barnickel erfahren. Im Forstbetrieb Rothenkirchen, zuständig für den Staatsforst im Landkreis, wird jedes erlegte Tier untersucht. Barnickel kann sich die Werte von 2011 nur so erklären, dass es damals einen strengen Winter gab und die Wildschweine besonders tief nach Fressbarem gesucht haben. Sowohl vorher als auch nachher seien meist Ergebnisse von weit unter dem Grenzwert ermittelt worden. Heuer habe es Proben mit null bis 400 Bq gegeben. Die Untersuchungen werden fortgesetzt.