Das Geschäftshaus Judengasse 2 ähnelt derzeit einem Rohbau. Wände wurden herausgerissen, Stahlträger eingesetzt. Der Schutt aus dem ersten Stock rutscht aus dem Fenster in eine am Straßenrand stehende Mulde. Es sieht noch wüst aus hier, doch Eigentümerin Tina Hühnlein hat ganz klare Vorstellungen davon, wie alles werden soll. Unten ist ein Schulungsraum vorgesehen, dann folgen Büro- und Sozialräume und schließlich unterm Dach, zwischen den alten Balken, der künftige Arbeitsplatz für sie selbst und ihren Mann Detlef Hühnlein. Beide sind Geschäftsführer des IT-Unternehmens ecses, das seinen Sitz derzeit noch in Michelau hat. Doch auf den dort angemieteten 80 Quadratmetern in der Angerlage ist es eng geworden. Die 2010 gegründete Firma, die sich auf Sicherheit in der Informations- und Kommunikationstechnologie spezialisiert hat, ist auf zwölf Mitarbeiter angewachsen. Tina Hühnlein wünscht sich für sich und ihr Team ein anderes Arbeiten, mit der Möglichkeit, sich auch einmal zu einer Besprechung zurückziehen zu können. Im vergangenen Jahr ist das Unternehmen fündig geworden und hat das ehemalige Geschäftshaus gekauft, in dem sich von 1989 bis 2012 die Zoohandlung Schachner befand.

Attraktive Lage

Gerade die Innenstadtlage, die Nähe zum Bahnhof, waren Pluspunkte, die für einen Umzug von Michelau hierher sprachen. Für Projektpartner und Kunden werde man dann einfacher zu finden sein, sagt Tina Hühnlein. Noch im Herbst passierten die Umbaupläne den Lichtenfelser Bauausschuss. Über einer Garage im Anbau ist eine Dachterrasse geplant, fast genau so, wie es schon 2015 am Tag der Städtebauförderung für dieses leerstehende Haus beschrieben worden war. Seitdem hängt an dem Gebäude ein Banner, das die Nutzungsmöglichkeiten in Wort und Bild aufzeigt. Dies unter dem Motto "Vision 2025". So lange wird es nun nicht mehr dauern, bis hier neues Leben einzieht. Wenn es nach den Plänen der Eigentümer geht, wird das schon im Januar 2019 der Fall sein.

Für Steffen Hofmann, Leiter des Amtes für Wirtschaft, Tourismus und Kultur der Stadt Lichtenfels, ist es ein schöner Fortschritt, zu sehen, dass mit fast allen innerstädtischen Gebäuden, die man mit so einem "Visionen"-Banner versehen hatte, inzwischen etwas passiert ist. Für Leerstände tun sich neue Nutzungen auf. Dafür gibt es weiterhin finanzielle Unterstützung durch das Stadtsanierungsprogramm. Es war übrigens nicht zuletzt der Charme des Altbaus, der Tina Hühnlein auf der Suche nach einem neuen Firmensitz überzeugte. Sie möchte in dem Haus, dessen älteste Teile von 1800 stammen, "zugekleistertes Fachwerk freilegen", alte Balken und auch die Innentreppe erhalten. Es handelt sich nicht um ein Denkmal, doch besteht für den Innenstadtbereich insgesamt ein Ensembleschutz.

Eine gute Nachricht ist ferner, dass es auch in Michelau keinen Leerstand geben wird. Die Firma Weckbrodt werde die jetzigen ecsec-Geschäftsräume wieder selbst nutzen, lässt Tina Hühnlein, eine geborene Weckbrodt, im Gespräch wissen. Privat bleiben sie und ihre Familie in Michelau wohnen.