Ekkehard Andert kennt die Auwaldsiedlung wie kaum ein anderer. Er half mit, als der neue Stadtteil in den 1950er-Jahren auf sumpfigem Boden geschaffen wurde. Vor allem für Heimatvertriebene wurde die Siedlung nach dem Krieg ausgewiesen. Seit 1957 ist Ekkehard Andert im Vorstand der Siedlergemeinschaft aktiv, davon neun Jahre als Vorsitzender. Vor fünf Jahren ernannte ihn die Gemeinschaft, der heute 220 Familien angehören, zum Ehrenvorsitzenden. Am Sonntag wird Andert, der drei Wahlperioden der Stadtratsfraktion der Freien Wähler angehörte, 80 Jahre alt.

Am 23. Dezember 1938 wurde Ekkehard Andert in Breslau geboren. Als die Stadt 1945 zur Kampfzone wurde, verließ seine Mutter mit den drei kleinen Kindern Schlesien. Der Vater, der als Soldat eingezogen war, kehrte nicht aus dem Krieg zurück. Übers Riesengebirge und Prag kam die Familie zunächst in ein Dorf bei Braunau am Inn. Dort wurde Ekkehard Andert eingeschult. Im September 1945 musste die Familie jedoch Österreich verlassen und kam über Lichtenfels nach Wolfsdorf und später nach Romansthal.

70 Wochenstunden waren normal

Mit dreizehneinhalb Jahren nahm Ekkehard Andert eine Hilfsarbeiterstelle in einer Poliererei an, um Geld zu verdienen. "70 Wochenstunden waren damals im Herbst die Regel, im Sommer waren's weniger, aber immer noch 45", sagt er. Der Samstag war zudem ein normaler Arbeitstag. Das Putzerhandwerk erlernte er später bei der Staffelsteiner Firma Görtler und Schramm. Eine Lehre war das nicht, vielmehr habe er sich die Fertigkeiten "von den Alten" abgeschaut. Nachdem er zwei Jahre als Stuckateur gearbeitet hatte, erhielt er nachträglich einen Lehrvertrag in diesem Beruf und machte die Prüfung. Von 1959 bis 1971 war er anschließend bei der Baufirma Heinrich Schramm in Neubanz angestellt.

Harte Arbeit ohne schweres Gerät

Dies ist auch die Entstehungszeit der Auwaldsiedlung - die Initiatoren seien Adam Potzel und Ewald Schubert gewesen. 1957, erinnert er sich, sei in Gemeinschaftsleistung aller eine Wasserleitung von der Porzellanfabrik zur Siedlung gegraben worden. Das geschah in Handarbeit, denn schwere Maschinen standen nicht zur Verfügung. Etwa ein Dutzend Leute halfen dabei mit, auch sonntags durfte offiziell gearbeitet werden. Die Grundstücke waren von der Stadt für 99 Jahre auf Erbpachtbasis zur Verfügung gestellt worden. Doch zunächst hatten die Siedler den sumpfigen Baugrund trockenlegen müssen. Das ging nur gemeinsam. Dränagen wurden um jede Parzelle gezogen und der Unterbau der Straßen wurde vorbereitet. Die Bundesbahn stellte dafür alten Schotter zur Verfügung, den die Siedler an den Waggons mit einem Traktor und Anhänger der Brütting-Bräu abholten.

1959 bezog die Familie ihr Eigenheim, 1960 heirateten Ekkehard und Erna Andert. Das Paar bekam drei Söhne. "In den ersten fünf Jahren gehörten die Häuser noch der Oberfränkischen Baugenossenschaft", sagt Andert, die Siedler seien zunächst lediglich "Kaufanwärter" gewesen.

Das Leben in der Auwaldsiedlung sei damals geprägt gewesen von einem Riesenzusammenhalt. Jeder half jedem. Die ersten Siedlerfeste wurden Ende der 1960er-Jahre auf dem Kinderspielplatz gefeiert. Im Lauf der Jahre kamen immer neue Straßenzüge hinzu. Die Frage, wie viele Menschen heute dort wohnen, beantwortet Ekkehard Andert so: "Im Wahllokal Siedlerheim haben wir 580 Wahlberechtigte - allerdings inclusive der großen Wohnblöcke."

1988 kam das Siedlerheim hinzu

Das Siedlerheim kam erst später hinzu, 1988 wurde es eingeweiht. Das größte Fest, das auf dem Areal vor dem Siedlerheim gefeiert wird, ist inzwischen das alljährliche Treffen von Oldtimerfreunden aus dem weiten Umkreis. Ekkehard Andert war stets dabei, wenn sich der Oldtimerkorso durch die Stadt schlängelte. Mit seinem Bulldog, einem Eicher-"Panther", chauffierte er Kinder und Erwachsene - ein Spaß, der aus Sicherheitsgründen inzwischen zu Anderts Bedauern verboten ist.

Die Siedlerfeste gibt es noch immer - früher dauerten sie bis zu vier Tage. "Man findet immer wieder eine Crew, die den Verein gut weiterführt", sagt der Ehrenvorsitzende.

Als Mitglied der Wanderfreunde organisierte Ekkehard Andert ab 1976 insgesamt 19 IVV-Wandertage. Seine Unterlagen besagen, dass rund 65 000 Menschen daran teilnahmen.

Aus seiner Zeit als Stadtrat ist Andert in Erinnerung, dass der damalige Bürgermeister Reinhard Leutner (CSU) sofort zustimmte, als er ihm vorgeschlagen habe, die neue Kläranlage nicht auf dem Standort der alten unmittelbar neben der Auwaldsiedlung zu bauen. Sie wurde stattdessen weit von den Wohngebäuden weggerückt.