Der Schnee ist weggetaut, das satte Grün noch nicht da: Jetzt fällt der Unrat an den Straßenrändern und Böschungen besonders auf. War es schon immer so viel? In einer Zeit, in der über Plastikverbote diskutiert wird, sich Familien im Plastikfasten üben, Bücher, Artikel und wissenschaftliche Untersuchungen die Folgen dieses Mülls aufzeigen, traut man seinen Augen kaum: Plastiktüten und -fetzen, Limoflaschen, beschichtete Becher mit Trinkhalm, McDonald's-Papiertüten und andere, mittlerweile nicht mehr definierbare Verpackungen. Wer räumt das weg? Wer befreit die Umwelt von dieser Belastung?

Einen großen Part dieser Arbeit übernehmen die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Bad Staffelstein. Sie tun es Jahr für Jahr entlang der Bundes- und Staatsstraßen sowie der A 73 zwischen Ebersdorf und Breitengüßbach. Das Streckennetz beläuft sich ungefähr auf 280 Kilometer. Bis zu 25 Mann sind dafür drei bis vier Wochen im Einsatz, wie wir auf Nachfrage von Oberstraßenmeister Hannes Rußner erfahren. Mit dieser "Frühjahrsreinigung" werde nach der Gehölzpflege, ab März, begonnen. "Vor Ostern wollen wir fertig sein", sagt der kommissarische Leiter der Straßenmeisterei. Der Erfahrungswert aus den vergangenen Jahren besagt, dass um die fünf Tonnen Unrat im eigenen Zuständigkeitsbereich zusammenkommt. Die Kosten für die Entsorgung beziffert Rußner auf zirka 700 Euro. Es ist Geld aus Steuermitteln, bezahlt also von uns allen.

Auch der Kreisbauhof macht sich vor allem vor Ostern daran, die Hinterlassenschaften bestimmter Mitbürger aus den Randbereichen der Kreisstraßen einzusammeln und zu entsorgen. Leiter Heiko Tremel beziffert den Aufwand auf zirka 300 Arbeitsstunden im Jahr.

Nicht zu vergessen sind ehrenamtliche Müllsammelaktionen, wie sie beispielsweise vom Bund Naturschutz durchgeführt werden. Dort setzt man vor allem darauf, Jugendliche einzubinden, um sie für die Problematik zu sensibilisieren.

Im Kreistag forderte Bernhard Christoph, Sprecher der Grünen, kürzlich einen Runden Tisch, um Lösungen zu finden, wie Plastik in der Landschaft vermieden beziehungsweise beseitigt werden könne. Es befassen sich also viele mit der Gedanken- und Verantwortungslosigkeit anderer. Wenn die Bilder vom Plastik in Flüssen und Meeren und damit auch in der menschlichen Nahrungskette nicht abschrecken - zu erwartende Strafen dürften es kaum tun: 20 Euro Bußgeld hätte jemand zu befürchten, der in Bayern beim Wegwerfen von Papiertüte oder Plastikflasche erwischt wird.

Aktionen zum Müllsammeln in der Region

Der Verein Flussparadies Franken e.V., dem Kommunen und Verbände aus drei fränkischen Bezirken angehören, hat 2013 die erste Müllsammelaktion entlang der Ufer initiiert. Unter dem Motto "Mein Main muss sauber sein" finden auch heuer im Vorfeld des Weltwassertages (22. März) zahlreiche Arbeitseinsätze mit mehr als 200 Helfern zwischen Hochstadt am Main und Knetzgau statt. Die Ausbeute beläuft sich geschätzt auf über vier Tonnen Müll pro Jahr allein für diese Aktion. Die Kreisgruppe Lichtenfels des Bundes Naturschutz begibt sich am Samstag, 9. März, zum Müllsammeln ins Schönbrunner Biotop. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Ortseingang von Schönbrunn (von Reundorf kommend), gesammelt wird bis gegen 13 Uhr. Arbeitseinsätze dieser Art werden seit vielen Jahren organisiert, und Jugendliche eingebunden. Wenn es vor Ort keine Aktionsgruppe gibt: einfach eine gründen! Das Müllsammeln macht auch Spaß, man sieht den Erfolg des eigenen Tuns, weiß Anne Schmitt, Geschäftsführerin "Flussparadies Franken". Sie ist jedes Jahr bei einer Aktion dabei. Handschuhe, Eimer und feste Schuhe sind Grundausstattung.

Kommentar: "Wer macht sowas?"

Schon komisch: Wen man auch immer anspricht auf den Müll in der Landschaft, man erntet nur Kopfschütteln: Unvorstellbar, aus dem Autofenster die geleerten Brotzeittüten, Plastikbeutel oder Flaschen zu werfen! Wer macht eigentlich sowas? Dass das nur ein paar Einzelne in vorübergehender Geistesabwesenheit oder Alkoholisierung sein können, kann leider in Anbetracht der Menge nicht geschlussfolgert werden. Vielmehr gewinnen Spaziergänger und ehrenamtliche Sammler den Eindruck, dass die in der Landschaft entsorgten Abfälle in den vergangenen Jahren auf keinen Fall weniger geworden sind. Trotz aller Erkenntnisse um den Plastikmüll, trotz aller Bemühungen um ein Umdenken. Die Kluft scheint auch bei diesem Problem größer geworden zu sein: Da sind die einen, die mit Schraubgläsern und eigenen Behältern zum Einkaufen gehen, um zu zeigen, dass es mit weniger Verpackungen auch geht. Da sind die anderen, die nicht bloß auf Vermeidung von Müll pfeifen, sondern auch auf eine ordnungsgemäße Entsorgung. Vielleicht müssten die Bußgelder höher sein, vielleicht bekäme der ein oder andere Skrupel, wenn er befürchten müsste, dass man ihn belangt. Erziehung geschieht aber nicht in erster Linie durch Strafe, sondern durch Vorbild. Und das muss uns noch nachdenklicher machen: Wer hat denn da versagt, wenn so viele etwas tun, was man eigentlich nicht tut?