Menschen gehen über einen Rasen, drehen sich im Kreis, vollführen grazil-eigenwillige Armbewegungen. Manche haben dabei die Augen geöffnet, andere nicht. Wer jetzt als unbedarfter Betrachter hinzustieße, könnte an einen Sketch der Monty Pythons glauben. Zehn Minuten haben die Menschen für ihr Tun Zeit, dann wird es ernst, dann kommen ihre Hunde ins Spiel. Es ist Sonntag und das Stichwort heißt Rally-Obedience. Eindrücke von einem Randsportturnier, von einem sportlichen Schulterschluss zwischen Mensch und Hund.

Neue Bleibe gesucht

20 Meter breit, 30 Meter lang: Das sind die Maße der Wiese unweit des Wasserturms. Hier hat der 1. FC Hund seinen Standort. Noch. Im nächsten Jahr mag es nicht mehr so sein, der Hundesportverein sucht eine neue Bleibe. Das beschäftigt die Menschen hier. Einerseits. Andererseits wiederum liegt noch etwas in der Luft: Turnieratmosphäre. Es geht um den fehlerfreien Gehorsam, darum, eine mit Anweisungen gespickte Wegstrecke, nach Herrchens und Frauchens Zeichen so zu bewältigen, dass Schiedsrichterin Alexandra Meyer möglichst keine Punkte abzieht.

Senioren-Hunde haben's leichter

In fünf Klassen wird es von 9 bis 15.30 Uhr Durchgänge geben, darunter sogar für Senioren. Gemeint sind damit die Senioren unter den Hunden, die, die nicht mehr so hoch springen können, die gewissen Drehungen nicht mehr machen sollten. Ein Hund ist hier auch nur ein Mensch. Letztere kamen 50-fach vor, als Zuschauer oder als Teilnehmer, jedenfalls aus einer Region zwischen Würzburg, Bayreuth und Nürnberg.

Man hat Lampenfieber. Man will es dem Publikum zeigen und die Ansprüche an sich selbst rechtfertigen. Zwischen "Vorzüglich" und "Bestanden" lauten die Bewertungsnoten, die man beim Rally-Obedience erringen kann. Die beste Punktzahl liegt bei 100 Punkten, wer Fehler im Ablauf macht, bekommt Punktabzug. 100 Punkte sind selten und erst sechs Stunden nach Turnierbeginn und nach 30 Teilnehmern wird es eine Frau schaffen, die volle Punktzahl zu erreichen. Das zeigt, wie schwer und anspruchsvoll der Sport ist.

Dabei muss man auch noch zügig sein, denn bei Punktgleichheit entscheidet die bessere Zeit. Die aber darf bei der mit Anweisungen gespickten Strecke nicht über vier Minuten liegen. Lena Pesak hat auch gefiebert. Die Neunjährige ist mit ihrer Mutter samt Hund Lou aus der Nähe von Nürnberg angereist. Sie kann gut auswendig lernen, sagt sie und das bezieht sich auf die Kommandos, die sie in den zehn Minuten vor Start gelesen hat. Die heißen u. a.: "Mensch nach links", "Hund nach rechts", "90° Drehung", "270° Drehung" oder "Figur 8 mit Ablenkung". Dahinter versteckt sich beispielsweise ein Spielzeug oder Leckerli, welches sich unter einer Art Sieb befindet, Reiz und Duft verströmt, vom Hund aber ignoriert werden muss. Er muss seinen Gehorsam über seine Natur stellen, sonst gibt es Punktabzug.

Lena wird ihre Sache gut machen und Lou auch. Schließlich hat sich die Neunjährige tags zuvor zwei Stunden lang auf den heutigen Tag vorbereitet. Planschend im Schwimmbad. Sie, erstmalig in Lichtenfels, würde auch gerne im nächsten Jahr zum siebenten Turnier wiederkommen. Doch dazu bräuchte der Verein ein neues Vereinsgelände.

Saskia Leis mit Fin auf Platz 3

Was die Leistungen heimischer Mensch-/Hund-Gespanne anbelangt, so gab es einen Erfolg für den Obermain zu verbuchen. Saskia Leis vom Ausrichter 1. FC Hund schaffte in der höchsten Leistungsklasse 3 mit ihrem Fin einen dritten Platz.