Das Frauenwahlrecht ist kaum älter als hundert Jahre, das Bayerische Gleichstellungsgesetz noch keine 25. Möglichkeiten der Kinderbetreuung haben sich eklatant verändert seither. Aber können diejenigen, die sich immer wieder für Chancengleichheit stark gemacht haben, sich jetzt entspannt zurücklehnen? Für Maria Hollering-Hamers ist die Antwort klar: "Frauen müssen wachsam sein, um die Plätze, die sie sich erobert haben, nicht wieder zu verlieren." Vorarbeit dazu haben auch Lichtenfelser Frauengruppen geleistet, vereint in einem Bündnis, in dem es keine Hierarchie gibt. Für die Koordination gemeinsamer Aktionen - vor allem zum Internationalen Frauentag am 8. März - hat Maria Hollering-Hamers Verantwortung übernommen. Mit ihren Themen waren die Frauen stets am Puls der Zeit, und das seit mehr als 30 Jahren: Mini-Jobs, Altersarmut, häusliche Gewalt, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Fluchtursachen in patriarchalischen Gesellschaften. Mal füllte man Säle, mal den Säumarkt, mal bot man ein Kleinkunst-Programm mit Biss. Dabei spielte es keine Rolle, ob die eine der SPD und die andere der CSU nahe stand, ob die Frauen der katholischen, der evangelischen oder gar keiner Kirche angehörten, Gewerkschafterinnen, Akademikerinnen oder Hausfrauen waren. "Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen", betont Hollering-Hamers, "immer solidarisch und respektvoll. Wir haben nie gestritten." Doch gemeinsam sei man auch mit dieser Arbeit alt geworden. Inzwischen 72 Jahre, sieht sie für sich die Zeit gekommen, den Stab abzugeben. Nur an wen?

"Sie ist der Motor", bekräftigt Mitstreiterin Bärbel Luthardt, die über die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) dazu kam. Zu den Frauen, die sich über lange Zeit eingebracht haben, zählen auch Annemie Dietz, Ruth Gärtner und Gertrud Tischer. Eine der ersten frauenpolitisch Engagierten war gewiss die vor sieben Jahren verstorbene Eugenie Stelzner - ein großes Vorbild. "Sie hat mich an die Hand genommen, mir hier in Lichtenfels Türen geöffnet", erzählt Hollering-Hamers. Ihr gefällt das Prinzip, sich einander anvertrauen zu können, sich gegenseitig zu stärken. "Nicht aufeinander neidisch sein, sondern ein großes Ganzes im Blick haben. Das muss man vielleicht erst lernen." Die Lichtenfelserin bezeichnet sich als "echte Feministin". Frauenfreundlich heiße nicht männerfeindlich, merkt die verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Söhnen an. Es geht ihr um gleiche Chancen und Wertschätzung, bei allen Unterschieden. "Männer und Frauen sind nicht gleich und sollen auch nicht gleich sein. Aber sie sind gleichviel wert." Karriere machen oder sich um Familie und Haushalt kümmern oder beides: Jeder und jede sollte dies so tun können, wie er möchte, ohne sich rechtfertigen zu müssen oder später Nachteile davonzutragen. Gerade Frauen, die nach der Familiengründung keinem Beruf (mehr) nachgehen (können) sind oft ehrenamtlich engagiert. Oder kümmern sich um pflegebedürftige Angehörige. "Arbeit ist nicht nur das, was bezahlt wird", betont Maria Hollering-Hamers. In den Niederlanden, wo sie geboren wurde, bekomme jeder ab Vollendung des 65. Lebensjahres eine Rente vom Staat. Die sei zwar nicht hoch, doch bräuchten sich dadurch gerade Frauen, die Kinder großgezogen haben, keine existenziellen Sorgen im Alter zu machen. Denkanstöße wie diese müssen vorgebracht werden, damit sie Gehör finden. Immer wieder.

Das Nachfolge-Problem betrachtet die engagierte Frau abgeklärt: Wenn sich niemand fände, werde eben ein Abschnitt zu Ende gehen. Neue Impulse für das Aktionsbündnis erhofft sie sich dennoch von einem der letzten Termine, die sie in ihrer Funktion als Koordinatorin setzen wird. Sie hat dazu Mutter-Tochter- beziehungsweise Enkelin-Großmutter-Paare eingeladen. Ein Generationengespräch mit verschiedenen Sichtweisen rund um die gemeinsamen Anliegen.

Wir hätten da mal ein paar Fragen:

Gibt es das wirklich: frauenspezifische Probleme? Haben junge Frauen solche Probleme (noch)? Sind Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt - und was versteht man eigentlich darunter? Wie sieht es mit der Bezahlung aus - gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Welche Erfahrungen haben Frauen in puncto Aufstiegschancen gemacht? Machen sich Frauen Gedanken darüber, wie sie sich vor Altersarmut schützen können? Antworten darauf soll es bei der Veranstaltung der "Lichtenfelser Frauengruppen" zum Frauentag geben: "Generationen im Gespräch", am Samstag, 21. März, in der ehemaligen Synagoge in Lichtenfels.