Ob die Zahl 12 für Adam Ries, der in seiner Geburtsstadt Bad Staffelstein Adam Riese genannt wird, auch etwas Besonderes war, ist nicht überliefert. Aber dem alten Rechenmeister lag auf jeden Fall eine Menge an der Vereinfachung von Mathematik. "Riese wollte, dass die Menschen auf dem Marktplatz nicht übers Ohr gehauen wurden", sagt Stefanie Mayr-Leidnecker. Deshalb habe Riese das Rechnen auf den Linien erfunden. Simple Methoden, um ein Ergebnis - einen Preis - zu überprüfen.

Die Zahlen begeistern

Stefanie Mayr-Leidnecker liebt auch die Veranschaulichung. Das einfache Rechnen. Und sie liebt Adam Riese - so sehr, dass die Bad Staffelsteinerin ihre Abschlussarbeit an der Universität Bayreuth über Riese geschrieben hat, der die Rechendidaktik verändert hat. Also, wie man Mathe am besten vermittelt. Deshalb ist Mayr-Leidnecker vielleicht auch Grundschullehrerin geworden. Und jetzt will sie dem berühmtesten Sohn der Stadt auch wieder zu mehr Beachtung verhelfen. Ein wenig zumindest.

Stefanie Mayr-Leidnecker lassen die Zahlen einfach nicht los. Seit zwei Jahren kommt sie gar nicht mehr aus dem Rechnen raus. "Das mach' ich ständig." Seit zwei Jahren entwirft sie nämlich für den Schulbuchverlag Westermann zusammen mit vier anderen Autoren aus Bayern ein Mathebuch für Grundschulklassen.

Die ersten Bücher sollen September 2014 auf den Markt kommen. Pünktlich zur Umstellung des bayerischen Lehrplans, der dann auch mehr das berücksichtigt, was schon seit zwei Jahren an der Schwürbitzer Grundschule als Projekt läuft: Es sollen mehr sogenannte "gute Aufgaben" gestellt werden.

Also, ein Beispiel: In einer Aufgabe wird gefragt, wie viele Nudeln in einer Packung sind. Die Antwort muss nicht nur mit Rechnen zu tun haben. Es soll, so die Lehrerin, das kreative Denken gefördert werden. Weg von dem Frage-Rechnung-Antwort-Schema. "Die Kinder könnten auch bei Barilla anrufen und nachfragen, wie viele Nudeln in der Packung sind." Es soll einfach geprüft werden: Wie weit sind die Kinder eigentlich? Wo ist ihr Leistungsstand?

Das ist auch die Idee hinter dem Sinus-Projekt, an dem die Schwürbitzer Schule als erste Schule im Lichtenfelser Landkreis teilnimmt.

Das Projekt ist hier vor allem auf Betreiben von Stefanie Mayr-Leidnecker angesiedelt worden, die seit drei Jahren als Rektorin in Schwürbitz arbeitet. Und die "guten Aufgaben" des Sinus-Projekts sollen also auch flächendeckend in den Lehrplan ab 2014 aufgenommen werden. Und Mayr-Leidnecker entwickelt dazu fleißig Aufgaben.

Auch ihre Nichte steht im Buch

Die von Adam Riese entwickelte Neunerprobe will sie in dem Buch für die vierten Klassen dann unterbringen. Vorausgesetzt: Ihre Mitautoren sind einverstanden. Eine Seite für Adam Riese also.

Sonst würde Adam Riese im Unterricht eigentlich heute nicht berücksichtigt. Auch sie habe früher als Kind nur wenig von Riese gewusst, obwohl sie ja in Bad Staffelstein aufgewachsen ist. Das soll anders werden.

"Jeder Autor bringt auch immer ein bisschen von seiner Gegend in ein Schulbuch mit ein", sagt Mayr-Leidnecker. So taucht dann auch mal der Name ihrer Nichte Rica auf, und der von Neffe Lars. Oder in einer Aufgabe ist auch von der Schwürbitzer Grundschule und ihren Schülern die Rede.

Warum steht sie eigentlich so auf Zahlen und das Rechnen? "Ich bin schon ein sehr ordentlicher Mensch", sagt Stefanie Mayr-Leidnecker. Deshalb habe sie wohl auch die Mathematik so fasziniert, meint die 42-Jährige, deren Lieblingszahl eben die 12 ist.

Was vielleicht Adam Riese egal gewesen wäre. Aber Adam Riese ist Stefanie Mayr-Leid necker nicht egal - deshalb will sie etwas weitergeben vom berühmtesten Sohn Bad Staffelsteins. Schließlich ist das ja auch eine Verpflichtung, wenn man in der Stadt des Rechenmeisters aus dem 16. Jahrhundert aufgewachsen ist und dann noch Mathe unterrichtet...