Liyodi Yogo Neto darf zum ersten Mal wählen. Das ist für den 20-Jährigen etwas Besonderes. Nicht nur, weil es die erste Bundestagswahl seit seinem 18. Geburtstag ist. Der in Brasilien geborene junge Mann, der als Dreijähriger mit seiner Mutter nach Deutschland kam, hat erst seit heuer die deutsche Staatsbürgerschaft. Wir treffen ihn im Lichtenfelser Jugendzentrum (JUZ), wo er mal als "Bufdi", im Freiwilligendienst also, gearbeitet hat. Seine Freundin Nina (19) bringt er mit. Ist der Wahl-O-Mat eine gute Entscheidungshilfe? Wie groß ist überhaupt bei jungen Leuten das Interesse an Politik? Diesen Fragen wollen wir nachgehen.


Ein Informationsangebot

Der Wahl-O-Mat (www.wahl-o-mat.de) ist keine Wahlempfehlung, sondern ein Informationsangebot der Bundeszentrale für politische Bildung. Es geht darum, die eigenen Standpunkte mit denen der Parteien zu vergleichen und sich dann eine Meinung zu bilden. Man klickt sich durch 38 Thesen zu ganz verschiedenen Themenbereichen - und ist jedes Mal aufgefordert, Zustimmung, Ablehnung oder eine neutrale Haltung zu signalisieren. Bei einigen Punkten gesteht Liyodi, dass ihm hier Hintergrundinformationen fehlen. Er entscheidet sich dann, das Feld "neutral" anzuklicken. Der Schuldenschnitt für Griechenland ist so ein Fall. Manchmal fällt die Entscheidung offensichtlich auch aus dem Gefühl heraus - über den Braunkohleabbau etwa. Das ist kein Thema, mit dem sich Liyodi und Nina vorher schon auseinandergesetzt haben. Die Bereiche, für die sie sich interessieren, da fühlen sie sich ausreichend informiert. "Wir reden auch viel mit Freunden über Politik", sagt der junge Mann. Was könnte besser sein im Land? - Da werde schon richtig diskutiert. "Spaßeshalber haben wir auch mal gesagt: Komm, wir sammeln Unterschriften und gründen eine eigene Partei", erzählt Liyodi und lacht. Er sieht seine Freunde durchaus als politische Leute an. Manche beteiligten sich auch an Demonstrationen. Er meint aber, dass sie eher nicht auf eine bestimmte Partei festgelegt sind. Nina findet politische Diskussionsrunden im Fernsehen oft langweilig, einige der häufig zu hörenden Forderungen gar nicht so relevant. Und Manches hört sich für sie so an, "als wären wir alle Maschinen": "Mehr Bildung, mehr Arbeit, mehr Stress." Dabei litten doch schon so viele Leute unter Leistungsdruck. "Wir könnten es viel schöner und leichter haben", meint die 19-Jährige.


Es wird diskutiert

Weiter geht es im Wahl-O-Mat: Sollte Diesel höher besteuert werden, Bafög unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt werden? Sehr oft beginnen die zwei zu diskutieren: Was sagst Du dazu? Vor- und Nachteile werden abgewogen, die Aussagen von mehreren Seiten beleuchtet. Sollten die Verteidigungsausgaben erhöht werden? Warum eigentlich? Welches Signal wäre so ein Schritt?
Manche Thesen dagegen sind kaum durchgelesen, da ist die Antwort auch schon angeklickt. Zwei Staatsbürgerschaften behalten? - Ja klar! Hat Liyodi schließlich selbst, warum sollte es dann anderen verwehrt werden? Den Vorteil für sich erklärt er in einem Satz: "In Brasilien werde ich als Brasilianer behandelt und in Deutschland als Deutscher." Er ist hier zuhause, vergisst aber seinen Ursprung nicht. Ab und zu besucht er Angehörige in Brasilien.
Dann kommt die Auswertung. Bis zu acht Parteien darf man auswählen, mit deren Antworten man den Computer die eigenen vergleichen lässt. Zum Schluss bekommt man eine Übereinstimmungsquote zu diesen berechnet.
Eine Überraschung ist das Ergebnis für Liyodi nicht. Die Quoten zweier Parteien liegen mit 73 und 72 Prozent nah beieinander; bei der einen hätte er nicht gedacht, dass es so viel Übereinstimmung in den Sachfragen gibt. Insgesamt hätte er sich aber auch vorab selbst in der Nähe dieser beiden Parteien gesehen, sagt er. Mehr wird an dieser Stelle nicht veröffentlicht - Wahlgeheimnis bleibt Wahlgeheimnis.


Jede Stimme hat Einfluss

Für unsere beiden Tester ist es keine Frage, von ihrem Recht Gebrauch zu machen: "Es ist cool, wählen zu dürfen." - "Wählen ist wichtig." Jede Stimme habe ein bisschen Einfluss, könne also auch etwas verändern.