Willibert Lankes aus Marktgraitz, der ehemalige Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels, beschrieb ausführlich die Untaten des Raubmörders Johann Hein bis zu seiner Festnahme am 4. Februar 1928 bei Weingarten und seiner Verurteilung am 18. Juli 1928 in Coburg.

Da Johann Hein seine Verbrechen hauptsächlich im Coburger und Thüringer Raum verübte und sich auch im Landkreis Lichtenfels bewegte, wo er auch festgenommen wurde, nutzte Lankes als Informationsquellen neben den Stadtarchiven Coburg und Lichtenfels die entsprechenden Tageszeitungen, nämlich das Lichtenfelser Tagblatt, das Bamberger Volksblatt, das Eisenberger Nachrichtenblatt (Thüringen), die Plauener Zeitung und das Amtsblatt der Stadt Jena sowie Unterlagen der ehemaligen Polizeiinspektion Coburg.


Die Lebensgeschichte von Johann Hein



Der Referent schilderte zunächst eingehend die Lebensgeschichte von Johann Hein, der am 9. August 1902 in Gerresheim, einem Vorort und heutigen Stadtteil von Düsseldorf geboren wurde. Sowohl die Eltern als auch die drei Geschwister seien unbescholtene Bürger gewesen und auch Hein selbst, der den Beruf des Metallbohrers erlernte und sich als aktives Mitglied im Gerresheimer Athletenclub hervortat, habe sich zunächst nichts zu Schulden kommen lassen. Arbeitslos geworden geriet der als ruhig und fleißig bekannte Hein 1926 in die schlechte Gesellschaft des Melkers Rudolf Larm, der ihn nach und nach auf die schiefe Bahn brachte und der gleichsam zu seinem bösen Geist wurde. Über 50 Diebstähle und Geldschrankaufbrüche habe er mit ihm verübt, ehe beide bei einem Überfall auf das Postamt im Solinger Stadtteil Ohligs zwei Postbeamte niederschossen und daraufhin mit der Reichsbahn nach Thüringen flohen.

Dort trafen sie auf ihren Jugendfreund Paul Dundlach, der zu ihrem Komplizen wurde. In Klosterlausnitz überfiel das schwer bewaffnete Verbrecher-Trio am 3. Dezember 1927 das Postamt, wobei ihnen über 2000 Reichsmark in die Hände fielen. Gleich im Anschluss überfiel die Bande die Postagentur in Zwätzen, einem Stadtteil von Jena, erbeutete aber nur wenig. Aufgrund der hinterlassenen Spuren und von Zeugenaussagen konnte Paul Gundlach am folgenden Tag in Jena und Rudolf Larm im D-Zug Berlin-München bei Saalfeld festgenommen werden. Hein konnte sich in einem Haus in Jena verbergen, wurde aber am 13. Dezember von den beiden Kriminalwachtmeistern Hess und Schumann gestellt. Er entzog sich aber seiner Verhaftung, indem er Hess erschoss und dessen Kollegen schwer verletzte.

Von nun an habe man Hein per Steckbrief im ganzen Deutschen Reich gegen Belohnung gesucht, führte Willibert Lankes weiter aus. Am 30. Januar 1928 habe sich eine neue Zugriffsmöglichkeit für die Polizei ergeben, nachdem ein Bewohner von Plauen der Polizei meldete, dass in seinem Haus der gesuchte Mörder wohne. Auch diesmal entzog sich Hein seiner Festnahme durch Flucht, nachdem er den Kriminaloberkommissar Max Schmidt mit einem Revolver erschoss und den Gendarmerie-Wachtmeister Endlich schwer verletzte.

Infolge der massiv verstärkten Fahndung seien auch die Fernzüge der Reichsbahn intensiv überwacht worden, so dass Johann Hein in der Region bleiben musste und sich nur mit gestohlenen Fahrrädern oder zu Fuß fortbewegen konnte. Am 3. Februar 1928 habe das Lichtenfelser Tagblatt unter der Titelzeile "Die Jagd auf den Mörder Hein" berichtet, dass Hein am 1. Februar in der Gastwirtschaft "Weihersmühle" übernachtete. Nach Bekanntwerden habe die Gendarmerie 19 Beamte aus Lichtenfels, Schney, Michelau, Hochstadt-Marktzeuln, Burgkunstadt und Weismain zur Weihersmühle geschickt und das Haus umzingelt. Johann Hein war aber wieder entwischt, zunächst zu Fuß und dann von Burgkunstadt mit dem Zug nach Lichtenfels. Trotz Überwachung des Bahnhofs gelang es ihm in die Wälder um Banz herum zu flüchten.

Bei der Suche nach dem Täter musste sogar ein Unschuldiger sterben. Im Altenburger Land in Thüringen verfolgte ein Gendarmerie-Wachtmeister einen Mann, den er für Johann Hein hielt und erschoss ihn, nachdem dieser nicht gleich auf Aufforderung die Hände hochnahm. Er erschoss aber nicht den Raubmörder, sondern den unschuldigen 30-jährigen Stallschweizer Hermann Thome.
Den leibhaftigen Mörder traf aber am 2. Februar der Gendarmerie-Kommandant von Untersiemau, Hermann Scheler, auf seiner Streifenfahrt mit dem Dienstrad am Ortsrand von Untersiemau Richtung Meschenbach an. Statt ihm seinen Pass zu zeigen, zog Hein seine Pistole und verletzte Scheler tödlich. Johann Hein floh mit dem Dienstfahrrad des Polizisten und wurde von einem zweiten Untersiemauer Polizisten, Wachtmeister Schmidt, verfolgt, konnte aber im Wald verschwinden.
Im Bezirksamt Staffelstein wurde eine Befehlsstelle der Polizei mit den Polizeikommissaren Müller und Wölfel eingerichtet. Selbst ein Großaufgebot von über 350 Beamten konnte aber den bewaffneten Verbrecher zunächst nicht aufspüren. Kälte, Nässe, Hunger und Durst setzten Hein so sehr zu, so dass er sich angesichts der Übermacht der Polizei am 4. Februar 1928 vom Unterwachtmeister Hermann Lechner von der Landespolizei Bamberg auf der Straße von Banz nach Weingarten festnehmen ließ.

Johann Hein wurde am 18. Juli 1928 vom Schwurgericht Coburg zum Tode verurteilt. Im März 1929 wurde das Urteil im Rahmen eines Begnadigungsverfahrens in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Bei einer Wiederaufnahme des Strafverfahrens im Jahr 1933 sprach der vorsitzende Richter erneut die Todesstrafe aus, die dann wenige Tage später vollzogen wurde.