Was ist das? Diese Frage stellten sich womöglich mehrere Bürger, als gestern der Siegerentwurf für den Neubau am Lichtenfelser Marktplatz 2 präsentiert wurde. Nach eineinhalb Jahren Vorlaufist nun die Entscheidung gefallen, welcher Entwurf der fünf Architekturbüros umgesetzt wird: Der Münchner Architekt Peter Haimerl wird mit seinem futuristischen Gebäude den Stadtkern prägen. "Alle Entwürfe waren sehr gut, allerdings hat einer über alle anderen herausgeragt", sagt Stefan Mehl, Geschäftsführer der R+G Beteiligungs GmbH. Dem Unternehmen gehört das Haus und es möchte dort eine Ausstellungsplattform für die 3D-Druck-Technologie schaffen. Die Entscheidung fiel für einen Architekten, so Mehl, der mit ungewöhnlichen Lösungen auf sich aufmerksam macht, aber auch Aspekte einbringt, die für den Ort typisch sind. Der Stadtrat, so Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD), war begeistert.


Tradition und Moderne

"Die Weidenbäume symbolisieren die traditionelle Korbflechterei. Aber die Zeit des Flechtens ist vorbei, jetzt wird mit Hightech gearbeitet", sagt der Geschäftsführer. Die "Bäume" werden aus Edelstahl geformt. Der Stahl wird zuvor erhitzt, so dass er einen goldbraunen Ton erhält. Damit soll gezeigt werden, was heute in Lichtenfels schon machbar ist. "Ursprünglich war die Idee, 3D-Drucker auszustellen. Aber das ist zu wenig, die Technologie soll faszinierend sein", erklärt Stefan Mehl.
Bei den Weidenbäumen handle es sich nicht um konstruierte Bäume, sondern digital gewachsene. Der Architekt habe ein Programm entwickelt, das eigenständig die Bäume entstehen lässt. Sanierungsbeauftragte Rita von Frantzky erklärt: "Sie wachsen nicht komplett unkontrolliert. Das Dach von den Weiden entspricht der Form des noch bestehenden Daches." Es wurde eine unsichtbare Gebäudehülle programmiert, in der Westwind weht, so von Frantzky. Deshalb sind die Zweige in dieser Form gewachsen. "Genau das soll es sein, keine nachgebildete Natur, sondern bewusst verfremdet", bestätigt Stefan Mehl.

"Das Faszinierende an der Technik soll sich auch im Gebäude widerspiegeln", führt er fort. Das habe geklappt: "Man muss schon zweimal schauen, ob das denn überhaupt ein Gebäude ist."
Was es genau ist, das könne man nicht beschreiben: "Es ist kein Gebäude und es ist ein Gebäude, es ist kein Platz und es ist ein Platz, es ist kein Baum und es ist ein Baum - es ist eine Symbiose." Die Sanierungsbeauftragte macht deutlich: "Man muss sich von der Idee lösen, dass hier ein Gebäude steht. Es ist eine räumliche Skulptur mit beinhalteten Räumen."

Die Räume selbst treten aber in den Hintergrund. Im Erdgeschoss befinden sich der Ausstellungsraum, ein öffentlicher Platz und ein kleines Wasserbecken. "Die Büros aus der Kronacher Straße werden ins Obergeschoss verlagert", so der Geschäftsführer. Dort sollen auch Besprechungszimmer eingerichtet werden.
Zudem wird ein Aufzug installiert, da das gesamte Gebäude barrierefrei gestaltet wird. Ein Stück des ursprünglichen Gebäudes, des Sandsteinkellers, wird zum Teil erhalten.
Wie lange die Bauzeit dauern wird, sei schwer zu sagen: "Etwas Vergleichbares gibt es ja nicht, deshalb ist das zum Beispiel auch eine Herausforderung für die Metallbauer, die so etwas zum ersten Mal erstellen. Außerdem soll es ja auch dauerhaft schön aussehen. Die Oberfläche muss also so beschaffen sein, dass sie in Jahrzehnten noch goldbraun schimmert." Ziel sei es aber, nach dem Korbmarkt mit den Bauarbeiten zu starten. Nach der WM soll das bestehende Gebäude abgerissen werden. Etwa zwei bis zweieinhalb Jahre Bauzeit seien vorgesehen.


Stadt in Aufbruchstimmung

"Lichtenfels ist keine Großstadt, da stellt sich schon mal die Frage, ist das angemessen?", so Mehl. Die Stadt veränderte sich im Moment sehr rasant. "Vor fünf Jahren war das hier noch ein verschlafenes Provinznest. Das hat sich mittlerweile geändert." Und zwar nicht nur, weil "was Verrücktes gebaut wird", sondern auch, weil viele junge Leute hier Arbeit finden und sich niederlassen. Er ist sicher: "Lichtenfels wird sich grundlegend verändern."

Das sieht auch der Bürgermeister so: "Wir sind in einer Aufbruchsstimmung." In Zukunft stehen Kleinstädte vor der Herausforderung, zu bestehen. Welche Stadt da eine Chance habe, sei diejenige, die ein Alleinstellungsmerkmal habe. "Das Ergebnis ist so was Faszinierendes, das unsere Stadt von einen auf den anderen Tag einen super Schub in die Zukunft gibt." Es sei ein Haus, das in die Zukunft gewandt ist. "Oder ist es ein Haus?" Wie dem auch sei - "Es bringt Tradition und Moderne auf herausragende Weise zusammen."