Ob Bürgerversammlung oder Stadtratssitzung: Wann immer zuletzt über Verkehrsprobleme, den Wunsch nach einer sichereren Streckenführung für Radfahrer, über Parkplätze oder die Gestaltung der Innenstadt gesprochen wurde, kam prompt der Hinweis auf das zu erwartende Verkehrsentwicklungskonzept. Hiervon versprach man sich Lösungsansätze, Anregungen für mögliche Verbesserungen. Nun liegt es vor, das umfassende Werk, das die Münchner Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr erarbeitet hat. Welche Maßnahmen ergriffen werden, darüber wird der Stadtrat noch im Einzelnen zu entscheiden haben. Wichtige Überlegungen werden Radwegen und Verkehrskreiseln gelten.

Seit 2016 wurde darauf hingearbeitet; Analysen, Bürgerbefragungen und Verkehrszählungen mit Unterstützung von Schülern des Gymnasiums wurden vorgenommen. Alexander Süßmuth, Diplom-Ingenieur und Verkehrsplaner aus dem beauftragten Büro, präsentierte nun dem Stadtrat das Untersuchungsergebnis und die daraus resultierenden Schlüsse. Die Kreisstadt zählt doppelt so viele Einpendler wie Auspendler. Die größte Belastung trägt mit 14 400 Fahrten am Tag der Bürgermeister-Dr.-Hauptmann-Ring.

Bekenntnis zur Fußgängerzone

Erledigungen werden zu 75 Prozent mit dem Auto vorgenommen, elf Prozent zu Fuß, zehn mit dem Fahrrad. Hier sehen die Experten noch viel Potenzial. "Der Radverkehr wird zunehmen", sagte Süßmuth. Deshalb empfiehlt er erste Veränderungen zum Vorteil von Radlern etwa in der Kronacher Straße. Auf der dem Gymnasium gegenüberliegenden Straßenseite könnte man einen Schutzstreifen für Radfahrer anlegen; es würden dann rund 30 Stellplätze entfallen. Parkplätze gibt es genug in der Stadt, so das Untersuchungsergebnis. Die Stellplätze sollten aber besser für Besucher und Kunden der Geschäfte nutzbar gemacht werden - etwa indem Anwohnern Flächen in den Parkhäusern angeboten werden.

Die Befragung ergab auch ein klares Bekenntnis zur Fußgängerzone, die einmal ein Politikum war. Nur 13 Prozent äußerten den Wunsch, dass diese wieder für den Verkehr geöffnet werde.

Viele Bürger sprachen sich für die Schaffung von Kreisverkehren aus. Die Planer nahmen die Möglichkeiten unter die Lupe. "Verkehrsentwicklungskonzept bedeutet, dass wir in die Zukunft schauen und Ideen entwickeln", so Alexander Süßmuth. Eine Empfehlung gab es für einen Kreisel an der Kreuzung der Coburger Straße mit der Friedrich-Ebert-Straße (Einmündung nach beziehungsweise von Schney). Ebenso für den Bereich Robert-Koch-Straße /Viktor-von-Scheffel-Straße.

Als neuralgischer Knotenpunkt wurde die Ampelkreuzung an der Mainbrücke (Coburger Straße / Köstener Straße - Bgm.-Dr.-Hauptmann-Ring) bezeichnet. Ein Kreisel wäre möglich, aber eng. "Ein kniffliger Punkt", wie Stadtbaumeister Gerhard Pülz einräumte. Auch in der Verwaltung werde kontrovers darüber diskutiert. Für einen Umbau würde man zusätzliche Fläche benötigen, die der Stadt derzeit nicht gehört. Lösungen sind also auch von der Möglichkeit des Grunderwerbs abhängig. Wenn man ans Brückenbauwerk herangehe, werde es sehr teuer. Bis zum Sommer, kündigte Gerhard Pülz an, wolle das Stadtbauamt Konkreteres unterbreiten können. Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) sah in dem Konzept einen "guten Kompass" für die nächsten zehn Jahre.

Auch wenn es bei dieser ersten Vorstellung noch nicht um Details gehen sollte, wurde schnell deutlich, dass den Stadträten einiges auf den Nägeln brennt. "Es hat zu lange gedauert", sagte Philipp Molendo (Junge Bürger). Jetzt müsse etwas vorangehen.