Sortiert und ruhig wirkte der 51-jährige Selbstständige, als er im Schöffengerichtsprozess unter Vorsitz von Richterin Ulrike Barausch Rede und Antwort stehen musste. Seine 43-jährige Ehefrau tat es ihm überwiegend gleich. Nur dann und wann streiften ihre Augen unruhig umher.

Sechs Anklagepunkte trug Staatsanwalt Michael Koch vor. So kam zur Sprache, dass der Angeklagte im August 2015 einen Porsche bestellte, den er nicht zahlen konnte. Durch Nichtabholung entstand der Firma ein Schaden in Höhe von knapp 6000 Euro. Im September 2015 schlossen die Angeschuldigten außerdem einen Kaufvertrag zu einer Redwitzer Immobilie im Wert von 350 000 Euro ab. Die Verkäufer vertrauten dem Paar vor allem wegen einer Umsatzabfrage ihres Kontos, die das Paar als solvent auswies. Doch was das Paar vorlegte, war eine Fälschung.

Vertrauen ausgenutzt

Im Vertrauen darauf kam es zu der Überlassung, die außerdem noch 6000 Liter Heizöl im Wert von 2750 Euro beinhaltete. Die Immobilie wurde fünf Monate lang bezogen, das Heizöl nahezu verheizt und die Verkäufer sahen kein Geld. Der entstandenen Schaden belief sich auf circa 11 459 Euro - so viel hätten die Geschädigten bei einer Vermietung einnehmen können.

Ein weiterer Anklagepunkt lautete, dass das Paar den Auftrag zur Installation einer Telefonanlage samt Verkabelung des Firmensitzes gab. Die Rechnung in Höhe von 2263,68 Euro blieb allerdings offen. Auch erschlich sich der 51-Jährige im Oktober 2015 unter Vorspielung von Zahlungsfähigkeit durch gefälscht Unterlagen einen Ratenzahlungskredit bei einer Bank. Zudem beantragte er im November 2015 bei einer anderen Bank eine Darlehenssumme von 50 000 Euro.

Bei ihrer Befragung zu Motiven und Hergang des Geschehens schilderte das Paar seinen finanziellen Abstieg. Einst selbstständig tätig im Medienwesen, habe es Einbußen erlitten. Doch die Lust am Erhalt des Lebensstandards blieb. "Wir konnten super leben und Porsche fahren", erklärte der 51-Jährige zu den guten Zeiten und schob nach: "Später hatten wir Probleme mit dem Finanzamt." Gerade diese Ausführung brachte dem Angeklagten harsche Kritik von Richterin Barausch ein, die ihn darauf hinwies, dass andere Leute auch Schwierigkeiten haben, aber "man trotzdem die Gesetze wahren muss".

Kooperativ und geständig

Das Paar zeigte sich kooperativ und geständig. So entgegnete der Angeklagte einer Frage der Vorsitzenden: "Ich wusste, dass die Bank meine Bonität prüft, ich wusste, dass es schwer wird mit Insolvenz. Deshalb habe ich ihn gefälscht." Einer Frage des Staatsanwalts wiederum begegnete er so: "Ich bin ein Idiot und dachte, ich muss alle ruhigstellen. Deshalb habe ich die gefälschten Gehaltsabrechnungen vorgelegt." Allerdings ganz offen war der Beschuldigte nicht, denn was er dem Gericht verschwieg, war, dass er anderntags und in einem benachbarten Gericht erneut in einem Verfahren gegen sich sitzen wird.

Da vor allem die Sache mit der Immobilie in Redwitz schwer wog, ließ sich die Staatsanwaltschaft darauf ein, einige Anklagepunkte fallenzulassen und sich auf den einen Tatvorwurf zu beschränken. Das Urteil sollte vor allem den 51-Jährigen sichtlich treffen. Dieser wird für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis gehen. Seine Frau erhielt hingegen eine neunmonatige Bewährungsstrafe.