Es ist eine ganz normale Klassenzimmertür und doch wieder nicht. "StüFö" steht auf dem Türschild in diesem Flur der St.-Katharina-Schule. Auf der Tür selbst kann man, angeordnet wie in einem Kreuzworträtsel, die Vornamen der Schüler lesen, die in diese "Stütz- und Förderklasse" gehen. Es ist eine kleine Gruppe, mit der ein Team aus Sonder-, Sozial- und Heilpädagogen hier Großes leistet.

Diese Kinder haben keine Lernbehinderung, sie könnten eigentlich eine ganz normale Schule besuchen. Das haben sie auch zunächst. Doch sie sind auffällig geworden durch ihr Verhalten, wurden zur Belastung für sich selbst und die anderen Kinder. Lernen ging dann auch nicht mehr.

"Es stecken oft lange Geschichten dahinter", weiß Sonderpädagogin Martina Partheymüller. Sie leitet diese spezielle Klasse. Schwierige und belastende familiäre Situationen oder persönliche Erlebnisse haben zu dem geführt, was die Kinder schließlich hierher brachte. Manche sind massiv aggressiv, andere wiederum eher depressiv, still und verängstigt.

Das besondere Konzept der Stütz- und Förderklasse zeigt Erfolge. Hier schaut man auf die Stärken dieser Schüler, hält ihnen bei schlechtem Benehmen den Spiegel vor und arbeitet gemeinsam systematisch daran, etwas zu verändern. Klare Strukturen, Rituale und Regeln geben dabei Sicherheit und Orientierung. Jeden Tag gibt es ein gemeinsames gesundes Frühstück, bei dem man sich austauscht, bei dem aber auch Aufgaben wie Tischdecken und Abräumen erledigt werden müssen. Familiäre Situationen, die daheim oft so nicht vorgelebt werden. Der gemeinsame Tag schließt auch ein Mittagessen und Hausaufgabenzeit ein. Es ist inzwischen bereits das fünfte Schuljahr für die "StüFö". Die ersten Schüler sind längst nicht mehr hier. Ziel ist es nämlich, dass nach zwei bis drei Jahren alle in die Regelschule zurückgeführt werden - wenn Versäumtes aufgeholt und an den Problemen gearbeitet wurde. Im vergangenen Schuljahr haben das zwei von neun geschafft. Ein Kind ging ans Gymnasium, eines an die Mittelschule. Und im nächsten Jahr werden es wieder welche schaffen. So ergibt sich stets eine jahrgangsgemischte Klasse, in der gleichzeitig einige für andere schon Vorbild sein können. Durch die Zusammenarbeit des Klassenteams mit Ärzten, Kinder- und Jugendpsychologen, Psychotherapeuten und natürlich den Eltern könne bereits in einem Schuljahr viel bewirkt werden, erläutert Sozialpädagogin Tina Müller. "Man schafft den Weg gemeinsam." Martina Partheymüller merkt unverblümt an, dass dieser Weg ohne die besondere Unterstützung bei manchen direkt in den Jugendknast geführt hätte. Wenn sich stattdessen nun ein "vorbildlicher junger Kerl " zeige, der sogar durch seinen Fleiß auffalle, ist das ein Beweis dafür, dass sich die Arbeit lohnt. Stefan Hahn, der Leiter des Sachgebiets Jugend und Familie am Landratsamt, sprach in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses von einem "erfreulichen Ergebnis".

70 000 Euro investiert der Landkreis Lichtenfels jährlich in die Stütz- und Förderklasse. Eine Kooperationsvereinbarung zwischen ihm und dem Caritasverband als Träger regelt den Personaleinsatz und die Kostenerstattung. Ihr stimmte der Ausschuss einmütig zu. Damit könne diese "nicht einfache Arbeit" weitergehen, stellte Landrat Christian Meißner (CSU) fest.

"Wir sind offen für neue Kinder", bekräftigt Tina Müller. Ihr ist es ein Anliegen, dass mehr Menschen um die die Stütz- und Förderklasse wissen, damit die Hilfe denen, die sie nötig haben, auch gewährt werden kann. Momentan wüssten noch nicht einmal alle Grundschullehrer im Landkreis Bescheid, so ihre Einschätzung. Dabei ist es wichtig, gerade in diesem Bereich anzusetzen, um einen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung früh zu erkennen.