Wie stark unterscheiden sich die Berufe des Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegers? Das ist die zentrale Frage, die BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Petrak angesichts des neuen Ausbildungsberufs Pflegefachmann stellt. "Warum wirft man diese Berufsbilder nun zusammen?", fragt er, wobei doch grundlegende Unterschiede bestehen. Jede dieser Disziplinen habe sich selbstständig entwickelt und besitze eigene Spezifika. "Ein Krankenhaus ist kein Pflegeheim und ein Pflegeheim kein Krankenhaus", unterstreicht er.

Dem neuen Pflegeberufegesetz zufolge wird die dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann im kommenden Jahr erstmals angeboten. "Der Gesetzgeber will damit die Pflege aufwerten und alle drei Berufe zu einem Berufsbild zusammenführen", erklärt Petrak die Hintergründe. Dadurch verspreche sich der Gesetzgeber mehr Durchlässigkeit zwischen Krankenhaus und Altenpflegeeinrichtungen.

Altenpflege ist eigene Disziplin

Die drei bisherigen Ausbildungsberufe in einem einzigen aufgehen zu lassen, sieht er nicht als Aufwertung der Pflege. "Altenpflege hat einen Wert, ist eine eigene Disziplin", fährt er fort. Das, was so schlecht nicht war, werde nun geändert, obwohl die beiden Fachdisziplinen Alten- und Krankenpflege nebeneinander eine Berechtigung hätten. Jede Disziplin entwickelte sich, habe Spezialitäten herausarbeiten können, fährt er fort - etwa den ganzheitlichen Aspekt der Altenpflege. Während die Krankenpflege das jeweilige Leiden im Fokus habe, sei in der Altenpflege die Biographiearbeit besonders wichtig, also das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse der Senioren.

Rein theoretisch besteht noch der Beruf des Altenpflegers, aber nur, wenn sich der Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr für den spezialisierten Berufsabschluss "Altenpfleger" entscheidet. Dass ein Auszubildender - wie künftig möglich - im dritten Lehrjahr auf den eigenständigen Beruf "Altenpfleger" umschwenkt, hält Petrak für unsinnig: "Nach zwei Jahren der generalisierten Ausbildung wird er sich nicht mehr auf die Altenpflege einschränken." Zudem gebe es keinen Weg zurück: Wer sich für eine Spezialisierung zum Altenpfleger entscheide, dem bleibe der Weg ins Krankenhaus in der Regel verwehrt. Außerdem fehle die europaweite Anerkennung, und die Schulen werden wohl eine derartige Spezialisierung nicht mitmachen. Insofern bestehe das Berufsbild des Altenpflegers nur noch auf dem Papier, so Petrak.

Was vom Gesetzgeber als Generalistik gedacht sei, bringe in der Praxis Probleme und sei in der Umsetzung kompliziert. Die Pflege sei jetzt schon "einer der höchstregulierten Bereiche in ganz Deutschland", sagt Petrak. Die Auszubildenden müssten vom Krankenhaus ins Altenwohnheim wechseln und umgekehrt. "Der Auszubildende ist in drei Jahren nur etwa ein Drittel in seinem eigentlichen Betrieb", ergänzt Petrak, "die anderen zwei Drittel verbringt er in der Schule oder in einer anderen Einrichtung, etwa der Akutpflege oder der Pädiatrie."

Auch Kilian Stöcklein, der die BRK-Fachstelle Pflege leitet, bezweifelt, ob das zusammengefasste neue Berufsbild der große Wurf sein wird. Ab 1. September 2020 bilde das Rote Kreuz im Landkreis Lichtenfels zum Pflegefachmann aus, Bewerbungen seien schon jetzt möglich und erbeten. "Wir werden es merken, wie sich die Leute bewerben", sagt Stöcklein. Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen müssten künftig ganz eng zusammenarbeiten und neue Netzwerke bilden, urteilen Thomas Petrak und Kilian Stöcklein. Denn das Rote Kreuz könne den Klinikbereich nicht abdecken, ein Austausch zwischen den Trägern von Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen sei erforderlich. Als problematisch sehen beide zudem den Einsatz im Teilbereich Pädiatrie. Weil im Ausbildungssystem unterschiedlichste Einsatzfelder erforderlich sind, werde es zu einer ständigen Rotation der Auszubildenden an diesen Einsatzstellen kommen, "deren Wirkung wir noch gar nicht kennen", folgert Petrak.

Mangel an Altenpflegern

Einen bereits jetzt bestehenden Engpass werde der neue Ausbildungsberuf nicht schließen können, befürchtet Stöcklein. Obwohl die Ausbildungsvergütungen attraktiv seien, gebe es zu wenig junge Menschen, die sich für Altenpflege interessieren. Kilian Stöcklein: "Es sind nicht genug Bewerber da, um die vorhandenen Stellen komplett zu füllen."

Dabei sei der Personalbedarf künftig noch steigend, fügt Petrak hinzu. Die Demographie zeige auf, dass es gelte, die Generation der Babyboomer zu versorgen. Diese Menschen scheiden bald aus dem Berufsleben aus. Zudem fehlten diese Menschen als Arbeitskräfte. Petrak: "Die öffentliche Wahrnehmung des Pflegeberufs muss positiver werden, hier ist in den letzten Jahren vieles schlechtgeredet worden." Für freie Ausbildungsplätze zum Notfallsanitäter erhalte das BRK viele Bewerbungen - für Ausbildungsplätze in der Pflege nicht, ergänzt er. Und Kilian Stöcklein fügt hinzu: "Es ist ein schöner Beruf, denn Pflegekräfte bekommen die unmittelbare Rückmeldung und Dankbarkeit der Menschen."

Pflegeberufegesetz und Pflegefachmann/-frau

Regelung Mit dem Gesetz zur Reform der Pflegeberufe, das im Juli 2017 verkündet wurde, wird der Grundstein für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Pflegeausbildung für die Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege gelegt.

Ausbildung Alle Auszubildenden erhalten zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung, in der sie einen Vertiefungsbereich in der praktischen Ausbildung wählen. Auszubildende, die im dritten Ausbildungsjahr die generalistische Ausbildung fortsetzen, erwerben den Berufsabschluss "Pflegefachfrau" bzw. "Pflegefachmann".

Wahlmöglichkeit Auszubildende, die ihren Schwerpunkt in der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen sehen, können wählen, ob sie - statt die generalistische Ausbildung fortzusetzen - einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege erwerben wollen.

Beginn Diese generalistische Pflegeausbildung mit dem Berufsabschluss Pflegefachfrau/ Pflegefachmann wird es ab dem 1. September 2020 geben. Bewerbungen beim BRK sind jedoch bereits zum jetzigen Zeitpunkt möglich.